Kirche zum Anfassen

Einen neuen Treff im Chrieschwitzer Hang eröffnet die Michaeliskirchgemeinde Plauen. Gleich gegenüber der Versöhnungskirche wird das Projekt Anfang September gestartet. Damit wird seitens der Kirche zugleich ein neuer Weg beschritten.

Von Simone Zeh

Plauen Selbst zu den Menschen gehen und nicht warten, dass sie in die Kirche kommen. So kann man einen neuen Weg bezeichnen, welchen die Plauener Michaeliskirche jetzt einschlägt. Anfang September öffnen die neuen Räume von "Treff Gegenüber" in der Dr. Karl-Gelbke-Straße 2, direkt gegenüber der Versöhnungskirche.
In großen gelben Lettern prangt der Schriftzug "Herzlich willkommen" an der Veranda, links daneben befindet sich ein Rundfunkgeschäft. Die Räumlichkeiten des "Treff gegenüber" standen jahrelang leer, davor war ein Friseurgeschäft dort untergebracht, werden sich Anwohner des Chrieschwitzer Hangs erinnern. So einigen von ihnen wird auch noch das mobile "Café mit Herz" auf dem ehemaligen Netto-Parkplatz im Gedächtnis sein.
"Damit wollten wir auch Leute außerhalb der Kirche erreichen", sagt Christa Plessing, die zusammen mit Silke Dämlow das neue Projekt "Gemeinde Gegenüber" leiten wird. Man kam bei den Leuten an, war präsent, aber dann gab es keine Stellgenehmigung mehr. Als feststand, dass der Markt abgerissen wird, suchte man nach einer anderen Möglichkeit, für die Bewohner des Chrieschwitzer Hangs sichtbar und ansprechbar zu sein - auch außerhalb der Kirche. "Die Leute haben uns schon gefragt. Kommt ihr wieder?", erinnert sich Christa Plessing. "Viele haben Berührungsängste, in die Kirche zu gehen." Als der geplante Abrisses bekannt wurde, hatte die Michaeliskirchgemeinde auch den Förderantrag bei der Landeskirche zurückgezogen. "Dieses Jahr haben wir den Antrag neu gestellt." Mit Erfolg.
Unter dem Motto "Kirche, die weiter geht" unterstützt die Landeskirche Kirchgemeinden, die Neues wagen, um sich den Menschen zu öffnen, auch finanziell. "Die Landeskirche meinte, es ist ein Projekt, welches Erfolg haben kann", so Plessing.
Es hatte sich zum Jahresbeginn außerdem ergeben, dass der Vermieter, die AWG, der Kirchgemeinde die Räume im Erdgeschoss in der Dr. Karl-Gelbke-Straße 2 in Plauen zur Miete anbot. "Es gab rundherum grünes Licht für unser Projekt", so die Plauenerin, die selbst im Hang wohnt. "Der richtige Zeitpunkt war einfach da." Fußboden und Küche bekam man gespendet von Privat- und Geschäftsleuten. Entstanden ist ein heller Raum, ausgestattet mit Tischen und Stühlen, für Gespräche und Gemeinschaft. Dann gibt es noch eine Ecke zum Chillen, wo man sich zurückziehen kann. Neben dem Büro findet man noch einen Abstellraum und eine Toilette.
"Wir sind jetzt ein richtiges Team", sagt Christa Plessing. Neben den beiden Hauptberuflichen werden noch sechs Ehrenamtliche tätig sein. Ob beim Kaffee kochen oder Putzen. "Jeder, der will, kann sich mit einbringen." Sie freut sich auf die Besucher, die kommen werden. Auch kirchenferne Leute, die vielleicht neugierig sind. "Es gibt gerade nach Corona einen großen Bedarf nach Reden. Wir wollen den Menschen auf Augenhöhe begegnen, so wie es Jesus auch getan hat. Wir wollen nicht predigen, sondern die Menschen abholen auf dem Stand, auf welchem sie gerade sind." Das Evangelium fließe dann von allein mit ein. "Wir gehören ja zur Michaeliskirchgemeinde. Wir sind eine Kirche zum Anfassen", sagt Christa Plessing. "Darin sehe ich eine große Chance."
Es gebe immer wieder Leute, die einfach enttäuscht seien oder schlechte Erfahrungen mit der Kirche gemacht hätten.
"Wir wollen uns einfach mit den Leuten unterhalten, Kaffee anbieten und sagen: Wir freuen uns, dass Sie da sind." Alles andere ergebe sich. Das Interesse am Menschen ist wichtig, nicht das, was er kann oder hat. "Das spielte auch für Jesus keine Rolle." Soll will man auch den Plauenern begeben, denn jeder Mensch habe eine Würde.
Am Sonntag, 5. September, um 9.30 Uhr, wird es einen Einführungsgottesdienst in der Versöhnungskirche geben, zu welchem Vertreter der Landeskirche eingeladen sind. Im Anschluss kann man sich die neuen Räume im "Treff gegenüber" anschauen.
Am Sonntag, 12. September, wenn die Michaeliskirchgemeinde ihr Kirchgemeindefest feiert, wird auch das neue Projekt mit einbezogen. Die Leute können sich die Räume des Projektes anschauen und einen ersten Eindruck bekommen.
Am Freitag, 17. September, wird von 10 bis 17 Uhr ein Tag der offenen Tür angeboten. Jeder ist willkommen, es werden Kaffee und Kuchen angeboten.