Kinder waren in Lebensgefahr - Zähne zeigen für das Recht

"Laut Ärztin schwebten die beiden Jungs in Lebensgefahr: Die Hunde hätten auch in Hals oder Gesicht beißen können", sagt Bernd Jacobs, der Opa eines der Opfer. Er will, dass der Fall vor Gericht kommt - und nicht im Sande verläuft.

Plauen - Jeder Hundebiss ist einer zu viel. Man müsse Leuten das Handwerk legen, deren Hunde Waffen seien. "Hunde ohne Leine sind immer eine Gefahr, vor allem für Kinder. Die Plauener Behörden erscheinen mir in dieser Beziehung hilflos", sagt der 66-Jährige, der sich keinesfalls als Hundefeind bezeichnet. Auch das sich ständig vergrößernde Ärgernis mit den Hundehaufen bekämen die Stadtväter nicht in den Griff.

Jacobs elfjähriger Enkel Jonas und sein achtjähriger Freund Quentin hatten am Freitag Fußball gespielt auf einer Wiese an der Montessori-Grundschule im Neubaugebiet Chrieschwitzer Hang. Kurz vor 16 Uhr ging ein Mann mit seinen zwei unangeleinten Mischlingen vorbei - und die Tiere, groß wie Schäferhunde, stürzten sich auf die Kinder: Die Jungs rannten weg, fielen zu Boden, wurden gebissen - Quentin fünf Mal, Jonas zwei Mal. Die beiden Jungs kamen in die Rettungsstelle, Quentin musste zwei Tage im Krankenhaus bleiben. Jetzt ist er Gott sei Dank wieder zu Hause.

Gegen den Hundebesitzer läuft eine Anzeige wegen fahrlässiger Körperverletzung. Der 26 Jahre alte Plauener war zum Tatzeitpunkt betrunken. Polizeisprecher Jens Scholze: "Er war psychisch und physisch in Besorgnis erregendem Zustand, dass er auf Station 15 des Krankenhauses kam, die psychiatrische." Der Mann ist Scholze zufolge polizeibekannt und bis 2011 vor allem durch Eigentumsdelikte aufgefallen; er wurde am Samstag aus dem Krankenhaus entlassen. "Es gab keine Handhabe und keine Veranlassung, ihn festzuhalten; seine Hunde hat die Tierrettung bereits am Freitag ins Tierheim auf dem Galgenberg gebracht."

Auch der kleine Jonas wurde am Freitag nach Hause geholt - von Opa Bernd. "Draußen ist er zusammengesackt wegen des traumatischen Erlebnisses mit den Hunden. So frisch waren die Eindrücke noch", berichtet Bernd Jacobs. Er unterstützt seine Tochter, die sich als Alleinerziehende um Jonas und Zwillingsschwester Julia sowie die zwölfjährige Sarah kümmern muss. Bernd Jacobs kritisiert, dass die Polizei der Mutter keine Mitteilung von dem Vorfall gemacht habe. "Wir wurden von der Montessori-Schule angerufen."

Jacobs zeigt sich auch verwundert, dass am sehr späten Samstagabend, 22 Uhr (!!), ein Polizist vor der Tür stand: Er forderte Jonas und seine Mutter auf, am Sonntag, 18.15 Uhr, zur Zeugenbefragung ins Revier zu kommen. Für Polizeisprecher Scholze ist das kein Kritikpunkt: Es werde mit großer Ernsthaftigkeit ermittelt - ohne auf die Uhr zu schauen. "Bei den Ermittlungen geht es auch um die Tollwutgefahr, die bei den Hunden bestanden hat. Es sieht sehr günstig aus, aber 100-prozentige Sicherheit besteht erst nach fünf Tagen."

Jonas, seine Mutter und der Opa erschienen wie gewünscht im Revier. Warum erfolgt am späten Sonntag die Befragung? Weil sein Dienst erst 17 Uhr beginne, habe der Beamte gesagt. Opa Bernd Jacobs hätte es mehr gefallen, wenn der befragende Polizist besser über den Fall informiert gewesen wäre und: Wenn sein Enkel mehr Abstand zum Unglück gehabt hätte und vor allem: Wenn eine Person die Fragen gestellt hätte, die eine spezielle Ausbildung für Kinder-Opfer hat.

Polizeisprecher Scholze: "Solche Spezialisten kann man nicht aus dem Hut zaubern. Unsere Streifenpolizisten müssen in gewissem Sinne ,Universalgenies' sein." Noch keine abschließende Antworte hat Scholze auf die Frage, wie viele Hundeangriffe in der jüngsten Vergangenheit in Plauen beziehungsweise im Vogtland gezählt wurden. Sofort fällt ihm die Frau in der vergangenen Woche ein, deren doggenähnlicher Hund einen 30-Jährigen in Plauen gebissen hat. Und auch Wotan ist noch in guter schlechter Erinnerung, der Bullterrier, der ebenfalls in Plauen einem kleinen Mädchen am Kopf böse Wunden zugefügt hat.

Opa Bernd Jacobs hat einen Wunsch: Es geht um die couragierten Plauener, die Schlimmeres am Freitag verhütet haben, die die Hunde abgedrängt haben und schnelle Hilfe holten für die verletzten Jungs: die Leute aus der benachbarten Schule, die Spaziergänger und Nachbarn aus den umstehenden Wohnblöcken, die Polizisten und Sanitäter. "Die Stadt Plauen sollte diese Helden angemessen würdigen." Und für die beiden Jungs, Quentin und Enkel Jonas, hat sich der Opa auch was ausgedacht: Für beide gibt es einen Tag in der Freizeitanlage Syratal mit Jumicar, Parkeisenbahn und Mini-Golf.

Brief von CDU-Landtagsmitglied Frank Heidan

Der Plauener CDU-Landtagsabgeordnete Frank Heidan hat einen Brief an Bernd Jacobs geschrieben, den Opa von Jonas, der bei der Hundeattacke verletzt wurde. Hier ist der Brief im Wortlaut:

"Sehr geehrter Herr Jacobs,

mit Bedauern und großer Bestürzung habe ich die Meldung zu Hundeattacken an den Kindern aus der Presse und Ihrem Brief erfahren. Ich bin von diesem Vorfall außerordentlich bestürzt. Gleichwohl werde ich keinen direkten Zugriff auf das Gerichtsverfahren, wegen der Unabhängigkeit der Justiz haben. Ich versichere Ihnen aber, dass ich beim Justizminister von meinem Fragerecht als Abgeordneter Gebrauch machen werde.

Das Handeln der Behörden ersetzt natürlich nicht die Verantwortung der Hundehalter. Dennoch kann aus meiner Sicht eine strengere Kontrolle erfolgen. Deshalb werde ich die Mitglieder der CDU-Stadtratsfraktion bitten, sich dem Vorfall genauer zu widmen, da sich bereits ähnliche Vorfälle in der Vergangenheit ereigneten. Sehr geehrter Herr Jacobs, ich hoffe, Ihrem Enkelkind und dem weiteren Kind wird es bald besser gehen und wünsche gute Genesung. Gerne stehe ich für weitere Hinweise und Fragen Ihnen zur Verfügung."