Kipping lobt in Plauen Mentoren für Geflüchtete

"Wer flüchtet schon freiwillig?" Diese auf der Hand liegende Frage stellte Katja Kipping 2016 in ihrem gleichnamigen Buch. Dass die Parteivorsitzende der Linken darauf eine eindeutige Antwort hat, wurde gestern bei einem Gespräch mit vogtländischen Arbeitsmarktmentoren für Geflüchtete deutlich.

Von Lutz Behrens

Plauen - "Ich habe Bock auf Arbeit, mein Betrieb braucht mich dringend, aber Deutschland will mich nicht in Ruhe arbeiten lassen." Mit dieser seiner Formulierung hat ein junger Pakistani die Chance, im Plenum des Deutschen Bundestages zitiert zu werden. Der junge Mann, der zwei Jahre in einem Gefängnis eingesperrt war, meldete sich vehement zu Wort und schilderte seine Situation. Er sei seit drei Jahren in Deutschland, habe eine Familie mit vier Kindern, arbeite sehr gern und habe doch täglich die Angst vor Abschiebung im Nacken. Katja Kipping fragt ihn, ob sie seinen Satz im Bundestag zitieren darf, was er gern erlaubt. Auch seine Chefin von der McDonalds-Filiale in Reichenbach versteht die Welt nicht mehr. Für die nicht leichte Arbeit in der Gastronomie, mit Schichten, Sonntags- und Feiertagsarbeit, fände sich kaum noch Personal. Dann sind Geflüchtete gern bereit, den Job zu übernehmen, der Staat investiere Geld in ihre Ausbildung und den Erwerb der deutschen Sprache, um sie schließlich abzuschieben. "Wir brauchen die Leute", so ihre Forderung, verbunden mit dem Unverständnis für staatliches Handeln. Und auch Katja Kipping kann sich diese Praxis "nicht logisch erschließen". Wie sie, in deutlicher Zurückhaltung, auch Unverständnis dafür zeigt, dass im Innenministerium eher die Intentionen auf Abschieben als auf Integrieren gerichtet seien.
Auch der Fall eines Mannes aus Afghanistan zeigt die missliche Lage, in der sich arbeitswillige, sich integrieren wollende Geflüchtete in Deutschland befinden. In diesem Fall trifft noch das besonders restriktive Verhalten der Behörden in Sachsen zu. Der Mann hat Pharmazie studiert, beherrscht die deutsche Sprache, steht kurz vor dem Erteilen einer Approbation in Deutschland, kommt aber aus Kabul, was bekanntlich in der Sicherheitseinschätzung der Bundesregierung als sicher gilt. Sein Asylantrag wurde abgelehnt, er hangelt sich von einer sechsmonatigen Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung zur nächsten. "Ich habe täglich Angst vor einer Abschiebung", sagt der Apotheker, und diese Situation behindere ihn stark bei der Vorbereitung auf seine Prüfungen.
Doch das Gespräch mit den vogtländischen Arbeitsmarktmentoren deckt nicht nur Mängel des Systems auf, sondern kann auch auf Erfolge verweisen. Das gilt nicht nur für die nackten Zahlen. Dass also in Sachsen rund 60 Mentoren im Einsatz sind, die sich als "Kümmerer" verstehen und sowohl den Geflüchteten (rund 2000 Personen) zur Seite stehen als auch den Arbeitgebenden Hilfe und Unterstützung erweisen. Das Ganze ist eine Initiative des sächsischen Wirtschaftsministeriums, läuft seit Oktober 2016 und wurde bis 2020 verlängert. 
Von Jeanette Haase-Pfeuffer, der Projektleiterin der vogtländischen Arbeitsmarktmentoren, war zu erfahren, dass die Breite der erfolgreich vermittelten Ausbildungen von der Krankenschwester, der Kauffrau über den Klempner bis zum Fleischer reiche. Auch Danny Szendrei, Geschäftsführer der Regionalkammer Plauen der IHK, und der Vertreter der Handwerkskammer im Vogtland loben die Arbeit der Mentoren für Geflüchtete. Beide betonen den immer größer werdenden Bedarf an Arbeitskräften im Vogtland und die Notwendigkeit, diesen auch mit Geflüchteten zu decken.
Katja Kipping fasst das Ergebnis der ersten Station ihrer diesjährigen Sommertour zusammen: sie sei "schwer beeindruckt" von dem, was sie in Plauen gehört habe. Ihr Respekt gelte den Geflüchteten und ihre Anerkennung der Arbeit der Mentoren. Den stärksten Eindruck habe auf sie gemacht, dass es hier gelänge, Menschlichkeit und Wärme mit ökonomischer Vernunft zu verbinden.