Kein Brandmelder in der Halle

Die erste Pressekonferenz nach wochenlangem Schweigen ergibt diese Erkenntnis: In der abgebrannten Galvano-Halle gab es keine Brandmeldeanlage. Die Ergebnisse von fünf genommenen Bodenproben liegen noch nicht vor. Ausnahme der Spielsand aus dem Sandkasten der Kita: Dort wurden Spuren von Zink und chlorierten Kohlenwasserstoffen entdeckt.

Von Cornelia Henze

Reichenbach Feuerwehrchefs, die GtO-Geschäftsführerin, Kreisumweltamt und Bürgermeister sprechen erstmals Klartext - manche mehr, manche weniger.
Zur Alarmierung
Gerüchte besagten, dass in besagter Halle die Alarmanlage defekt war, weshalb sie ganz ausgeschalten wurde. Sie kenne die Gerüchteküche, aber dieses mit der Alamanlage sei falsch, denn: In Halle 1 habe es gar keine Brandmeldeanlage gegeben, lediglich in der benachbarten Halle 2, sagt GtO-Geschäftsführerin Katrin Möckel. Damit habe man nicht gegen geltende Sicherheitsauflagen verstoßen, man habe alle Auflagen des Bundesimmissionsschutzgesetztes erfüllt. Zumindest galt das 2004, dem Baujahr der Halle, erklärt die GtO-Chefin.
Die Schadstoffe
"Wir arbeiten mit Salzsäure, Salpetersäure, Natronlauge", gibt Katrin Möckel Einblick in den Galvanisierungsprozess. 300 Kubikmeter flüssige Säuren plus Feststoffe befanden sich zum Zeitpunkt des Brandes in der Halle, respektive in zwei Behältern, die aufgrund der großen Hitze geschmolzen und bisher unbekannte Verbindungen eingegangen sind. Die flüssigen Chemikalien haben sich mit Löschwasser vermischt und sind zu Teilen in die Regen- und Schmutzwasserkanäle der Firma und auf die Straßen am "Kalten Feld"gelangt. Der Abwasserzweckverband (ZWAV) habe den Abfluss der beiden im Gewerbegebiet liegenden Regenbecken rechtzeitig abgeschiebert, so dass das Chemikaliengemisch und kontaminierte Löschwasser nicht habe in den Schmalzbach gelangen können. Noch immer nicht haben die kriminaltechnischen Untersuchungen beginnen können, da sich in der Halle immer noch Schadstoffe befinden. Die sich in den Regenbecken gesammelten Schadstoffe werden in Behälter abgepumpt und in eine Entsorgungsfirma nach Bitterfeld verbracht, so Umweltfachamtleiter Tobias Pohl. Wann die Kripo endlich tätig werden kann und die Schadstoffe abtransportiert werden, dazu wird kein Zeitpunkt genannt.

Die Proben
In einer nicht näher zu beziffernden Anzahl von Luftproben habe man laut Pohl Salzsäuresubstanzenermittelt. Das betrifft hauptsächlich Proben, die unmittelbar am Brandherd entnommen wurden. Bodenproben wurden fünf zwischen Heinsdorfergrund, Lengenfeld, Schönbrunn und Waldkirchen genommen. Hier liegen noch keine Ergebnisse vor. Ausnahme: Die Sandkastenprobe aus der Kita. Beprobt wurden Futtermittel, eine Eier- und eine Honigprobe bei Landwirten bzw. einem Imker. Gefährliche Gase, wie Dioxine, PAK (Polycyclische aromatische Kohlenwasserstoff), PCB seien nicht enthalten, so Pohl. Die Anzahl von nur fünf Proben, das sei nicht zu wenig. Mehr seien nicht nötig.
Die Kameraden
32 Kameraden wurden beim Einsatz verletzt. Wegen Erschöpfung, Hitze, Dehydrierung - und, wie sich im Nachgang herausstellte, weil einige von ihnen ätzende Gase eingeatmet hatten. Betroffen waren aus der Lengenfelder Wehr 13 Kameraden, weitere aus Reichenbach und Heinsdorfergrund. Vier seien noch krankgeschrieben, so Lengenfelds Bürgermeister Volker Bachmann. Ätzende Stoffe eingeamtet hatten zu Teilen jene, die keinen Atemschutz trugen, so Einsatzleiter und Heinsdorfer Wehrleiter Falk Reinhold. Gefragt wurde, weshalb nicht alle Kameraden mit Atemschutz ausgestattet waren. "Wir haben nicht genug Leute, die dafür ausgebildet sind und nicht jeder ist gesundheitlich in der Lage, Atemschutz zu tragen. Und es fehlen halt auch die Mittel", so Reinhold.

Die Mitarbeiter
150 Leute beschäftigt die Gt0. "Der Wiederaufbau dieser Halle ist nicht möglich, aber es ist unsere Vision, so schnell wie möglich eine neue Halle zu errichten", so Katrin Möckel. In der vorigen Woche wurde immerhin die Produktion in Halle 2 wieder aufgenommen. Von den Mitarbeitern wurde keiner verletzt, aber einige seien durch den Vorfall geschockt und krankheitsbedingt ausgefallen. Auch wenn ein Teil der Produktion lahm liegt, verliere keiner seinen Arbeitsplatz, alle Mitarbeiter werden bezahlt. Ein Viertel der Arbeiter werden per betriebseigenem Shuttle täglich in den Schwesternbetrieb Döbeln gefahren. Ob es in Döbeln eine Brandmeldeanlage gibt, darauf gab Möckel keine Antwort.