Kinderarzt in Plauen dringend gesucht

Schwestern und Patienten der Plauener Kinderarztpraxis Dr. Gebhardi suchen dringend einen neuen Kinderarzt. Wenn der sich nicht bald findet, wird die Praxis am 28. September geschlossen.

Plauen - Nach dem Tod der beliebten Kinderärztin Dr. Gabriela von Gebhardi Anfang dieses Jahres scheinen die Tage der Praxis im Ärztehaus in der Anton-Kraus-Straße gezählt. Die Kassenärztliche Vereinigung Sachsen (KV) hat der Praxis eine Frist von einem halben Jahr gesetzt, um einen neuen Kinderarzt zu finden, der diese weiter führt.

Kommt keiner, wird der KV-Sitz ab Oktober 2018 gelöscht. Mit derzeit sieben Kinderarztpraxen ist Plauen bereits überbesetzt, sagt die KV. "Vielleicht gibt es ja eine Sonderregelung...", sagt Schwester Rosi Löchner (58). Sie seufzt, klammert sich gedanklich an einen rettenden Strohhalm - daran, dass doch ein Kinderarzt in letzter Sekunde vor der Tür stehen oder die KV ein Einsehen haben möge. Sie, Kollegin Gabi Nendel (60) und die Eltern der kleinen Patienten hoffen auf den Nachfolger.

Den großen Unbekannten. "Wie geht es weiter?" Diesen Satz hört Schwester Rosi seit Monaten von Müttern und Vätern, die seit Jahren mit ihren Kindern in die einzige Kinderarztpraxis im Chrieschwitzer Hang kommen.

Man müsse mal abwarten. Zwei Hoffnungen gebe es noch. Optimistisch spricht Schwester Rosi diese Sätze zu Müttern ins Telefon. Sie und Schwester Gabi sind es, die in der Praxis derzeit noch die Stellung halten. Beide sind die guten Seelen am Tresen im Warteraum. Die Schwestern empfangen noch die kleinen Patienten, um sie zu wiegen und messen, Hör- und Sehtests für die Vorsorgeuntersuchung zu machen.

Oder mal nach einem kleinen Hautausschlag zu sehen - wie in dieser Woche bei der vier Monate alten Maja. "Ich möchte gar nicht dran denken, den Kinderarzt demnächst wechseln zu müssen", sagt Majas Mutti Franziska John. Hier, in der Praxis Gebhardi, ist sie schon mit ihren beiden älteren Söhnen gewesen. Da hat sie ihre Kinder immer gut aufgehoben gewusst; sie war immer gern hier, sagt die junge Frau, die im Chrieschwitzer Hang wohnt.

Würde die Praxis schließen, müsste sie für die Kleine einen neuen Kinderarzt in der Stadt suchen. Das wäre schwieriger. Frau John müsste Straßenbahn fahren. Sie hat kein Auto. Das hat auch Schwester Rosi nicht, die sich in ein paar Wochen schon gedanklich in einer Kinderarztpraxis in Chemnitz, Bad Elster oder Lengenfeld sieht. An Stellenangeboten mangele es nicht, so sei das nicht, erzählt sie. Denn mancher aus der Branche würde die erfahrenen Kinderkrankenschwestern gerne einstellen.

"Es gab schon Anfragen. Zum Beispiel aus der Pflege. Aber will ich im Altenheim arbeiten? In Schichten?" Schwester Rosi will nicht. Die Arbeit mit Kindern und die kleinen Patienten selbst sind ihr ans Herz gewachsen. Seit 1991 arbeitete sie an der Seite von Dr. Gabriela von Gebhardi, Schwester Gabi folgte zwei Jahre später. "Wir waren wie eine kleine Familie."

Die kleine Familie bekam schon vor zweieinhalb Jahren einen Riss, als die Ärztin schwer erkrankte und nicht mehr praktizieren konnte. Seitdem hält sich die Praxis mit Honorarärzten, die aus ganz Deutschland anreisen, über Wasser. Alles Pensionäre, die ihre eigenen Praxen schon geschlossen haben. Alle über 60. Da war zum Beispiel Rotraut Delatreé aus dem bayerischen Grafreuth, Dr. Strauch aus Münster und Dr. Wolschner aus Minden. Letzterer hält der Plauener Praxis bis heute die Treue. Schwester Rosi und Schwester Gabi sind froh darüber.

"Dr. Wolschner hat einen guten Ruf - wegen ihm kommen ja schon Patienten aus Oberfranken und dem oberen Vogtland", sagt Stefanie Wehr. Die junge Frau aus Reuth war selbst als Kind Patientin bei Frau Dr. Gebhardi - ihre zwei Kinder waren es auch. Aus Verbundenheit zu der Praxis hat Stefanie Wehr vor Tagen einen Aufruf im Internet bei Facebook gestartet.

Geteilt wurde der Aufruf "Dringend Kinderarzt gesucht!" in ganz Sachsen, in Brandenburg, Städten wie Erfurt und Weimar. Reagiert auf den Post haben viele. Aber kein Kinderarzt. In die Spur gegangen ist vor Monaten auch Dr. Gebhardis Ehemann, Bernd von Gebhardi, der versucht, den Kassensitz der Praxis zu verkaufen. Das lebende wie auch das tote Inventar, sagt Schwester Rosi. Damit sind sie, die beiden Schwestern, der Sitz an sich sowie Praxiseinrichtung und Patientenkartei gemeint.

Um den "Neuen" zu finden, wurde nichts unversucht gelassen. Es gab Annoncen im Ärzteblatt und Aushänge an Unis. Auch die Möglichkeiten, die Praxis als ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) an ein größeres Haus anzugliedern oder sie als Zweigstelle einer schon bestehenden anderen Praxis zu betreiben, wurden durchgespielt.

Ebenso hätten Patienten (Eltern) es in Erwägung gezogen, den KV-Sitz zu kaufen. Eine Praxis kaufen, das könne jeder, sagt Schwester Rosi. Bliebe noch der Kinderarzt, den bisher keiner aufbieten kann.