Klassik und Jazz finden zueinander

Greiz - Der Aufwand ist gerechtfertigt. Immerhin feiert das Greizer JazzWerk sein zehnjähriges Bestehen - und das im Festjahr der Ersterwähnung der Stadt Greiz vor 800 Jahren.

 

Also, eine große Besetzung zur Eröffnung des Internationalen Jazz-Festivals ist keineswegs zu dick aufgetragen und das Beste gerade gut genug: die Vogtland Philharmonie Greiz-Reichenbach und das Berliner Maria Baptist Trio. Am Donnerstag übernahm diese Fusion von Klassik und Jazz den Auftakt des diesjährigen JazzWerks in der Greizer Stadtkirche St. Marien und schenkte den gut 200 Gästen ein vielschichtiges, von verträumt bis impulsiv reichendes Musikerlebnis.

Von Erinnerungen an außergewöhnliche Konzerte kündet auch die Geschichte des Festivals. Musiker aus 21 Nationen standen in den vergangenen zehn Jahren auf der JazzWerk-Bühne, sagte der Schirmherr des Festivals und Greizer Bürgermeister, Gerd Grüner (SPD), in seiner Ansprache. Er bescheinigte dem vom Greizer Theaterherbst organisierten Festival, nicht nur in der Stadt eine feste kulturelle Größe zu sein, sondern sich im gesamten mitteldeutschen Raum als Institution in Sachen Jazz etabliert zu haben. Dass Jazz sehr wohl für avantgardistische Musik, für Erneuerung und die Suche nach neuen musikalischen Ausdrucksformen steht, ist eine Seite der Medaille. Die andere ist die Verbindung zu musikalisch Traditionellem.

Die Festival-Reihe "jazz meets classic" trägt dieser Verknüpfung seit Jahren Rechnung. Mit dem Konzert am Donnerstag übernahm den klassischen Teil beim JazzWerk erstmals ein Sinfonieorchester. Mit Maurice Ravels ursprünglich für Solo-Klavier komponierten und später von ihm zur Orchestersuite ausgearbeiteten Werk "Le tombeau des Couperin" stimmte die Vogtland Philharmonie unter Leitung ihres Chefdirigenten Jirí Malát den Abend ein. Einfühlend und mit ausdrucksstarker Sicherheit präsentierte das Orchester das musikalisch vorherrschend lichte und würdevolle Werk.

Die Brücke zum Jazz baute im Anschluss das Maria Baptist Trio aus Berlin. Maria Baptist am Klavier, Andreas Henze am Bass und Michael Kersting am Schlagzeug spielten zunächst drei Kompositionen der Berliner Pianistin. Individuell im Stil und von einer großen Dichte der Klangräume getragen, zeugen Baptists Stücke vom sicheren Bewusstsein der musikalischen Herkunft, aber ebenso von Modernität. Virtuos und getrieben vom Streben nach bilderreichen Klangformen spannte das Trio den Bogen von lyrischer Anmut bis hin zu mitreißender Impulsivität.

 

Höhepunkt des Konzertabends war jedoch zweifellos die Uraufführung der Komposition von Maria Baptist "Night Scenes for Jazztrio and Orchestra". Hörbar war besonders hier, mit welch meisterhaftem Selbstverständnis die Musikerin, die übrigens auch an der Berliner Musikhochschule Hans Eisler als Dozentin tätig ist, Klassik und Jazz zusammenführt.

Sie lässt in ihrer Komposition sowohl dem Orchester als auch dem Trio Freiräume, sich musikalisch zu positionieren, um sie doch stets wieder miteinander in Zwiesprache treten zu lassen oder sie zu einem einzigen Klangeindruck zu verschmelzen. Mit dem passenden Titel "Good Bye", den das Trio nach lang anhaltendem Beifall für alle Musiker des Abends spielte, fand der Auftakt sein klangvolles Ende. K. Schaarschmidt