Keine Entspannung in Plauen in Sicht

Plauen - Krisentreffen im Plauener Rathaus, die Straßenbahnen fahren weiter nur eingeschränkt und die ersten Straßen könnten gesperrt werden: Das Wettergeschehen hat Plauen weiter fest im Griff. Eine Verschnaufpause ist zunächst nicht in Sicht.

 

Bei der Plauener Straßenbahn scheint sich die angespannte Situation langsam wieder zu beruhigen. Nachdem seit dem 1. Weihnachtsfeiertag der Straßenbahnverkehr in der Stadt vollständig zum Erliegen gekommen war, nahmen gestern 14 Uhr die ersten Bahnen zwischen Neundorf und Waldfrieden sowie Südvorstadt und Neundorf ihre Fahrt wieder auf.

 

Der Rest werde weiter vorerst mit Schienenersatzverkehr im Halbstundenrhythmus bedient, sagt Fahrdienstleiter Klaus Dellinger. Neun Bahnen konnten gestern ihren Betrieb wieder aufnehmen. Heute sollen weitere Linien folgen. Die Strecke Richtung Preißelpöhl soll befahrbar gemacht werden. Bis alle Bahnen wieder regulär rollen, dauert es noch bis morgen Nachmittag, meint Dellinger. "Wenn wir Glück haben." Das Technische Hilfswerk Plauen (THW) ist seit Sonntag mit Unterstützung aus Bayern im Einsatz, um die Gleise frei zu bekommen.

Eisregen an Heiligabend und das Tauwetter zuvor hatten die Straßenbahn ausgebremst. Nachdem am Oberen Bahnhof eine Sonderbahn, die die Schienen schneefrei fahren sollte, entgleiste, wurde der Fahrbetrieb komplett eingestellt. Die Fahrgäste würden die Lage akzeptieren und hätten Verständnis dafür, meint Dellinger. "Es sieht ja jeder, was hier los ist." Die nun angekündigte Kälte mache den Straßenbahnen nicht zu schaffen, heißt es.

Der Fahrdienstleiter hat bereits im Jahrhundertwinter 1978/1979 eine ähnliche Situation mitgemacht. Auch damals musste der Fahrbetrieb mehrere Tage eingestellt werden. Die Bahnen blieben stehen, weil nicht zu viel Schnee lag, sondern der Strom ausgefallen war. "Dazumal gab es nur Gothawagen." Seit 1977 ist Klaus Dellinger bei der Plauener Straßenbahn.

Während die Bahnen langsam wieder in Fahrt kommen, kann auf den Straßen weiter keine Entwarnung gegeben werden. Im Gegenteil. Die Schneeberge werden langsam zum Problem auf den Straßen. Winterdienst-Koordinator Jürgen Arzt schließt in den kommenden Tagen die Sperrung einiger Straßen im Stadtgebiet nicht aus: "Wenn weitere derart ergiebige Schneefälle auftreten, ohne zwischenzeitliche Tauperiode, werden wir nicht umhin kommen, Nebenstraßen zu sperren oder Einbahnstraßen auszuschildern. 340 Kilometer Straße können wir nicht unmittelbar freihalten."

Baubürgermeister Manfred Eberwein sagte gestern auf einem Krisentreffen im Rathaus, dass die Schneemassen weiter kontinuierlich aus der Stadt geschafft werden. Vergeblich wurde auch versucht, eine Sondergenehmigung von der Sächsischen Landestalsperrenverwaltung (LTV) zu bekommen, um den Schnee wie früher einfach in die Elster zu kippen.

Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer unterbrach für die Lagebesprechung extra seinen Urlaub. Er dankte zunächst den Helfern, die an Weihnachten im Einsatz waren und gegen die Schneemassen ankämpften. "Die Situation ist außergewöhnlich und extrem, sie ist kritisch, das wissen wir. Wir werden dennoch nicht vor dem Winter kapitulieren", so Oberdorfer. Er rief erneut dazu auf, selbst zu Hacke, Schieber und Schaufel zu greifen, um den Winterdienst zu unterstützen. "Ich appelliere nach wie vor eindringlich an alle Plauener, Verständnis in dieser außergewöhnlichen Situation aufzubringen. In solchen Situationen zeigt sich immer der Gemeinsinn der Menschen."

Weiterhin sucht die Stadt private Firmen, die mit Schiebe-Technik den Winterdienst unterstützen können. Sie sollen sich bei der Gebäude- und Anlagenverwaltung Plauen (GAV) melden. mar