"Keinen Tag bereut"

In diesen Wochen schließt ein traditionsreiches Geschäft in der Plauener Innenstadt: Lederwaren Wimmer. Inhaberin Monika Mühle geht in den Ruhestand. Die Plauenerin blickt mit Freude auf 33 Jahre Selbstständigkeit zurück.

Von Frank Blenz

Plauen Alles muss raus, Schlussverkauf, die Geschäftsräume zu vermieten. Derlei Worte signalisieren in aller Regel das Etappenende einer beruflichen Laufbahn. Und die Menschen, die am Geschäft von Monika Mühle dieser Tage vorübergehen, fragen sich, ob wohl auch Corona der Auslöser gewesen sein könnte. "Nein. Ich schließe meinen Laden aus Altersgründen, gern hätte ich noch ein paar Jahre weitergemacht, allein die Gesundheit lässt es nicht mehr zu", sagt Monika Mühle, die seit 1988 ihr Lederwaren- und Taschengeschäft in der Altstadt Plauens betreibt. Keinen Tag habe sie bereut, obwohl die Selbstständigkeit kein einfaches Unterfangen sei, gesteht die noch 69-Jährige und sagt: "Ich bin meinen Kunden sehr dankbar."
Ihre heimliche Leidenschaft für Handtaschen mag ebenfalls ausschlaggebend gewesen sein, dass Monika Mühle so innig mit ihren Produkten und ihrem Laden in der Straßberger Straße verbunden ist und bleibt. Dazu steht passend über den Schaufenstern der historische Schriftzug Lederwaren Wimmer. "Das mit den Handtaschen, das versteht nur die Frau. Es ist ein eigener Kosmos, da ist alles drin, was wir Frauen so benötigen. Ich greife hinein, ohne hinzusehen, und finde immer das, was ich grad brauche", erzählt die Taschenexpertin mit einem charmanten Lächeln.
Die Vielfalt der Taschen fasziniert die Fachfrau bis heute. Tagtäglich hatte sie ihre Ware um sich und war nah dran an ihren Kundinnen. Die Art und Weise der Präsentation, die Schaufenster, die wie Zitate aus alter Zeit wirken, vermitteln das Flair eines Geschäftes, in dem noch in Ruhe geschaut, gesucht, ausgewählt, beraten und gekauft wurde. Analog statt digital. "1986 war ich Textilingenieur. Ich arbeitete im Betrieb ‚Damenbekleidung Plauen‘, dort wurden Mäntel hergestellt. Der Betrieb gehörte zur Plauener Dako. Das hat mir zwar auch gefallen, aber ich wollte Mitte der 80er Jahre etwas anderes, was eigenes machen. Damals galt aber, dass man nicht ein neues Geschäft eröffnen, sondern eines übernehmen soll, was aufgegeben wird", berichtet Monika Mühle. In der Straßberger Straße gab es so einen Laden. Der war 1934 von Ludwig Wimmer gegründet worden.
"Ich habe zwischenzeitlich noch in einem anderen Laden, der hieß Exquisit, gearbeitet, dann ging es los mit der Selbstständigkeit noch vor der Wende", erinnert sich die Plauenerin. Einfach war es nicht immer. "1993 haben wir den Laden umgebaut. Kredite mussten aufgenommen werden, die haben mitunter ganz schön gedrückt." Die Geschäftsfrau weiß viel über Finanzen, ihre Kompetenz bringt sie bis heute als Stadträtin (seit 1999) auch kommunalpolitisch ein - Monika Mühle ist im Plauener Wirtschaftsförderungsausschuss tätig. Trotz Durststrecken hielt die Fachhändlerin durch bis jetzt, 2021. 2020 kam Corona, ein Jahr herrscht nun Pandemie. "Ja, die Pandemie macht mir sehr zu schaffen, das Geschäft leidet darunter. Das Prinzip mit dem Klick und Collect klappte aber ganz gut", berichtet Monika Mühle kämpferisch. Sie hat durchgehalten und stets ihre Miete bezahlt ohne Reduzierung.
Lederwaren Wimmer unter der Leitung von Frau Mühle ist nun Geschichte. "Ich freue mich jetzt auf meinen Ruhestand, diese Zeit wird aber nicht ruhig. Ich habe Enkelkinder, Familie, ich wandere gern, ich gehe zum Schwimmen und im Wirtschaftsförderungsausschuss wirke ich auch noch ein paar Jahre mit", sagt die 69-Jährige vorausblickend und mit der Hoffnung, dass ihre "einigermaßen vorhandene Gesundheit" das alles noch lange mitmacht.