Kleine Sensation: Vierlinge im Schafstall

Vierlinge sind bei Schafen eine absolute Seltenheit. Wenn dann das Muttertier die Lämmer auch noch ohne Hilfe auf die Welt bringt und alle vier Lämmer mit ihren zwei Zitzen ernähren kann, ist das für den Schafhalter ein Hauptgewinn.

Von Silvia Kölbel

Eine kleine Sensation ereignet sich am 5. Dezember im Stall vom Klaus Frank aus Lengenfeld. Eines seiner zwei Braunen Bergschafe brachte Vierlinge zur Welt - ohne menschliche Hilfe. "Als ich in den Stall kam, waren die Lämmer schon auf der Welt und die Mutter hat sie abgeleckt. Ich konnte kaum glauben, was ich sah und habe gleich noch einmal gezählt."
Klaus Frank (75) ist noch am selben Tag losgefahren, hat Milchpulver, Trinkflaschen und Tränkeimer mit Nippeln gekauft, weil er davon ausgehen musste, dass die Mutter mit ihren zwei Zitzen keine vier Lämmer ernähren kann. Als er den Lämmern den Milchersatz anbot, lehnte diese jedoch dankend ab. Sie zogen es vor, bei der Mutter an der Bar Frischmilch zu zapfen. Dabei blieb es auch. Schafhalter Frank konnte seine Utensilien zur Lämmeraufzucht wieder wegpacken. "Da die Lämmer auch nicht geschrien haben, wusste ich, dass sie satt sind", so Frank. "Vierlinge bei Schafen, das ist so selten, wie ein Fünfer im Lotto", sagt Hanno Franke, der Zuchtleiter des Sächsischen Schaf- und Ziegenzuchtverbandes. Und weiter: "Das Schaf hat einen Orden verdient, wenn es die Lämmer auch noch selber aufgezogen hat." Zuchtleiter Hanno Franke berichtet, dass bei solchen Mehrlingsgeburten meist Flaschenaufzucht oder das Hinzuziehen eines Ammenschafes das Mittel der Wahl ist, um das Überleben zu sichern.
Inzwischen sind die Lämmer - drei kleine Böcke und ein weibliches Lamm, schon zwei Monate alt und unternehmen Ausflüge mit ihrer Mutter auf die Weide. Bergschafe hält Klaus Frank seit fünf Jahren und ist damit sehr zufrieden. Vorher hatte er Fleischschafe im Stall stehen, mit denen es immer wieder Probleme beim Ablammen gab und menschliche Hilfe notwendig war. "Das wollte ich nicht mehr. Ich habe nach einer Rasse gesucht, die robust ist und problemlos die Lämmer auf die Welt bringt."
Als er das erste Mal Bergschafe sah, gefiel ihm diese Rasse sofort. Da es sich beim Braunen Bergschaf, um eine seltene und stark gefährdete Nutztierrasse handelt, war es nicht so einfach, einen Züchter zu finden. Doch schließlich war der Lengenfelder erfolgreich. Mit dem Kauf von zwei weiblichen Tieren und einem Bock erfüllte sich Klaus Frank schließlich 2015 seinen Wunsch nach einem Rassewechsel. Als sein preisverdächtiges Muttertier das erste Mal ablammte, kamen Zwillingen auf die Welt, bei den beiden nächsten Geburten waren es jeweils Drillinge und immer verlief die Geburt reibungslos. Die Mutter zog ihre Lämmer ohne Hilfe des Halters groß. "Ich bin sehr zufrieden und froh, dass ich mich für diese Rasse entschieden habe", sagt Klaus Frank rückblickend.