Klimaschutz geht auch sozial

Mit dem 33-jährigen Johannes Höfer setzt die Vogtland-Linke auf ein junges Parteimitglied als Direktkandidat für den Bundestag. Parallel findet sich der Reichenbacher auf Platz 10 der Landesliste wieder.

Von Cornelia Henze

Reichenbach Johannes Höfer ist Koch und Jura-Student, Familienvater und Ärzte-Fan. Im zweistündigen Gespräch auf einer Parkbank wird schnell klar, dass es ihm vor allem um Gerechtigkeit geht. Im Fokus stehen für den Mittdreißiger die Kinder und Familien.


Geld verdienen, gleichzeitig Studium finanzieren und Familie unter einen Hut kriegen - diesen schwierigen Lebensproben stellt sich der Linke-Kandidat gerade selbst. Aufgewachsen in Rützengrün bei Rodewisch, später in Reichenbach, lernt er nach der Schule Koch. 2019 holt er das Abi nach. Höfer erinnert sich an eine lernintensive Zeit. Früh um fünfe aufstehen, um sechs in der Küche im Kreisklinikum Obergöltzsch. Nachmittags um vier zur Abendschule nach Chemnitz - und fürs Abi lernen bis abends um zehn. Zu dieser Zeit ist Johannes Höfer schon Vater eines Sohnes, und mit dem tödlichen Unfall seines zweiten Sohnes trifft ihn das Schicksal hart. Inmitten dieses persönlich schweren Schlages beginnt Johannes Höfer ein Jura-Studium in Jena. Weil er kein Bafög bekommt, kocht Höfer im Krankenhaus stundenweise weiter. Und dann platzt auch noch Corona ins Leben. Das heißt Fernstudium zu Hause und nebenbei den Sohn (11) und die kleine Tochter (2) mit betreuen. "Diese Zeit war schon manchmal fordern, wie für viele Familien", konstatiert er. Das Leben in Deutschland müsse gerechter werden, die Generation seiner Kinder sollten eine Schulbildung bekommen, die nicht vom Inhalt des Eltern-Portemonnaies abhängen. Junge Leute sollten Jobs bekommen, in denen weder Geschlecht noch ostdeutsche Herkunft über Chancen bestimmen. Höfer würde das kostenlose Vorschuljahr und einen Mindestlohn von 13 Euro einführen, gleichzeitig die 30-Stunden-Arbeitswoche, damit mehr Zeit für die Familie bleibt.


Vor allem wolle er, dass die Generation seiner Kinder einen Planeten vorfindet, der nicht von Klimawandel und ungebremstem Wachstum zestört werde. Höfer spricht von Kohleausstieg ab 2030, Klimaschutz, weg vom Auto hin zu mehr ÖPNV. Ist Höfer in der falschen Partei? Nein, mit grünem Kapitalismus habe seine Partei nichts gemein. Klimaschutz ja, aber nicht zu Lasten der Menschen, die sonst schon alles zahlen. Sozialverträglich müsse Klimaschutz funktionieren - und nicht anders. Auch von Sahra Wagenknechts geprägten Begriff vom "Livestyle-Linken" distanziert er sich. Wagenknecht habe zwar zu Teilen nicht Unrecht, jedoch empfinde er den "Lifestyle-Linken" beleidigend all jenen Parteimitgliedern an der Basis gegenüber, die sich eben nicht jener Klientel zuteilen lassen. In diesem Zusammenhang erwähnt Höfer, nicht aus einer Akademikerfamilie zu stammen. Und nein: Mit Karin Höfer, Ex-Linke-Kreisrätin und langjährigem Parteimitglied, sei er nicht verwandt. "Ich werde das oft gefragt", sagt der junge Mann lachend. Seit Anfang 2020 führt Höfer den Linke-Ortsverband Reichenbach. Mitglied ist er in der Vogtland-Linke. Und bis vor kurzem engagierte er sich im Wahlkampfteam der Plauener OB-Kandidatin Silvia Queck-Hänel.


Freilich gibt es Momente, in denen auch ein Linker ins Grübeln kommt. Stichwort Afghanistan. Von Haus aus stimmt die Linke gegen Bundedswehreinsätze in Afghanistan. Aber war es richtig, die Truppen heimzuschicken und den Taliban das Land zu überlassen? Der Abzug aller Truppen sei zum jetzigen Zeitpunkt falsch, meint Höfer. Den Grund für das Erstarken der Taliban sieht er aber in der Vergangenheit liegen. Das Entsenden us-amerikanischer und deutscher Truppen nach Afghanistan vor Jahren habe schon damals den Terrorismus befördert und sei nicht nötig gewesen.
Johannes Höfer ist froh, dass in Deutschland Kanzlerkandidaten wie Friedrich Merz verhindert wurden. Er verabscheut Neoliberalismus und nennt die These, dass der freie Markt alles zu richten vermöge, einen Mythos. Eine Koalition Rot-Rot-Grün sei nicht abwegig, wenn man sich manche Politikumfrage beschaut. Bei der Linken ist Johannes Höfer erst 2015 eingetreten. Da war er 27. Zuvor war die unbeschwerte Jugendzeit, in der Höfer als Fan die Chemnitzer Links-Rap-Band Kraftklub auf Tour begleitete und die Musik der Ärzte hörte. Durch deren Texte habe er angefangen links zu denken und ein politischer Mensch zu werden, sagt er. Wenn der zukünftige Jurist heute die Ärmel hochkrempelt, lässt sich das eintätowierte Ärzte-Maskottchen blicken und erinnert daran, die Welt ein wenig gerechter werden zu lassen.