"Kling, klang" ist Fluch und Segen

Plauen - "Steck dir die halbe Tüte Erdnuss-Chips in deinen zuckersüßen Mund, ich find dich in einem Comic-Heft wieder, fotografier dich bunt". Es gibt Textzeilen und Refrains, die bekommt man, hört man sie morgens, den ganzen Tag nicht wieder aus den Ohren. Einer, der am hartnäckigsten drin bleibt, ist "Kling, klang" von "Keimzeit". Ist der Song für die Band Fluch und Segen gleichermaßen? Und was steckt hinter dem aktuellen Akustik-Projekt, mit dem sie am 20. Mai in der Zwickauer Lutherkirche gastieren? Redakteur Torsten Piontkowski unterhielt sich am Telefon mit Norbert Leisegang.

Im Jahre 1980 habt Ihr Euch als "Jogger" gegründet, als "Keimzeit" seid Ihr den Fans seit 1982 ein Begriff. Habt Ihr nun im Vorjahr 30-jähriges Bandjubiläum gefeiert oder werdet Ihr das nächstes Jahr tun?

Im kommenden Jahr feiern wir drei Jahrzehnte "Keimzeit", weil wir gemerkt haben, dass die Anfänge als "Jogger" terminlich nicht so gestochen scharf nachvollziehbar sind. Und deshalb haben wir vor vier Jahren 25-Jähriges gefeiert und werden nächstes Jahr wieder feten. Natürlich mit einem neuen Album.

Einige Bands spielen ähnlich lange zusammen wie Ihr, "Keimzeit" tut das allerdings auch noch "ganz in Familie?"

Ja klar, ich bin ja noch mit meinen beiden Brüdern zugange, also Hartmut und Roland. Das ist Fluch und Segen zugleich. Einerseits macht es einen glücklich, mit den Geschwistern auf der Bühne zu stehen, andererseits trägst du ja über all die Jahre die ganze Kindheit und Jugend mit dir rum, natürlich auch die Konflikte von damals. Das führt zuweilen zu Reibereien in der Band, die nur wenige nachvollziehen können. Mir ist aber klar, dass es hin und wieder Turbulenzen geben muss, auch im Interesse der Musik. So haben wir einen ganz eigenen, unseren Sound, kreiert und darauf sind wir auch stolz.

Im Februar und März dieses Jahres habt Ihr am neuen Album gearbeitet. Wie ist der aktuelle Stand?

Das Album ist raus und heißt "Land in Sicht". Eine Doppelscheibe mit neu aufgenommenen Klassikern und einer zweiten CD mit einer Art "Best of" der letzten vier Studioalben. Das Album lag uns sehr am Herzen und sollte eigentlich schon viel früher fertig sein, aber wir hatten zu viel Administratorisches um die Ohren, haben unsere eigene Firma gegründet. Also es kam viel zusammen.

Ein Wort zu "Kling, klang", das mittlerweile vermutlich Generationen fehlerfrei mitsingen können. Nervt Euch das?

Anfangs, als wir nur auf den Song reduziert wurden, war ich schon verschnupft. Mittlerweile, man wird ja auch älter und weiser, ist mir klar, dass das Lied jede Menge Herzen, aber auch Türen geöffnet hat. Und wenn es einer Band gelingt, einen Titel zu haben, der noch heute in der Disco und in den Cafes läuft, dann sollte sie glücklich sein.

Am 20. Mai seid Ihr in der Zwickauer Lutherkirche mit einem Projekt der etwas anderen Art zu erleben, als Akustik-Quartett. Wie kam es dazu?

Vor ungefähr eineinhalb Jahren traf ich die Geigerin Gabriele Kienast, die damals noch in Rostock wohnte. Wir traten zu verschiedenen Projekten gemeinsam auf, dann kamen Anfragen von Freunden und wir spielten als Quartett, ergänzt von Bruder Norbert am Bass und Rudi Feuerbach an der Gitarre. In diesem Quartett, das merkten wir schnell, lag ein besonderer Zauber. Wir haben dann das Programm erweitert, bis wir das Potential für eine Tour zusammen hatten, eben die Akustik-Tour, mit der wir in diesem Jahr 20 Konzerte geben.

Und eines, wie gesagt, in der Zwickauer Lutherkirche?

Genau. Wir haben gemerkt, dass es sich ohne Verstärker in einer Kirche super spielen lässt. Ein Schlagzeug wiederum wäre ein akustisches Desaster. Also ich denke mal, den Leuten dürfte es gefallen.

Seid Ihr kirchlich engagiert?

Weshalb fragst Du? Ich bin getauft und konfirmiert, also Protestant, aber nicht kirchlich engagiert. Aber ich glaube, die Eltern von Gabriele sind Kantoren. Ansonsten finde ich es wirklich gut, wenn sich die Kirchen unserer Musik aufschließen.

Schaut man sich Eure Auftrittsorte kurz nach der Wende an könnte man meinen, Ihr wart schneller als andere "gesamtdeutsch"?

Nee, das ist falsch. Einige Bands, wie Puhdys und Silly, hatten ja schon vor der Wende im Westen Veröffentlichungen, Die Prinzen hatten auch ziemlich schnell einen Vertrag mit GMG. Aber klar war es auch für uns ein toller Effekt, dass die beiden Staaten wieder zusammengeführt wurden. Wir konnten ganz neu orten, wo spricht man deutsch, wo versteht man unsere Texte. Und das geht ja ein ganzes Stück über Deutschland hinaus.

Wo befinden sich Eure treuesten Fans?

Ach, da kann man nicht schwarz-weiß malen. Es gibt Landstiche, da funktionierts bestens und woanders wieder weniger gut. Das liegt dann aber auch oft an den Veranstaltern. Uns macht es Spaß, durch ganz Deutschland zu ziehen, vom Eichsfeld bis Stuttgart und überall auf Leute zu treffen die sagen, "Wenn Keimzeit kommt, gehen wir hin".

Ist von der Akustik-Tour eine CD geplant?

Der Grundgedanke ist eigentlich, dass das Projekt nur live funktioniert und auf die Schnelle nur irgendwas produzieren wollten wir auch nicht. Vor der Produktion einer neuen CD stehen wir ja eh schon. Geplant ist, im Herbst ein neues Album in Los Angeles aufzunehmen.

Wenn man also vorab nicht reinhören kann, was einem während Eurer aktuellen Tour erwartet, dann noch paar Worte zum Inhalt.

Die Akustik-Tour ist wie gesagt keinesfalls identisch mit dem, was wir sonst mit dem "großen Besteck" machen. Die Leute werden Keimzeit-Klassiker hören, außerdem Kompositionen von Rudi Feuerbach, der sie auch selbst singt, einige uns besonders am Herzen liegende Filmmusiken und weitere sechs Songs, die bislang noch keiner gehört hat.