Klare Worte: "Theater muss sein"

Die Zeit drängt, wenn das Theater Plauen-Zwickau in seiner jetzigen Struktur erhalten werden soll. Darüber waren sich zur Sitzung am Dienstag alle Stadträte einig. Sie erteilten Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer den Auftrag zum Handeln.

Plauen - Die Zuschauerreihen waren zur Stadtratssitzung gleich zwei Mal dicht gefüllt, als es um die Sparpläne hinsichtlich des Theaters Plauen-Zwickau ging. Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer nutzte bereits zu Beginn die Möglichkeit, seine Position auf die vom Aktionsbündnis "pro Vogtlandtheater" an ihn gerichtete Resolution zu erläutern. In dem von Vertretern aller Parteien, vor allem aber zahlreichen Plauener Theaterfreunden unterzeichneten Schreiben war er Ende voriger Woche aufgefordert worden, sich nicht als Abwickler, sondern Hüter des Theaters zu profilieren.

Oberdorfer unternahm zunächst einen historischen Ausflug in die Anfänge des Theaters, um sodann auf die bisherigen Anstrengungen der Stadt zur Finanzierung des Hauses - auch nach der Fusion mit dem Theater Zwickau - zu verweisen. Oberdorfer bemühte die Statistik, nach der 106 deutsche Städte vergleichbarer Größe über ein Theater verfügen, davon allerdings nur zwei Spielstätten ausschließlich kommunal finanziert werden.

Auch bei allen anderen sächsischen Theatern, so Oberdorfer, beteilige sich der Landkreis finanziell. So bekannte sich der OB zwar ausdrücklich zu einem Fünf-Sparten-Haus, in dem auch in dieser Struktur weiter produziert werden soll, gleichzeitig machte er unmissverständlich deutlich, dass diese Sparten, zumindest von Plauen, nicht mehr finanziert werden können. Der Eigenanteil der Kommunen Zwickau und Plauen in Höhe von fast acht Millionen Euro jährlich könne mittelfristig nicht mehr geleistet werden.

Es gehe nicht an, dass die insgesamt 160 000 Einwohner beider Städte die finanzielle Hauptlast trügen, beide Landkreise - also Zwickauer Land und der Vogtlandkreis aber über rund 600 000 Einwohner verfügen. Tenor der Forderung Oberdorfers: Die Verantwortung für das Theater Plauen-Zwickau muss auf breitere Schultern verteilt, die Landkreise mit ins Boot geholt werden. Wie die reagieren, weiß Oberdorfer allerdings bereits aus eigenem Erleben. Beide Landräte hätten bei Gesprächen im November in Zwickau sofort abwehrend die Hände gehoben. Oberdorfer kämpferisch: Mit der Einkreisung, also dem Verlust der Kreisfreiheit, müsse seitens der Landkreise auch Verantwortung einhergehen. "Was richtig ist wird sich durchsetzen, weil es auch logisch ist", so Oberdorfer.

Und auch die Stadt Zwickau erhielt einen Seitenhieb. Auch hier sei eine "finanzielle Verschiebung" nötig angesichts der unterschiedlichen Bevölkerungszahlen. Die künftig zwei Millionen Euro, die Plauen an das Theater zu zahlen bereit sei, wolle er nicht als Kampfansage gegen das Theater gewertet wissen, sondern Ausdruck der realen Möglichkeiten. Während sich zu Beginn der Stadtratssitzung vor allem Theaterfreunde als Gäste eingefunden hatten, strömte kurz vor der Pause nahezu das gesamte Ensemble des Theaters in den Saal, mussten zahlreiche Sitzgelegenheiten herbeigeschafft werden. Das enorme Interesse am eigentlich letzten Tagesordnungspunkt berücksichtigend, zog Oberdorfer die Beschlussfassung über einen SPD-Antrag vor.

Der beinhaltet im Wesentlichen die Forderung, den Fraktionen bis 20. Januar ein Arbeitspapier zur Fortführung des Grundlagenvertrages für das Theater vorzulegen und im Februar im Kulturausschuss die Diskussion darüber zu beginnen. Eckpunkte dieses Papiers sind die Stellungnahme der Verwaltung

zur künftigen Struktur der Spielstätte

zur künftigen Finanzierung

zu den Leistungen des Theaters, auch über die eigentlichen Spielstätten hinaus

zur dauerhaften Ablösung des Haustarifvertrages

zum zeitlichen Rahmen bis zur Beschlussfassung über einen neuen Grundlagenvertrag.

Dem schloss sich eine teils recht emotional geführte Diskussion an. Deren Tenor: Der OB und die Verwaltung dürfen das Problem nicht auf die lange Bank schieben, die Zeit des Handelns ist überreif. Am Ende stimmten alle Stadträte einmütig für den Antrag der SPD.

Rainer Maria Kett, SPD

"Der Grundlagenvertrag wird von den Stadträten Plauens und Zwickaus beschlossen und nicht wie der Eindruck erweckt wird, von den Oberbürgermeistern und Gesellschaftern. Mit dem Vorschlag, die finanzielle Unterstützung seitens Plauens auf zwei Millionen Euro zu reduzieren, koppelt man das Erbringen von Leistungen von deren Finanzierung ab. Wenn es nicht gelingt, die Finanzierung auf breitere Schultern zu verteilen, dann brauchen wir einen Plan B."

Prof. Lutz Kowalzick, CDU

"Die Bürger müssen bis zur Wahl wissen, wie sich die Protagonisten zu diesem Thema positionieren. Wenn Plauen 1,4 Millionen Euro weniger als bisher zahlt, dann bricht das jetzige Konstrukt zusammen. Wir erwarten von der Verwaltung Klarheit, wohin der Weg geht."

Sven Gerbeth, FDP

"Es bringt nichts, die Probleme vor sich her zu schieben. Allerdings muss auch der Freitstaat Sachsen stärker ins Boot geholt werden. Eine Theaterrettung durch Einsparung - dieses Konzept wird scheitern."

Claudia Hänsel, Linke

"Wenn man fragt, wo Geld eingespart werden kann, dann kommt man auch an den Kosten nicht vorbei, die für das Theater anfallen, wenn es auf der Parkbühne spielt. Das sind pro Auffühung 2500 Euro Miete, plus 2000 Euro Betriebskosten. Wo geht dieses Geld eigentlich hin?

Steffen Zenner, CDU

"Herr Oberbürgermeister, Sie fahren auf Verschleiß. Sie hätten vorher mit dem Landkreis reden müssen, aber den haben Sie ja sechs Jahre nicht beachtet. Das Theater hat seine Hausaufgaben längst gemacht. Die Theaterleute sind es, die unsere Stadt intellektuell befruchten. Im Übrigen ist das Theater eine GmbH. Wer würde denn im Ernstfall haften? Die Stadt, da ginge es um Millionen."