(Kein) Schnee von gestern

Fast genau zum Frühlingsbeginn wurden die Mitglieder des Stadtbau- und Umweltausschusses über die zurückliegende Jahreszeit aus Sicht des Plauener Winterdienstes informiert.

Von Torsten Piontkowski 

Plauen - Aus jahrelanger Erfahrung resultierte die schwarzhumorige Bemerkung von Lutz Armbruster von der Gebäude- und Anlagenverwaltung (GAV): Den Winterdienst könne man nur falsch machen, weil - wie beim Fußball - alle etwas davon verstünden. Dass dem bei Weitem nicht so ist, bewies er mit zahlreichen Informationen zur Arbeitsweise des Winterdienstes, der nach Überzeugung vieler Menschen immer dann nicht zur Stelle ist, wenn es schneit. Zunächst die Fakten: Das Plauener Straßennetz misst 340 Kilometer, aufgeteilt in 15 Touren, die in aller Regel mehrmals am Tag befahren werden müssen. Ähnlich verhält es sich mit dem 70 Kilometer langen Gehwegen, die in 14 Touren beräumt werden. Vor allem die Dringlichkeitsstufen sind es, die bei manchem Bürger immer wieder für Unmut sorgen und es Kritik hagelt, wenn eine Straße der Kategorie 3 morgens um 6 nicht befahrbar ist. Der nachvollziehbare Grund, denn Uwe Hähnel vom Bauhof nennt: Es gibt vier Dringlichkeitsstufen, denen der Einsatz der Fahrzeuge untergeordnet ist. Zuerst werden die verkehrswichtigen Straßen und gefährlichen Stellen beräumt. Erst wenn die Befahrbarkeit der in den Kategorien 1, 1a und 2 enthaltenen Straßen gewährleistet ist, könne man sich denen der Stufe 3 widmen, macht Hähnel deutlich. Eigener Anspruch: Die wichtigen Verkehrswege sollen bis 6 uhr morgens frei von Schnee sein. Hähnel macht kein Hehl daraus, dass es bei anhaltendem Schneefall immer wieder Beschwerden hagele - exakt 51 im letzten Winter. Was gemessen an der Einwohnerzahl nicht wirklich viel sei, wie ihn die Stadträte später "trösten" werden. 80 Prozent der Kritik beziehe sich auf von den Fahrzeugen zugeschobene Einfahrten - ein Umstand, der sich allerdings kaum vermeiden lasse. Ob berechtigt oder unberechtigt: Jegliche Beschwerden seien an die Einsatzleitung des Bauhofes zu richten, nicht an die einzelnen "Fremd"-Firmen, die vertraglich mit dem Plauener Bauhof zusammenarbeiten. Jedes Unternehmen fährt eine konkrete Tour und so passiere es, was ebenfalls immer wieder für Kopfschütteln bei manchem Beobachter sorgt: Kleine Gehwegabschnittte werden nicht geräumt, das Streufahrzeug fährt im Wortsinne drumherum, weil eben eine andere Räumfirma mit diesem Abschnitt beauftragt ist. Technik und Personal seien knapp auf Kante genäht, macht Armbruster deutlich. In normalen Wintern sind bei Schneefall sämtliche 15 Fahrzeuge im Einsatz, fallen bereits drei aus oder melden sich mehrere Fahrer krank, wird's eng, bestätigt der Kaufmännische Leiter. Für die Touren, die Salzhalle und die Leitung werden 24 Leute pro Schicht benötigt - und Fahrer, die schnell mal einspringen, weil sie zu DDR-Zeiten den Lkw-Führerschein gemacht haben, werden altersbedingt rar, beschreibt Hähnel das Dilemma, bevor Armbruster auf den finanziellen Aspekt zu sprechen kommt. Die Kosten für Streumittel - Salz und Split - stiegen kontinuierlich an, dazu mussten die Verträge für die Gehwegberäumung neu ausgeschrieben werden, was die Kosten allein in diesem Bereich von 742 000 Euro im Jahr 2016 auf 1,3 Millionen im Folgejahr wachsen ließ. Winterdienst ist auch fahrzeugtechnisch eine teure Angelegenheit, weshalb kaum jemand bereit sei, sich für eine Vertragslaufzeit von zwei Jahren hochmoderne Technik anzuschaffen. Ein Teil der Fahrzeuge bei Fremdfirmen datiere aus dem Jahr 1992, so Hähnel. Insgesamt betrugen die Kosten für den Winterdienst 1,7 Millionen Euro. 
Was Armbruster noch besonders am Herzen liegt: "Die Männer auf den Fahrzeugen hätten sich durchaus mal ein offizielles Dankeschön verdient."