Kleine Patienten im Orient

Plauen - Sich wie Prinzessin Fatima oder Sultan Muhammed in einem Beduinenzelt im Orient fühlen - kein Problem beim Sommerfest im Garten der Kinderabteilung des Helios Vogtlandklinikums Plauen.

 

Der schöne, weitläufige Garten mit der langen Terrasse vor dem Patientenhaus der Kinderklinik wirkte wie eine orientalische Oase. Fern vom Wüstenstaub grünte da alles. Auf samtweichen Teppichen, vor der Hitze geschützt von edlem Tuch der Zelte, saß es sich wunderbar. Unter den Freidächern am Palast weilten die Schmuckhändler und Handwerker und Künstler und malten und verschönerten ihre kleinen Kunden und sich selbst. Die Bediensteten lieferten reichlich Material. Feines, Buntes, Schönes. Perlen, Stoffe, Farben waren herbeigeschafft worden.

"Der Fischer fand in seinem Netz nacheinander seltsame Dinge. Zum ersten einen Topf mit pappigem Sand. Dann am nächsten Tag einen toten Hammel." Die kleine Märchenerzählerin fand aufmerksame Zuhörer in ihrem offenen Zelt unter Bäumen, das gemütlich mit Decken und Kissen zum Aufenthalt einlud. Abseits auf dem Rücken gut erzogener Lastentiere ritten durch den nahen Wald die kleinen Araber stolz und würdig eine Runde. Nur ein mit Luft aufgeblasenes, seltsames Gebilde, auf denen Kinder wild herumtobten, wollte sich nicht in die Märchenwelt einbauen lassen - das war wohl ein Utensil aus einem anderen Film.

Die Kinderklinik des Helios Vogtlandklinikums wirkte an diesem Tag völlig anders als sonst. Kein Wunder, hatte sich das Schwesternteam um Sabine Müller und Sybille Forner für Kleine eine schöne Abwechslung, Aufmunterung und Ablenkung vom Alltag des Krankseins einfallen lassen: Das Leben aus 1000 und einer Nacht.

"Die Idee kam uns, weil einige von uns Bauchtanz im Volkshochschulkurs belegen und das Tanzen faszinierend ist", meint Schwester Sabine lächelnd. Die 30 Patienten nahmen das Thema gern auf - gemeinsam mit Eltern, Großeltern, Freunden und anderen Besuchern; und auch Chefarzt Jürgen Qietzsch, der die Szenerie mit einem väterlichen Lächeln beobachtete und sich nebenbei nach dem Befinden seiner Patienten erkundigte.

Derweil fand der Fischer wieder etwas außer Fische, so die Erzählerin im Zelt. "Es war eine Flasche, die er öffnete und ein Geist entwich, der sich als böse und nachtragend erwies. Der Geist gar wollte den armen Fischer töten!" Entsetztes Kopfschütteln der Zuhörer darüber als Reaktion. Im Hintergrund klangen aus einem weiteren Zelt muselmanische Gesänge über die Wiese, die ein geheimnisvoller Musikmann mit Turban aus einem sonderbar wirkenden Instrumentarium zauberte. Zudem fertigte die jungen Prinzessinnen am Palast herrlichen Schmuck.

"Was geschah dann?", wollten die Orientbesucher über den Märchenverlauf wissen. Das glückliche Ende passierte tatsächlich - ein Ende der Hoffnung und des Glücks, wie die Erzählerin verkündete. "Der Fischer, ein einfacher, kluger Mann, griff zu einer List, er trickste den Geist aus, er lockte ihn zurück in die Flasche und verschloss diese." Ein Aufatmen ging über die Gesichter der Kinder. Ihr Blicke schweifte über die orientalische Oase, die am Montag wieder zum Garten der Kinderklinik wurde.                  Frank Blenz