Kirche kritisiert Prügel-Polizei

Vertreter aus Politik und Kirche üben scharfe Kritik am brutalen Vorgehen der Polizei gegenüber Gegnern des Neonazi-Aufmarsches am 1. Mai in Plauen vor der Paulus-Kirche. Sachsens Landesbischof Jochen Bohl übergab am Freitag in Dresden einen Protestbrief an Innenminister Markus Ulbig (CDU).

Plauen - In dem Schreiben beschwere sich der Bischof über die Räumung der Pauluskirche, sagte Landeskirchensprecher Matthias Oelke dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bohl zufolge sei es "eine Grenzüberschreitung, die unverhältnismäßig und völlig überzogen ist". Für den Ortspfarrer Hans-Christoph Spitzner und die Demo-Teilnehmer sei das Vorgehen auch deshalb auf Unverständnis getroffen, weil es zuvor Absprachen mit der Polizei über die Öffnung der Kirche gegeben haben soll.

Die Plauener Pauluskirche lag am Donnerstag auf der Aufzugstrecke von Rechtsextremisten. Die Gemeinde hatte daher am Vormittag zu einem Friedensgebet mit Landesbischof Jochen Bohl eingeladen. Wie die sächsische Landeskirche bestätigte, versammelten sich wenige Stunden später vor dem Gotteshaus etwa 200 vorwiegend Linksautonome zu einer Blockade gegen die Neonazis. Sie sollen auch Barrikaden errichtet haben. Die Polizei hat daraufhin die linksorientierten Demonstranten teilweise gewaltsam aus der Kirche geholt.

"Menschen aus der Pauluskirche zu zerren und sie danach regelrecht zu versiegeln, lassen arge Zweifel am Demokratieverständnis der Tillich-Regierung aufkommen", erklärte die Plauener SPD-Stadträtin Juliane Pfeil am Freitag. Auch die Linken-Kreisvorsitzende Janina Pfau ist dieser Meinung: "Es kann nicht sein, dass friedliche Gegendemonstranten kriminalisiert werden, Kirchen geräumt und die Türen zum Gotteshaus verschlossen werden müssen." Die Linke Vogtland und die Linksjugend erklärt sich solidarisch mit den Menschen, die mit ihrer Blockade von einem "legitimen Mittel" Gebrauch gemacht und den Nazis die Straßen Plauens nicht überlassen haben.

Auch der Plauener Pfarrer Hans-Christoph Spitzner bestätigte eine "gewaltsame Räumung der Pauluskirche". Die Polizei habe mit ihm vorher keinen Kontakt aufgenommen, sagte Spitzner. Nach Polizeiangaben demonstrierten am Donnerstag in Plauen rund 2.000 Menschen gegen einen Aufmarsch von rund 400 Rechtsextremen. Zwischendurch kam es zu Ausschreitungen. Insgesamt sollen in Plauen zudem 800 Sicherheitskräfte im Einsatz gewesen sein.

Was den Einsatz der Polizei vor Ort angeht, so sei dieser "unverhältnismäßig" gewesen, eine "Grenzüberschreitung", sagte auch Landeskirchenamtssprecher Matthias Oelke. Der Pfarrer vor Ort habe zunächst "gar nicht bemerkt, dass die Polizei in der Kirche war", weil er inmitten der Demonstranten vor dem Gebäude war. Das Vorgehen der Polizei sei ein "beispielloser Akt", so Oelke weiter. Die Beamten seien in die Kirche eingedrungen ohne dass aus dem Gotteshaus heraus Straftaten begangen wurden."

Auch die sächsischen Grünen und die SPD kritisierten das Vorgehen scharf. Der sächsische SPD-Fraktionschef Martin Dulig forderte eine schnelle Aufklärung der Vorfälle. "Der Polizeieinsatz an und in der Kirche war völlig unakzeptabel". So etwas habe es nicht einmal zu DDR-Zeiten gegeben. Er erwarte eine Entschuldigung und ein Gespräch mit der Gemeinde der Pauluskirche und der Landeskirche. "Die Kirche ist immer noch geschützter Ort", so Dulig, der an der Demonstration vor der Kirche teilgenommen hatte und dort im Polizeikessel festsaß.

Volkmar Zschocke, Landesvorstandssprecher von Bündnis 90/Die Grünen, sprach von einem "brutalen Einsatz von Polizisten in der Pauluskirche und das gewaltsame Herunterstoßen von Demonstranten von der Vortreppe der Kirche durch Polizisten". Augenzeigen berichten von Pfefferspray-Einsatz und Schlagstöcken.