Klein-Amerika schaut auf USA

Pferde, Indianer, Country-Musik: Barbara und Siegfried Land aus einem markanten Haus bei Syrau lieben das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Aber sie sind nicht euphorisch, was den Ausgang der Präsidentschaftswahlen anbetrifft.

Frotschau/Syrau - "Gut, dass der unsympathische Typ weg ist", sagt Siegfried Land zur Abwahl Donald Trumps. "Die Krönung ist, dass der Kasperkopf seine Niederlage nicht akzeptieren will. Aber ich weiß nicht, was Joe Biden als neuer Präsident macht. Ob sich viel ändern wird an der Politik?"
Siegfried und Barbara Land haben die ehemalige Kult-Gaststätte "Klein-Amerika" in Frotschau bei Syrau im Oktober 2013 gekauft und als Wohnhaus hergerichtet. Hier haben sie viel Platz für ihr Hobby, den Wilden Westen (der USA) und Pferde: Hier stehen Tipi, Saloon und Totem-Pfahl, hier gibt es Ställe, Reitplätze und viel Natur: Ein Teil der 16.000 Quadratmeter gehört zum Vogtlandkreis, ein Teil zum Landkreis Greiz. "Wenn es um die Grundsteuer geht, haben wir mit den Verwaltungen in Mehltheuer und in Zeulenroda zu tun", erklärt Land.
Das Ehepaar hat sich bereits einen Namen gemacht als Organisatoren des Osterreitens. Im vergangenen Jahr nahmen elf Reiter mit ihren Pferden und 15 Kutschen an dem Ausritt teil, bei dem Mensch und Pferd gesegnet sowie Osterbrot und -wein verteilt wurden. Land zufolge fiel das Osterreiten dieses Jahr aus - wegen Corona. "Hoffentlich kann es 2021 stattfinden."
Der 67-jährige Maurer, der schon als Hochseefischer gearbeitet hat, und seine gleichaltrige Frau stammen aus Jena. "Wir haben uns schon immer für Pferde interessiert. "Dann haben wir die Gojko-Mitic-Filme gesehen, wie ,Die Söhne der Großen Bärin‘, - und wir waren sofort vom Indianer-Virus infiziert", berichtet Frau Land.
Wie das Ehepaar schildert, flüchtete es 1989 mit seinen zwei Töchtern über die Prager Botschaft nach Westdeutschland. In Niederbayern, in der Nähe Deggendorfs, fand die Familie eine zweite Heimat. Hier baute sie ein kleines Haus aus und hier frönte sie ihrem Hobby: "Wir organisierten Wanderritte, etablierten im Gasthof einen Reiterstammtisch, luden zu Westernfesten ein."
Die dortige Dorfgemeinschaft habe sie sehr freundlich aufgenommen ("Auf die Niederbayern lassen wir nichts kommen") und doch zog es das Ehepaar wieder in den Osten: Bei Syrau stand die Waldschänke "Klein-Amerika" zum Verkauf - das große Haus samt Riesengelände lockte. "Die alte Besitzerin hatte die Schänke nicht mehr allein bewirtschaften können. Unsere Tochter hatte die Offerte im Internet gesehen", erinnert sich Frau Land. "Und dann ging alles ganz schnell: Am nächsten Tag fuhren wir zur Besichtigung - und kauften."
Heute strahlt das sanierte Haus in frischem Rot und zeigt sich mit gepflegten Außenanlagen. Über den Dächern wehen Fahnen aus den USA - Stars and Stripes, aus dem Bundesstaat Oregon, die Flagge der Konföderierten…