Klappenkindern meist ohne Identität

Mütter die ihr Kind in eine Babyklappe legen müssen wie jene, die ihr Kind ,,irgendwo" aussetzen davon ausgehen, rechtlich verfolgt zu werden. Jedoch mit dem Unterschied, dass das Kind hier schnellstmöglich medizinisch versorgt wird.

 

,,Die Zahl der getöteten Kinder ist durch Babyklappen nicht weniger geworden. Außerdem wird dem Kind damit das Recht auf eine Identität verwehrt", sagt Jürgen Gückelhorn von der Zentralen Adoptionsvermittlungsstelle Westsachsen.

 

Zwei Kinder wurden in diesem Jahr in die Babyklappe des Karo Verein gelegt. Der kleine Leon, der in der Nacht zum 24. Juli in der Babyklappe lag und zu dessen Mutter jede Spur fehlt, lebt im Moment in einer Pflegefamilie bis alles rechtliche geklärt ist und der Fall auch polizeilich zum Abschluss gebracht werden kann. Erst dann kann die Behörde über eine mögliche Adoption nachdenken und das Kind in einer geeigneten Familie unterbringen, bei der es bleiben kann.

"Eltern, die ihr Kind in eine Babyklappe legen müssen sich bewusst sein, dass das rechtliche Folgen für sie hat. Sobald es den kleinsten Anhaltspunkt gibt, wird die Fahndung aufgenommen und ermittelt. Sicher ist es eine Alternative um dem Neugeborenen das Leben zu schenken, jedoch ist es nicht in unserem gesetzlichen Auftrag vorgesehen. Eine wirkliche Lösung aus Sicht des Kindes ist es nicht, da es ohne jegliches ?Kennzeichen? ins Leben geschickt wird.", betont der Jugendamtsleiter des Vogtlandkreis Dr. Berthold Geier, schließt jedoch nicht aus so durchaus auch Leben retten zu können, gerade durch die schnelle medizinische Versorgung die in den Einrichtungen gewährleistet wird.

So war es auch im Fall des kleinen Mädchens Sandra, das am 8. September als zweites Klappenkind in Plauen Schlagzeilen machte. Das Kind wurde in einer Klinik geboren und es gab eine Geburtsurkunde. Durch das Netzwerk konnte die Mutter ermittelt werden. Sie habe sich angeblich durch die positive Berichterstattung in den Medien zu diesem Schritt ermutigt gefühlt, sagt Gückelhorn. Diese Vermutung werde dadurch bestätigt, dass die Mutter sich vor einigen Jahren schon einmal gegen ein Kind entschieden hat, es damals aber zur Adoption frei gab. ,,Es schien ihr wohl diesmal so der einfachere Weg", so der Mitarbeiter der Adoptionsvermittlungsstelle. Das Mädchen lebt mittlerweile nicht mehr in der Pflegefamilie, in der es zuerst untergebracht wurde. Weiteres konnte das Jugendamt des Vogtlandkreis jedoch nicht sagen, da sich der Aufenthaltsort nicht mehr im Zuständigkeitsbereich befinde.

Wenn nicht wie bei Leon ein Zettel beiliegt, hat der kleine Erdenbürger keinen Name und damit auch keine Geburtsurkunde. In diesem Falle muss ein Vormund einen Name vorschlagen und ihn gerichtlich bestätigen lassen. Gleichzeitig wird es auch für das Kind niemals möglich sein die Spuren seiner Herkunft zu verfolgen. ,,Wir haben schon oft erlebt, dass es, wenn die Frage auf die Abstammung keine Antwort findet zu depressiven Erkrankungen oder sogar Selbstmordgedanken führt. Denn auch wenn von den Betroffenen eine unbeschwertes Leben bei beispielsweise bei Adoptiveltern geführt wurde, kommt irgendwann die Frage nach den Wurzeln.

 

Durch einem normalen Adoptionsverlauf ist es fast immer möglich den Weg aufzuzeigen", so Gückelhorn. Auch eine anonyme Geburt ist im im Vogtlandkreis nicht möglich, da sie die gleichen Probleme mit sich bringt und somit auch nicht legal ist. Bereits 2001 und 2008 wurde in Sparkassen Filialen in Plauen und Hof Säuglinge abgelegt. Bei den zwei Findelkindern stellte sich heraus, dass es Geschwister sind.

Um werdenden Müttern oder Eltern die Angst zu nehmen und aufzuklären informiert das Jugendamt über Hilfsangebote für junge Familien und klärt über halboffene und offen Adoption auf. Welche Möglichkeiten sich beispielsweise in so einer schwierigen Lebenslage bieten und an welche Stellen sich Betroffene wenden können berichten wir noch ausführlich.. sr