Keine Fünftklässler an Dittes-Oberschule

Mit einiger Sicherheit brannte bei etlichen Eltern von Schülern der Dittes-Oberschule in diesen Tagen die Luft. 31 Schüler die für die 5. Klasse des kommenden Schuljahres angemeldet wurden, müssen nun doch in andere Schulen wechseln. Der Frust richtet sich auch gegen den Kulturbürgermeister. Doch der wehrt sich.

Von Torsten Piontkowski

Plauen - Am Ende waren es zwar viele, aber eben nicht genug. 31 Mädchen und Jungen wurden in den letzten Monaten von ihren Eltern für den Besuch der fünften Klasse der Dittes-Oberschule angemeldet. Das wären für eine Klasse zu viel gewesen, für eine zweite eindeutig zu wenig. Nun flatterten quasi die Bescheide ins Haus, dass alle 31 Schüler ab dem kommenden Schuljahr auf andere Schulen der Stadt aufgeteilt werden. 
Um das verstehen zu können, macht sich ein Rückblick nötig ins Jahr 2017. Nehmen wir also einen Moment auf der Zuschauertribüne des sächsischen Landtages Platz. Auf der Tagesordnung steht die Novellierung des Schulgesetzes. Vermutlich haben wir einen langweiligen Tag erwischt. Oder doch nicht? Denn mit jener harmlos anmutenden Novellierung wurde das bestehende so genannte Oberschulmoratorium gestrichen. Mit der Konsequenz auch für Plauen, dass Oberschulen nur noch zweizügig geführt werden dürfen - "genau das war in Plauen aber über viele Jahre hinweg nicht möglich", sagt Kulturbürgermeister Steffen Zenner und macht klar, was er noch mehrmals wiederholen wird: Sowohl der Stadt als auch ihm als Fachbürgermeister sind die Hände gebunden, ein Mitspracherecht gibt es nicht. Bestenfalls Stellung könne man beziehen und das tue man auch. 
Doch dazu später. Bleiben wir zunächst bei besagter "Novellierung", die quasi das große Ganze im Auge hat, nämlich die Gesamtschülerzahl eines Oberzentrums wie Plauen. Und wenn die schwanke oder zurückgehe, so Zenner, könne man nicht mehr gegensteuern, denn: Ebenfalls 2017 wurde der Stadt mitgeteilt, dass es mit den Ausnahmegenehmigungen für die Rückert- und die Dittes-Oberschule vorbei sei. Vollzug "zu melden" war für das Schuljahr 2018/19. Woraufhin die Stadträte erstens einen entsprechenden Beschluss für die Rückert-Schule fassten und Zenner zweitens in Zwickau und Dresden Klinken putzte, um gewissermaßen nochmals eine Ausnahme von der Ausnahme in Sachen Dittes-Schule zu erreichen. "Die bekamen wir und damit waren wir die einzigen in Sachsen", sagt der Bürgermeister, der sich nun auch ein stückweit unfair behandelt fühlt. "Ich verstehe die Eltern wenn sie enttäuscht sind, dass eine angestrebte Lösung nun nicht funktioniert und in diesem Jahr keine fünfte Klasse an der Dittes-Oberschule gebildet werden kann." 
Zum Buhmann möchte er sich trotzdem nicht machen lassen. Gemeinsames Ziel sei es gewesen, die Dittes-Oberschule zu "pushen", um auch hier einen zweizügigen Erhalt zu gewährleisten. Allerdings vor dem Hintergrund, dass die Gesamtschülerzahlen für Plauen in etwa so eintreten wie erwartet. Das sei die Bedingung des Kultusministeriums gewesen. Das Problem: Genau das traf nicht ein. Die Gesamtschülerzahl wich von den Erwartungen ab. Während einer Schulkonferenz im Oktober vorigen Jahres habe er die Eltern von eben jenen Bedingungen informiert - ein Versprechen seinerseits habe es verständlicherweise nicht gegeben. Woran es liegen könne, dass die Gesamtschülerzahl für staatliche Oberschulen in Plauen so schwanke? Zenner verweist auf die Tatsache, dass es fünf Oberschulen in kommunaler Trägerschaft gibt, zwei weitere in freier Trägerschaft, zwei Gymnasien und ein starkes Angebot im Plauener Umwelt. Unterm Strich können Grundschüler also an mindestens zehn weiterführenden Schulen angemeldet werden. Damit sei eine Umverteilung für das Oberzentrum Plauen kaum zu stemmen. Vor dem Hintergrund eines so großen "Angebotes" an Schulen stimmen die Eltern aber mit den "Füßen" ab und entscheiden so selbst über den Erhalt eines Schulstandortes.
Die Idee, für die Dittes-Oberschule zu werben, sieht Zenner auch im (missglückten) Nachhinein als richtig an. Allerdings erfordere das auch, dass sich alle Oberschulen an der Integration beteiligen und eben auch an der Friedens-Oberschule so genannte vorbereitende Klassen (VkA) gebildet werden. Warum? Weil dann auch hier regelmäßig eine zweizügige Klassenbildung an der Friedens-Oberschule möglich wäre - also mindestens eine Klasse für die "Dittes" frei würde.
Und: Zenner will festhalten am jährlichen "Streit": Ausnahmegenehmigungen müssten jährlich neu bewertet werden, um im nächsten Jahr wieder eine Klassenbildung an der Dittes-Oberschule zu ermöglichen. "Auch in Zeiten knapper Ressourcen bei der Lehrerschaft" müsse jeder Stadtteil einen Oberschulstandort aufweisen. Wie er es sicher nicht formulieren würde: Die jetzige Situation ist eine klare Konsequenz aus dem notorischen Lehrermangel im Oberschul-Bereich. Während es an Lehranwärtern an Gymnasien nicht mangelt, werden Lehrer an Oberschulen auch in den nächsten Jahren fehlen. Dafür gibt es verschiedenste Gründe, doch wie heißt es so schön: Auszubaden haben es vor allem die da unten.