Kita-Betten fehlen: Schläft Plauen oder muss der Kreis aufwachen?

Die Spitzenstadt hat viele Asylbewerber - und zu wenig Kindergartenplätze. Der Kreis müsse die Stadt entlasten, fordert Sozial-Bürgermeister Zenner. Jetzt kommt die Retourkutsche: Die Stadt soll Hausaufgaben machen.

Plauen - Nach Aussage der Stadtverwaltung Plauen fehlen 70 Kindergartenplätze für Ein- bis Siebenjährige in der Stadt. Bürgermeister Steffen Zenner sieht die Ursache in den vielen Asylbewerbern in der Stadt. Das Landratsamt ist anderer Meinung: 31 Asylbewerberkinder in Plauener Kitas könnten nicht schuld sein. Plauen habe jahrelang die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Das geht aus einer Mitteilung des Landratsamtes hervor. Dort heißt es weiter:
Plauen wächst - auch durch Migranten mit deutscher Staatsbürgerschaft. Für diesen Zuwachs erhält Plauen seit Jahren Geld vom Freistaat Sachsen. "Ob Menschen mit Migrationshintergrund, anerkannte Asylbewerber oder Asylbewerber, alle diese Bewohner der Stadt Plauen werden bei den Finanzzuweisungen an die Stadt berücksichtigt."
Auf Grund des seit Jahren prognostizierten Bevölkerungswachstums stimmte Plauen den Bedarf für Krippen-, Kindergarten- und Hortplätze mit dem Vogtlandkreis ab. Der Kreis prüft die Zahlen. Die im Jugendhilfeausschuss abgestimmte Planung wies für 2018 einen Bedarf von 4905 Plätzen vor. Jedoch hält die Stadt Plauen aktuell (30. Juni 2018) nur 4869 Plätze vor. Das heißt, die mit dem Kreis abgestimmte Planung wurde um 36 Plätze unterschritten. Bereits 2016 stellte Plauen eines Kita-Neubau in Aussicht. Darüber hinaus erhielt Plauen 700 000 Euro Fördergeld: Damit hätten zusätzlich Kita-Plätze geschaffen werden können.
120 Plätze sollten bis 2018/2019 geschaffen werden - 40 Krippen- und 80 Kita-Plätze. Plauen will diese Neubauplanung nun 2020 umsetzen.
Die Kita-Plätze waren mehrfach Thema zwischen Kreis und Stadt. Es gab viele Empfehlungen an die Stadt, um übergangsweise Plätze zu schaffen. So könnten freie Krippen-Plätze zur Betreuung genutzt werden: Laut Kreis waren zur Jahresmitte 190 der 854 Krippenplätze ungenutzt.
Der Kreis hatte angeregt, mit dem Landesjugendamt die Chancen auszuloten, zeitweise mehr Kinder in Plauener Einrichtungen zu betreuen. Gemeinsam wurde erwogen, mehr Tagesmütter zu gewinnen; jede kann 5 Kinder betreuen. Das hätte schnell Kapazitäten schaffen können.
Eltern haben einen Rechtsanspruch auf Kita-Betreuung. Der Anspruch richtet sich gegen den Kreis, den Träger der Jugendhilfe. Dieser prüft die Pläne der Städte und Gemeinden, um Betreuung (abhängig von Einwohnerzahl und -prognose) im Steuerungsinstrument Bedarfsplan festzuschreiben. Das erfolgt alljährlich durch den Landkreis.
Der Landkreis hat Plauen gedrängt, Kita-Plätze zu schaffen. "Nun wurde dies durch die Stadt Plauen selbst richtig benannt, dass es ein Defizit an Betreuungsplätzen im Einzugsgebiet gibt, welches in gemeinsamen Planungsgesprächen zu klären gilt", teilt das Landratsamt mit. ufa