Kein Gürtel wegen der Gürtelrose

Zwickau - Er kommt im Entengang, weil das Mikro auf Maffay-Höhe eingestellt ist, zieht die zu weite Hose bis unter die Achseln, schneidet eine Grimasse, schon sind die Fans aus dem Häuschen. Egal, was er macht. So auch am Donnerstagabend in der Zwickauer Stadthalle.

Erst mal Tee. Die Hose rutscht, aber Gürtel nimmt er nicht, wegen der Gürtelrose. Ein wenig Filigranes für die Finger am Klafünf, dann etwas mit dem Mini-Saxophon, das gelegentlich auch Chris-de-Burg-phon heißt. Schließlich der Hinweis, dass der Kanzler auch einen Mann hat und die andere Frau eine Frau. Zwischendrin immer wieder Musik vom Feinsten - Jazz, nicht immer klar erkennbar, etwas free, quer, genial.

"Die Drops" heißen wirklich nur so, weil Helge sie in den Moderationen zu solchen gebraucht. Dann verspricht er, Joe Cocker, Nena und Tina Turner zu interpretieren. Es folgt ein typisches Helge-Gesangsstück mit gestischen Einlagen der Gecoverten. Auch das Publikum ist gefordert. "Fitze Fitze Fatze" ist es für viele wohl der einzige Titel des Abends, den sie kennen. Doch alle im proppevollen Saal reißen auf Kommando die Hände über die Köpfe und rufen "Hui". Natürlich nirgends so schön wie in Zwickau, denn gestern in Halle wars, ba eh, und morgen in Nürnberg wirds erst... Der Clown grinst. Es ist Zeit für Medizin nach Noten a la Sergej. Der vollbärtige dünn- und langhaarige Tourbegleiter zelebriert ein Lied lang strumpfhosig gymnastische Übungen, die 50 Prozent im Saal nicht brächten - Begeisterung, Da-capo-Rufe. Helges Hose rutscht immer noch. Der Hinweis, er sei eigentlich Helge Lagerschneider, drum Hose in the Bux, gibt Abhilfe, geht über in ein beherztes Stück am Vibraphon.

Blue berry Hill - solistisch vorgetragen von Drummer Pete York, leitet nicht nur den zweiten Teil ein. Das Überblödelte nimmt zusehends ab, das Können des 54-Jährigen und das seiner Band rücken in den Vordergrund. Sein Stoff-Affe spielt mit ihm Trompete. Der wollte noch einen Bruderaffen haben. Aber der käme eigentlich aus der DDR. Das Gelände gibt?s ja noch, heißt bloß anders, wie so vieles... auch in einer mystischen Geschichte, angelehnt an Amundsen oder Scott, eben bloß am Nordpol.

Ansonsten nur noch exzellente Töne. Helge zeigt, unterstützt von Sandro Giampietro, der Einzylinder an der Gitarre, Pianist Jochen Bosak und Rudolf Olbrich am Bass, Spiellaune und -lust. So begegnen sich bei dem Led Zeppelin-Hit "Stairway to Heaven", einem grandios gespielten Flamenco oder leidenschaftlichen Chanson große Kunst und großer Quatsch auf Augenhöhe.

 

Schließlich sind es die eigenen spontanen englischen Texte beziehungsweise wild gemixte spanische und französische allbekannte Vokabeln, die einzig einen Unterschied zu den Originalen erkennen lassen. Ganz am Schluss erhalten während einer zünftigen Session seine beiden Hunde noch etwas Auslauf auf der Bühne - und Tschüss. Ach so - "Komm, hier haste ne Mark" ist ein ganz anderes Programm. uhe