Kein "weißer Fleck"

Plauen - Die Fortbildungsakademie der Wirtschaft - kurz FAW - lud die Beigeordnete und Behindertenbeauftragte des Vogtlandkreises, Anneliese Ring (CDU), zu einem Gespräch in die Räume an der L.-F.-Schönherr-Straße im Plauener Stadtteil Neundorf ein.

 

Vorausgegangen war ein Artikel im Vogtland-Anzeiger, in dem die CDU-Politikerin den Sozialraum Plauen als "weißen Fleck" bezeichnete, da dieser ein "noch unbekannter" Bereich für die Abgeordnete des Kreistages darstellt. Dass dies nicht so ist, bewiesen die Akademieleiterin Carola Oettmeier sowie ihre Pressesprecherin Ingrid Ficker am Mittwoch.  "Wir sind ein bundesweit agierender Bildungsträger", erklärte Oettmeier, "der berät, vermittelt und qualifiziert". Ziel der Einrichtung ist es, Behinderte und schwer vermittelbare Jugendliche, die teilweise in das Drogenmilieu abgerutscht sind, Schulden angehäuft haben oder unter bestimmten körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen leiden, wieder in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

 

Dazu stehen die verschiedensten Angebote zur Verfügung. Zum einen wurde das "Plauener Reha Symposium" angesprochen. Dabei handelt es sich um eine Veranstaltungsreihe, die alle anderthalb Jahre stattfindet. Dort sollen mit Fachvorträgen und Foren auf unterschiedlichste Thematiken und Probleme eingegangen werden. "Am 13. und 14. Oktober diesen Jahres findet erneut eine solche Veranstaltung statt, die unter dem Motto ?Jugendliche Behinderte' steht." Auch Anneliese Ring war von dieser Reihe angetan: "Es sind gute Ansätze, da ein großer Beratungsbedarf besteht. Menschen, die Hilfe brauchen, können davon profitieren."

Ein weiteres Projekt, die "Werkstatt für behinderte Menschen" im Rahmen des Integrationsfachdienstes Sachsen, soll vordergründig dazu dienen, hilfebedürftige Menschen nach schwerer Krankheit wieder in den Beruf einzugliedern. Dabei verdeutlichte die Abgeordnete die Vielzahl körperlicher und geistiger Behinderungen und Beeinträchtigungen.

Auch Carola Oettmeier mahnte und appellierte zum Umdenken: "Die Menschen machen sich, wenn sie gesund sind, keine Gedanken, was einmal geschehen könnte. Doch es kann jeden treffen."

Die FAW als regional verankerter Bildungsträger beschäftigt im Vogtlandkreis gegenwärtig rund 40 Mitarbeiter. Deutschlandweit existieren 30 Akademien mit rund 140 Niederlassungen, die insgesamt 1700 Mitarbeiter beschäftigen. "Bald feiern wir in Plauen unser 20-jähriges Jubiläum", freut sich die Leiterin. 1990 wurde in Plauen die Einrichtung als Außenstelle der Stadt Hof gegründet, seit 1997 arbeitet sie als eigenständige Akademie. Doch bevor es soweit ist, steht am kommenden Mittwoch der Tag der Gesundheit im Haus an. Dann sollte der Fahrstuhl und das Rauchen vermieden werden, des Weiteren wird es ein gesundes Frühstück und Massagen geben; auch das biologische Alter eines Menschen kann bestimmt werden.

 "Die behinderten Menschen werden die wahren Verlierer der Finanzkrise sein", sagte Carola Oettmeier zum Ende des Gespräches und begründete dies: "Die Unternehmen wollen leistungsfähige Mitarbeiter, außerdem sinkt die Spendenbereitschaft. Doch unter unseren schwerbehinderten Angestellten herrscht der geringste Krankenstand."  Eric Holtschke