"Keine Aufklärung - weder 1945 noch 1989"

Plauen - Vielseitig und informativ, interessant und mitunter amüsant - so lässt sich der gestrige Vogtland-Stammtisch im Plauener Hotel Dormero trefflich beschreiben. Immerhin 20 interessierte Gäste fanden zur zweiten Auflage der angenehmen Gesprächsrunde den Weg zum Hotel. Am Stammtisch konnte Winfried Hub, Initiator, Moderator, Verleger und Herausgeber des Vogtland-Anzeigers in Personalunion, vier interessante Gäste begrüßen. Am Stammtisch nahmen Platz: Die Plauener Diplom-Designerin Theresia Schumann, Prof. Dr. Johannes Soukup, Prorektor der Diploma Fachhochschule Plauen, der Obermeister der Elektro-Innung, Wolfgang Sachs, sowie Torsten Schad, Geschäftsführer der MPC Filmproduktion Plauen.

 Wenngleich sich deren berufliche und private Wege enorm unterschieden, eines einte alle vier: Keiner bekannte sich dazu, Fan des VFC Plauen zu sein. Und so ließen die "Fußball-Muffel" Moderator Hub mit seiner Frage nach Wohl und Wehe des VFC ins Leere laufen. Das allerdings war auch schon das einzige Thema, zu dem die Stammtischler keine Meinung hatten. Ansonsten plauderten sie munter und offen zu Fragen der Tagespolitik, zum Beruf, Bildung und immer wieder zum Thema "20 Jahre nach dem Mauerfall". Letzteres zog sich wie ein Faden durch die Diskussionen. Recht interessant, diese Problematik sowohl mit Augenzeugen (Prof. Johannes Soukup, Wolfgang Sachs) als auch mit jungen Leuten (Theresia Schumann, Torsten Schad) zu erörtern, die damals noch Kinder oder Jugendliche waren. Sachs, der im Rahmen der Lions-Clubs als Motor für das Schaffen eines Wende-Denkmals in Plauen eintritt, berichtete, dass die Zeichen gut stehen, dieses Vorhaben kurzfristig in die Tat umzusetzen. Interessant auch Schads Bericht zum Stand des in Arbeit befindlichen Dokumentationsfilms zur Wendezeit. Das Werk soll alle Seiten der friedlichen Revolution beleuchten und auch zukünftigen Generationen Wissen um diese Zeit vermitteln. "Ich könnte mir gut vorstellen, dass dieses Material auch in Schulen zum Einsatz kommt."

 Das begrüßte Theresia Schumann. "Ich selbst habe die Wende nicht bewusst erlebt. Was ich weiß, weiß ich vor allem von meiner Mutter." Nachdem sie den Großteil ihrer Schulzeit nach dem Mauerfall noch vor sich hatte, konstatierte sie, dass es trotz mehrfach veränderter Lehrpläne nie ausführliche Informationen dazu im Geschichts-Unterricht gegeben habe. Sachs und Soukup konnten hier durchaus aufklären. Beide waren Zeugen der Demonstrationen, auch des polizeilichen und militärischen Widerstands und der Verhaftungen von Plauen, von denen durchaus noch heute nicht jeder weiß. "Wir machen heute den gleichen Fehler wie schon einmal. 1945 gab es keine Aufarbeitung des Geschehens und auch 1989 nicht", so Soukup.  Je nach Geschmack versüßt oder herzhaft begleitete ein leckeres All-You-Can-Eat-Büfett den zweiten Vogtland-Stammtisch.