Kindergärtnerinnen schütteln nur mit dem Kopf

Pflaster, das war eines der meisten gebrauchten Worte im Berufungsverfahren gegen die ehemaligen Erzieherinnen der Kita "Sonnenkäfer" in Mechelgrün Ramona R. und Ilona S.

 

Die beiden der Misshandlung von Kindern beschuldigten Frauen schweigen zu den Anklagepunkten. Ihre Beschäftigung auf der Anklagebank besteht hauptsächlich darin, bei jedem Vorwurf mit dem Kopf zu schütteln. Für die Kinder war der klebende Kunststoff offenbar der reinste Albtraum, denn lauten und frechen Jungs oder Mädchen soll damit zumindest in einem Fall der Mund zugeklebt worden sein. So begannen nicht wenige Kinder zu zittern, zu schwitzen und zu weinen.

Die Eltern konnten sich die Reaktion ihres Nachwuchses zunächst nicht erklären. Bis sie Ende März 2009 die Rundmail einer Mitarbeiterin erhielten. Inzwischen haben alle Eltern davon gehört und berichten darüber, jeder aus seiner Sicht. Zu Hause deuteten die Kinder zwar das eine oder andere an, selbst aber waren sie "lieb gewesen". Und so muss Richter Torsten Sommer immer wieder fragen, ob bei den Gesprächen in der Familie die Namen anderer betroffenen Kinder genannt wurden. Das wiederum lässt die Liste der Zeugen ständig anwachsen.

Auch gestern war wieder von Lieblosigkeit gegenüber den Kindern die Rede gewesen. Ein Vater erinnerte an die Faschingsfotos aus dem Jahr 2008. "Ich habe noch nie so traurige Faschingsbilder gesehen", sagte er. Als Zeugin war auch die damalige Leiterin der Kita geladen. Silke S., die nach eigenen Angaben auf Anweisung von Bürgermeisterin Carmen Künzel gleich für zwei Einrichtungen verantwortlich war, räumte ein, dass sie bereits im Februar 2009 von einer Mutter konkret auf Missstände angesprochen worden war. Aussagen wonach sie bereits im November 2008 informiert gewesen sein soll, bestreitet sie.

 

Doch konkret unternommen hatte sie offenbar nichts. Sie hatte sich auf einen Fragebogen zum Qualitätsmanagement verlassen, den alle vier Mitarbeiterinnen ausgefüllt hatten und der sich ironischerweise mit dem Thema Essen und Trinken befasste. Daraus hätten sich keine Probleme ergeben. Die im Mai 2009 von ihrem Job als Leiterin der Kita entbundene Silke S. wollte nicht zu allen Fragen des Gerichtes Stellung nehmen. Gegen sie laufen derzeit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wegen Falschaussage. Es besteht der Verdacht, dass sie bei der Verhandlung in der ersten Instanz vor dem Amtsgericht Auerbach nicht in allen Fällen die Wahrheit gesagt hat.

Die Verteidigung klammert sich an jeden Strohhalm. So versuchte Anwalt Michael Rößler mit dem kindlichen Deutsch eines Zweijährigen seine Mandantin Ramona R. zu entlasten. Weil das Kind den Vornamen der Ex-Erzieherin noch nicht richtig aussprechen konnte, stellte er die Angeklagte als nicht am Geschehen beteiligt dar. Dafür sollen sich die Eltern an Details der Vorgänge die zwei Jahre zurückliegen erinnern. Mit jeder noch so unscheinbaren und belanglosen Abweichung zu früheren Aussagen wird versucht die Glaubwürdigkeit der Zeugen in Zweifel zu ziehen.  Frank Dörfelt