Keimzellen des Erfolgs

Der Freistaat Sachsen betreibt im Vogtland eine Deckstation, in Plohn bei Lengenfeld: Vier Rassehengste aus dem Landgestüt Moritzburg warten auf Stuten der Region; besondere Wünsche werden per Kurier erfüllt.

Lengenfeld/Plohn - Die Deckstation wird jedes Jahr von Anfang März bis Mitte Juli betrieben. "Dieses Jahr standen ein Edelbluthaflinger und ein Deutsches Reitpferd in den Ställen sowie zwei Schwere Warmblüter", erklärt der 23-jährige Sascha Zilske, seit 2018 Leiter der Station, die im Rittergut Plohn eingemietet ist.
Pferdebesitzer rücken zu vereinbarten Terminen mit ihren rossigen Stuten in Plohn an, um sie begatten zu lassen - pro Saison 70 bis 80. Zilske: "Das erfolgt per Natursprung unserer Hengste oder per künstlicher Besamung. Den Samen dafür beziehen wir aus einer der drei Besamungsstationen, die ebenfalls das Landgestüt Moritzburg betreibt." Der Kurierdienst liefert das gekühlte Ejakulat, das 48 Stunden verwendbar ist, - und Zilske injiziert es der Stute.
Was kostet das Besamen? Laut Zilske zwischen 200 Euro (Kaltblut) und 500 Euro (Deutsches Reitpferd); Samen von Spitzenhengsten ist teurer. Wobei Zilske zufolge die Preise tendenziell niedriger sind, wenn es sich um eine existenzgefährdete Rasse handelt - eine Form der Wirtschaftsförderung und der Arterhaltung im Freistaat Sachsen.
Die Summen seien Endpreise - obwohl es mehrmals zur Sache geht. Denn nach Auskunft des Fachmanns wird das Decken nach zwei Tagen wiederholt - um auf Nummer sicher zu gehen. "In vielen Fällen reisen die Stuten sogar ein drittes Mal nach Plohn, wenn sie keine Box im Nachbarstall der Hengste im Rittergut Plohn bezogen haben. Normalerweise ist die Rossigkeit, die Zeit der Empfängnisbereitschaft, nach einer Woche vorüber - und das Warten beginnt: Hat alles geklappt, werden nach elf Monaten die Fohlen geboren."
Landstallmeisterin Dr. Kati Schöpke leitet die Sächsische Gestütsverwaltung. "In unseren acht Deckstationen in Sachsen und Thüringen sind Hengste von fünf Rassen im Einsatz. Wir selbst züchten nur mit Reitpferdstuten. Im Landgestüt Moritzburg stehen 130 Hengste, davon sind etwa 85 pro Jahr in der Zucht aktiv. Im Hauptgestüt Graditz haben wir 110 Stuten mit Fohlen und Pensionspferde."
Sächsische Pferde und Olympia - gibt es eine Verbindung? Die Olympiasiegerin von Tokio, Jessica von Bredow-Werndl, gewann in der Dressur Einzel- und Mannschaftsgold auf Dalera, einer Trakehner-Stute. "Deren Mutter stand im Stall eines sächsischen Züchters", sagt Frau Schöpke. Ihren Angaben zufolge ist zudem eine Australierin in Tokio beim Dressurreiten gestartet und die hatte ein Ersatzpferd gemeldet - Amadori, ein Deutsches Sportpferd mit sächsischem Blut. "Der zehnjährige Hengst ist Sohn einer Graditzer Stute, die von Amperé gedeckt wurde, Körungsaspirant der zweieinhalbjährigen Deutschen Sportpferde in München. Wir haben Amadori gezüchtet, aber er gehört uns nicht mehr."
Frau Schöpke hat Pferdewirt in Gera gelernt und Tierzucht an der Martin-Luther-Universität in Halle studiert. In ihrer Promotion geht es um das Thema Zuchtwertschätzung beim Pferd, das man volkstümlich so übersetzen könnte: Manche Pferde sehen unscheinbar aus und sind dennoch Erzeuger toller Fohlen. "Wir als Gestütsverwaltung unterstützen Züchter auf dem Weg zu Fohlen, die wirtschaftlich erfolgreich sind."
Und die anderen Ziele von Moritzburg und Graditz? Frau Schöpke nennt die Pflege des Kulturgutes Pferd, die Präsentation von Reitern und Kutschen, zum Beispiel auf den berühmten Hengstparaden, die Aus- und Fortbildung von Fachleuten und Amateuren. "Wir demonstrieren zudem, wie das Arbeiten mit Pferden im Wald und in der Landwirtschaft früher vonstatten ging."
Moritzburg hat sich verdient gemacht um den Erhalt einer speziellen Rasse, die deshalb viele als "Moritzburger" kennen, offiziell Schwere Warmblüter heißen oder Sächsisch-Thüringische Warmblüter; zwei "Moritzburger" stehen in der Deckstation Plohn.
Was kosten die Deckhengste eigentlich? Frau Schöpke wird bei dem Thema einsilbig. "Ich kann keinen Preis nennen", sagt sie und erzählt viel lieber, wie tüchtig Sascha Zilske die Station in Plohn leitet. "Die Tätigkeit eines Deckstellenleiters ist abwechslungsreich und anspruchsvoll. Die Pferde müssen versorgt und geritten werden, beim Deckvorgang ist fast schon veterinärmedizinisches Wissen erforderlich und die Stutenbesitzer verlangen nach Informationen und Beratung. Wir sind froh, dass wir solch tolle Mitarbeiter haben - zumal in so jungem Alter", schildert sie. ufa