Keil zum Müll: "Ich kümmere mich mal drum!"

Landrat Rolf Keil kommt aus der Deckung und spricht zum leidigen Reizthema Müll im Vogtland-Radio. Wir haben reingehört. Fazit: Vieles ist schief gelaufen, Keil verspricht sich zu kümmern und entschuldigt sich bei den Vogtländern für das Müllchaos.

Von Cornelia Henze

Plauen - "Bis Ende März wollen wir den Tausch der Tonnen vollzogen und die alten eingezogen haben", verspricht Keil. Auf die Frage von Radiomoderatorin Madlen Schulz, ob die Kreisverwaltung denn alles in ihrer Macht Stehendes getan habe, gibt der Landrat zu, dass vieles schief gelaufen ist. Erstens habe der Kreis keine vollständige Grundstückseigentümerlisten vorliegen gehabt. Viele Eigentümer hätten die Bögen nicht ausgefüllt. So gab es 9000 ungeklärte Fälle, die nach und nach abgeklärt werden. 2500 davon warten derzeit beim KEV auf Bearbeitung. Obwohl noch gar nicht alle Kunden gemeldet waren, wurden bereits die Behälter bestellt. "Hier hat es Überschneidungen gegeben", gibt Keil zu.
120 000 zu versorgende Haushalte, die Größe der Tonnen und die Menge des zu entsorgenden Müll habe für logistische Probleme gesorgt, räumt Keil ein. Besonders nach den Weihnachtsfeiertagen habe sich der Müll gestaut.
Auch die mit dem Tonnentausch beauftragte Firma habe - auch aus Ortsunkenntnis und wegen unvollständiger Listen - nicht alle Aufträge ausführen können. "Es gab einige Straßen und Ecken, wo es nicht funktioniert hat. Ich sehe, wenn ich durchs Vogtland fahre, diese Ecken selbst." Mehrmals ermuntert Keil die Bürger, eine Mail an den Kreis zu schreiben und die Müllprobleme zu benennen. Maria aus Klingenthal, die sich über den chaotischen Papiercontainerstandort am Freibad Klingenthal ärgert, verspricht Keil: Wäre schön, wenn sie sich an uns wenden. Ich würde mich mal drum kümmern, woran es liegt..."
Auch Horst aus Plauen, der ein Geschäft im Zentrum hat und sehnlichst darauf wartet, dass seine Biotonne geholt wird, verspricht Keil persönlich Hilfe. Mehrmals hatte Horst im Abfallamt angerufen - nun darf er vielleicht hoffen, wenn Keil sich persönlich kümmert... Dem Bürger Kai erklärt Keil, weshalb die 60-Liter-Tonne abgeschafft wurde.
Elke aus Auerbach rief für ihre 89jährige, in Klingenthal lebende Mutter an, der man noch gar keine Tonne vor die Tür gestellt hat. "So was muss der Vermieter klären", so des Landrats Antwort darauf.
Thomas wohnt im Chrieschwitzer Hang Plauen: Dort stapelte sich der Müll, weil der jetzt statt wöchentlich nur noch 14-tägig geholt wird. Keil beruft sich darauf, dass die 14-tägige Leerung seit 2017 bekannt gewesen sei und sich große Wohnungsbauunternehmen rechtzeitig darauf hätten einstellen können. Keil rät, statt einer, dann mehrere Tonnen rauszustellen. Ausnahmen, öfter zu leeren, seien möglich. Eine Umstellung auf wöchentliche Leerung würde bedeuten: Mehr Fahrten, mehr Personal, mehr Kosten - letzteres für den Bürger, warnt der Landrat. 
 Das Vorbild für ein gut funktionierendes Müllsystem sei der Altkreis - bald 20 Jahre bewährt. Das in Plauen hingegen habe ein Defizit von 2,5 Millionen Euro eingefahren. Im Altkreis habe man sich an die 14-tägige Leerung gewöhnt und auch an die Papiercontainer auf dem Grundstück. So wie dort, sollte es auch bald in Plauen funktionieren. 150 öffentliche Papiercontainer-Standorte sollen wegfallen, 100 allein in Plauen. "Papiertonnen im Grundstück, das hat sich im Altkreis bewährt. Wir haben gute Erfahrung gemacht, was die Mülltrennung betrifft." Keil moniert, dass viele Gewerbetreibende ihre Papierreste in öffentliche Behälter entsorgt hatten - was nicht so vorgesehen war. Das Pech, wochenlang auf Tonne oder Leerung zu warten, wie viele frustrierte Vogtländer, hatte Keil nicht. Er habe Glück gehabt, sein rausgestellter Behälter sei immer geleert worden. 
Dennoch sind für ihn diese Worte fällig: "Ich entschuldige mich bei den Leuten für das, was falsch gelaufen."