Kleiner Flitzer erobert jede Gasse

Ein elektrisch angetriebenes Lastenfahrrad sorgt unter Berliner Logistikunternehmern für Staunen. Gebaut hat es das Team des Plaueners Sven Knorr aus der Fahrzeugschmiede Vowag GmbH.

Plauen Die so genannte "Letzte Meile" gerät in letzter Zeit immer häufiger in die Schlagzeilen. Denn herkömmliche Benzin- und Dieselfahrzeugen will keiner mehr haben in engen Altstadtgassen und Fußgängerzonen. Aber wie kommt das Paket zum Besteller? Wie die Ware zum kleinen Händler? Und wie leert sich der Papierkorb in der fahrzeugberuhigten Zone? Sven Knorr (57) aus Plauen hat zwei Jahre lang an der Lösung getüftelt. "Vor einem Jahr ist unser Projekt dann konkret geworden", verrät der Diplomingenieur für Maschinenbau mit der Leidenschaft zum Motorsport und den guten Genen eines Rallye-Fahrers. Die Lösung hat vier Räder, eine Stahlkarosserie und einen Elektromotor. Getauft wurde das Pedelec (setzt sich zusammen aus Pedal und Elektro) auf den Namen Cargo M. Cargo stehe wiederum für "Lasten", das M für "mittel". Denn das erste Cargobike besitze mittlere Größe, was nicht ausschließt, dass - ähnlich wie bei den Kleiderkonfektionsgrößen - auch noch die Modelle "S", "L" oder "XL" folgen könnten.
Vorerst will aber erst mal "Cargo M" auf den Markt.
Dafür ist Sven Knorr zu Wochenanfang nach Berlin gefahren. Über einen Logistikverband stellte der Vogtländer vor Unternehmern aus der Lastenbranche sein elektrisches Lastenfahrzeug vor. Ganz leise, weil elektrisch angetrieben, und umweltfreundlich vermag es Dinge bis zu 355 Kilo zu transportieren. Im Leergewicht bringt das Gefährt übrigens 200 Kilo auf die Waage. Wird "Cargo M" jetzt alle Welt, die Kleinteiliges zu transportieren hat, revolutionieren? "Das ist natürlich das, was wir wollen", sagt Knorr, der Macher und Visionär zugleich ist. Viele Monate haben er und sein siebenköpfiges Team darauf hin gearbeitet, diese Logistiknische zu besetzen. Immer mehr kommen umweltfreundlich und emmissonsfrei funktionierende Trransportmittel in Mode. Auch große Fahrzeugkonzerne wie beispielsweise VW beginnen umzudenken. Sven Knorr: "Unser Pedelec besetzt allerdings eine Nische, die für die Großen nicht einträglich und lukrativ genug ist." Für den Plauener, der bereits 2009 die Sächsische Automobil Manufaktur (SAM) gründete und dort das erste serienfähige Rallye-Raid-Rennauto zusammenbaute, ist die Nische gerade gut genug. Auf der Heimfahrt gestern von Berlin gab es schon mal einen Zwischenstop in Dresden. Dort lud Knorr einen seiner Pedelecs aus der Vorserienproduktion bei der Firma "Ökoflitzer" ab. Der werde jetzt für eine Woche getestet. Die Firma habe großes Interesse gezeigt, so der Fahrzeugerfinder. Auch in der Heimat, in Plauen, werden die Lastenräder schon getestet: So vom Kaminholz-Lieferer "Brennbar", der Neuen Kaffeerösterei und der Vogtland Schleiftechnik. Einsetzbar ist der "Cargo M", um Waren auszufahren oder Waren logistisch zwischen Geschäft und Lagerräumen zu bewegen. Auch im Streetfood - hier könnte der Eiswagen oder das Bockwurst-Equipment gut draufpassen - ist das Gefährt denkbar. Nützlich könnte es für den Gärtner sein, der sich mit Pflanzutensilien in einem großen Park bewegen muss, für den Paket- und Logistikbereich oder die Promotion. Selbst aus Oslo erreichte den Plauener jetzt eine Anfrage. Cornelia Henze