Klavierkonzert auf Klostermarkt

Sie war zu hören, aber noch nicht zu sehen, sofern sich der Passant noch einige Meter vom Klostermarkt entfernt aufhielt - Musik von einem Klavier, gespielt von einem jungen Mann.

Von Frank Blenz

Plauen Und tatsächlich, da stand mitten auf dem Klostermarkt im Herzen der Stadt ein echtes Klavier. Ein junger Mann spielte Gedanken versunken, in sich gekehrt, als wäre er allein auf dem Platz. Passanten verlangsamten ihre Schritte, lauschten, lächelten, schienen sich zu fragen, wo mitten auf dem Platz ein so voluminöses Instrument herkommt. "Ich habe das einfach mit einer kleinen selbst gebauten Sackkarre auf flachen Rädern hertransportiert, das ist kein Problem", gab Andreas Güstel, der junge Mann am Klavier, Auskunft. Die Karre stand denn auch gleich "geparkt" neben der Stadtgalerie, während er bereits das nächste kleine Stück anspielte. Die Neugier der Passanten stieg. "Ich, besser wir, sind Be-Flügelt, wir sind die Extrempianisten mein Kollege Julian Eilenberger und ich, verriet der studierte Pianist aus Leipzig.
"Die Stücke, die wir in der Öffentlichkeit auf dem Klavier spielen sind ausschließlich Eigenkompositionen. Neben konventionellen Konzerten in Konzertsälen haben wir zudem verschiedene Projekte im Bereich der Aktionskunst parat: Zum Beispiel einen Flügel von einem Kran anheben zu lassen und daran dann ein Konzert geben oder an einem Flügel vierhändig spielen, der drei Meter lange Beine hat. Die Menschen können also unter uns hindurchgehen. Ebenso spielen wir auch mal auf zugefrorenen Seen oder hängen das Klavier in einen Baum", schmunzelt Güstel.
Doch weshalb dieser Aufwand? "Wir wollen das etwas verstaubte Image der Klavierkonzerte aufmöbeln, auf unsere Musik aufmerksam machen, sie in den öffentlichen Raum hieven", so Güstel. Das gelang in Plauen. Zahlreiche Menschen passierten den Auftrittsort von Güstel am Klostermarkt. Und allen zauberte der Pianist ein Lächeln ins Gesicht und vermittelte ihnen das Gefühl, wie schön es doch ist, ebenso innig wie überaus energievolle Klaviermusik an ungewohntem Ort zu hören. "Es war ein sehr schöner Tag, ich bin erstmals in Plauen. Ich glaube ich komme wieder", zog Güstel schließlich ein Fazit, bevor er das Klavier wieder auf die Karre packte.
Wer mehr über die ungewöhnlichen Pianisten erfahren möchte:
www.be-flügelt.de