Kindheit in der Lenaustraße verlebt

Leubnitz/Plauen - Dorit Gäbler wurde am 9. Januar 1943 in Plauen geboren. Mit 18 Jahren verließ sie die Spitzenstadt, um in Berlin Schauspielkunst zu studieren.

 

In Kino- und Fernsehfilmen, am Theater und auf Chansonbühnen schreibt sie bis heute Kulturgeschichte. Sie lebt in ihrem eigenen Haus in Moritzburg und hat noch längst nicht genug von öffentlichen Auftritten. Am Sonnabend gab Dorit Gäbler in Leubnitz ein Benefizkonzert zugunsten des sanierungswürdigen Schlosses. Lange Stiefel über der Hose. Eine Long-Bluse darüber. Das legere Outfit von Dorit Gäbler passt perfekt zum spartanisch eingerichteten Umkleideraum des Leubnitzer Schlosses. Während ihr durchaus noch recht fülliges Haar von Lockenwicklern traktiert wird, bemüht sie auf dem Schminktisch abgelegte Tuben, Schächtelchen und Pasten, um ihr Antlitz auftrittsreif aufzumöbeln.

Dabei wirkt die Frau selbst ungeschminkt Jahre jünger als viele ihrer Zeitgenossen. "Kommen Sie herein", ruft sie auf das Klopfen an der Tür. Das ist sie also, Dorit Gäbler. Klein und zierlich wirkt die Frau, deren Stimme zu wahrer Größe auflaufen kann. Spätestens dann, wenn sie als Hommage an Hildegard Knef oder Marlene Dietrich nahezu in deren Körper schlüpft. Doch nur nahezu. Sie imitiert sie nicht, sie hofiert sie, ja, doch sie bleibt sich selbst treu, interpretiert die Lieder und Chansons der beiden Vorbilder mit einer eigenen Note. Warum sie nach Leubnitz zum Benefizkonzert gekommen ist? "Weil ich gefragt wurde und weil das hier meine Heimat ist." Einzig die Reisekosten bekommt die Frau vergütet. "Ich mache das gern. Wenn irgendwo jemand für etwas brennt - wie hier der Förderverein für das Schloss - dann helfe ich gerne."

 

Das Rouge im Gesicht ist mittlerweile perfekt. Während die Frau von ihrer Kindheit an der Lenaustraße erzählt, vervollständigt sie das Augen-Make-up nahezu spielerisch. Ihr in Mehltheuer geborener Vater hatte an der Pausaer Straße eine Zahnarztpraxis, die Mutter arbeitete dort bis die Ehe 1946 auseinander ging. Dorit Gäbler war damals drei. Sie wuchs bei der Mutter in ärmlichen Verhältnissen auf, spricht nicht gerne über ihren Vater. "Zauberhaft, großartig" attributiert sie dagegen ihre Mutter. Von der Seume- über die Mosenschule bis zur Lehre als Gebrauchswerberein im Plauener Kaufhaus durchlief Dorit Gäbler ihre Ausbildung in Plauen.

 

Täglich vier Kilometer legte sie zu Fuß zur Schule zurück. "Klar gab es die Straßenbahn. Das war aber zu teuer." Vom ersten Lehrlingsgeld hat sich Dorit Gäbler die gesammelten Werke von E.T.A. Hoffmann gekauft. Nicht zur Freude der Mutter. Die junge Frau hat zu dieser Zeit auch erste Model-Erfahrungen gemacht. Für die Dako, für die Plauener Spitze und als Model beim Hausfriseur Herbert Lutz. Er und seine Frau Marianne waren am Samstag zum Konzert in Leubnitz dabei. Zum 85. Geburtstag hatte Herbert Lutz die Karten geschenkt bekommen. Es war ein herzliches Wiedersehen, das nicht jenes Haar außen vor ließ, das sich einst in die Beziehung geschlichen hatte. "Dorit hatte sich von meiner Frau ein Kleid geliehen, ging damit aus.

 

Zurück gebracht hat sie es einen Tag später als verabredet." Als Dorit Gäbler 1961 Plauen verließ, geschah das im Einvernehmen mit der Mutter. "Sie hatte nicht das Geld, mir meine Schauspielträume zu erfüllen." Es galt, noch zwei Brüdern die Mäuler zu stopfen. Dorit Gäbler ging ihren eigenen Weg. Sie zog nach Berlin, arbeitete vorerst weiter als Gebrauchswerberin, bekam erste Defa-Rollen angeboten. Theater kam dazu. Ihre Mutter in Plauen war nie vergessen. Gäbler gebar ihren Sohn. Die Mutter zog ihn vorwiegend groß. "Mein Job ließ dafür keinen Raum." Dorit Gäbler war ihrer Mutter über alles dankbar, versprach ihr, dass sie niemals in ein Altenheim gehen müsse. Und sie hielt, was sie versprach. Auch als ihre Mutter an Alzheimer erkrankte, war Dorit Gäbler immer an ihrer Seite. "1996 ging meine Mutter im Alter von 91 Jahren an meiner Hand in die andere Ebene über."

 

Dorit Gäbler nimmt die Lockenwickler aus ihrem Haar. Während sie mit dem Föhn letzte Hand an ihr Äußeres legt, denkt sie noch einmal an ihren Vater. "Ich habe gehört, dass er später ein anderer, ein besserer Mensch gewesen sein soll." Ob eine Beziehung funktioniert oder nicht, das läge offensichtlich immer an beiden Partnern, ist sie sicher. Und dann freut sich die Frau über ein Paar Häppchen, die ihr der Förderverein Schloss Leubnitz kredenzt. Musste sie doch schon ihr ganzes Gepäck allein ins Schloss schleppen. Sie schüttelt den Kopf. "Das ist mir noch nicht passiert." mam