Kein fröhliches Buch zur Unterhaltung

Der viel beachtete tschechische Autor Jaroslav Rudiš liest am 13. März, 18 Uhr, im Stadtarchiv Plauen. Clemens Uhlig, der stellvertretende Archivleiter, hat den Schriftsteller eingeladen. Rudiš und Uhlig verbindet eine gute Bekanntschaft. Beide sind Historiker.

mens Uhlig den Autor in Darmstadt innerhalb des deutsch-tschechischen Projektes "Tragische Erinnungsstätten". Damals stellte Rudiš sein Buch "Grand Hotel" vor - weitere Romane, wie "Die Stille in Prag" und "Nationalstraße" folgten. Nun hat der Tscheche mit "Winterbergs letzte Reise" sein erstes Buch in deutscher Sprache geschrieben. Das Buch ist für den Preis der Leipziger Buchmesse 2019 nominiert - die in zwei Wochen stattfindende Buchmesse rückt diesmal Tschechien in den Fokus. Wie in vielen seiner Romane geht es auch diesmal um Geschichte, Böhmen und Bier, Europa, Liebe, Freundschaft und Trauer. Und es wird gereist - wie immer mit der Bahn. Protagonisten sind der Tscheche Jan Krause, der 1986 nach Deutschland floh, und der fast 100-jährige Sudetendeutsche Winterberg. Im Altenheim begegnen sich die Männer: Kraus ist Altenpfleger und Sterbebegleiter - Winterberg liegt bereits in "den letzen Zügen". Ehe es ins Jenseits geht, will der alte Mann eine "letzte Reise" in die alte Heimat machen. "Zwischen den beiden Männern besteht keine Liebe auf den ersten Blick. Erst auf der Reise entwickeln sie eine Beziehung zueinander. Wie in Rudiš anderen Romanen auch, geht es auch hier um Personen, die mit dem Leben hadern", macht Clemens Uhlig auf das Buch neugierig. Während der Reise durch halb Europa - dabei ist immer der Baedecker von 1913 - geht es quer durch die Kulturen und Historie dieser Länder und durch das ganz und gar nicht geradlinig gelaufene Leben von Kraus und Winterberg. Es ist kein fröhliches Buch, das nur unterhalten will. Es geht um Aufarbeitung, Geschichte, Tod, Trauer und immer schwingt ein wenig Melancholie mit. Damit passe das Buch thematisch gut zur Stadtarchiv-Ausstellung "Trauer und Trost - 100 Jahre Hauptfriedhof", welche noch bis 6. Juni zu sehen ist, so Clemens Uhlig.
Vorgesehen ist, dass es zur Lesung auch zu Gesprächen und Diskussion mit dem Autor kommt - immerhin spricht Jaroslav Rudiš hervorragend Deutsch - so wie Clemens Uhlig ganz gut Tschechisch an der Uni Heidelberg während seines Historiker-Studiums gelernt hat. Auch Rudiš ist von Haus aus Historiker - tätig war er auch journalistisch und nun vor allem als Autor, Drehbuchautor und Dramatiker. Auf sich aufmerksam machte der aus Nordböhmen Stammende mit vertonten Kafka-Werken, dessen Projekt ihn durch ganz Mitteleuropa führte.     Cornelia Henze