Kauschwitz feiert 750 Jahre

Kreativ und informativ feiern die Kauschwitzer an diesem Wochenende ihr Ortsjubiläum. Der 1999 eingemeindete Ortsteil von Plauen schaut auf eine 750-jährige Geschichte zurück. Waltraud Klopfer hatte vor fünf Jahren die Idee, eine Ortschronik anzufertigen. Am Donnerstag konnte das mehr als 100 Seiten umfassende Werk nach jahrelanger Arbeit erstmals druckfrisch in den Händen gehalten werden.

Kauschwitz - Hut ab: Wenn Kauschwitz feiert, dann aber richtig. In dem kleinen Ort tanzen schon seit Tagen die Puppen. In fast allen Vorgärten stehen selbst gebastelte Strohfiguren, die auf die Festlichkeiten am Wochenende einstimmen. Was die rund 900 Kauschwitzer auf die Beine gestellt haben, ist preisverdächtig. Allen voran Waltraud Klopfer. Schon seit fünf Jahren scheint die 70-Jährige an nichts anderes mehr zu denken. Fast schon wie eine Sucht sei es, die Geschichte von Kauschwitz für die Nachwelt in einer Chronik festzuhalten, sagt sie. Die eifrige Ortschronistin kennt jeden Kauschwitzer persönlich.

Ein Stein fällt der Ur-Kauschwitzerin vom Herzen, als sie am Donnerstag zum ersten Mal das Ergebnis ihrer jahrelangen Arbeit in den Händen hält. Zusammen mit einer Arbeitsgruppe aus etwa 15 Personen wurde eine Ortschronik geschaffen, die ihresgleichen sucht. Auf sage und schreibe 109 Seiten ist in dem ansprechend aufbereiteten Buch bis ins Detail die Geschichte von Kauschwitz aufgearbeitet. Zu finden sind unter anderem alle Ortsteile, Vereine sowie Gaststätten, die Kirche am Teich, der im Zweiten Weltkrieg zerstörte Flughafen wo heute der Plauen Park steht und das Zwangsarbeitslager an der Holzmühle, das viele Menschen nicht überlebt haben. Ein Gedenkstein erinnert im Ort daran.

Für die Aufarbeitung der Geschichte war es höchste Zeit, sagt Waltraud Klopfer. Viele alte Kauschwitzer, die sie in den letzten Jahren für die Ortschronik interviewte, sind inzwischen gestorben. "Da sind viele schon nicht mehr da. Ich bin froh, noch einmal mit ihnen gesprochen zu haben", so die gebürtige Kauschwitzerin. So war es auch möglich, noch unglaublich viele Fotos und Dokumente zu bekommen. Viele werden auch in einer Ausstellung zum Jubiläum an diesem Wochenende gezeigt. Auf nicht enden wollenden Wandzeitungen ist das Leben in Kauschwitz abgebildet. Es konnten so viele alte Bilder, Aufzeichnungen, Gegenstände und Berichte gesammelt werden, dass die Ausstellung auf drei Gebäude aufgeteilt wurde. So sollten Festbesucher neben dem Rittergut und der Schule auch das Feuerwehrhaus besuchen.

"Viele haben zum Gelingen der Ausstellung und der Ortschronik beigetragen", sagt Klopfer. Neben den vielen privaten Aufnahmen und Dokumenten gab es auch Unterstützung aus dem Stadtarchiv und dem Vogtlandmuseum. Das Kauschwitzer Geschichtsbuch hat eine Auflage von 1000 Exemplaren und wurde von der Druckerei Ott produziert. Der Auftrag sei zuvor ausgeschrieben worden. Die Chronik kann an diesem Wochenende zum Fest käuflich erworben werden.

Die Zeit in Kauschwitz ist heute eine andere als früher. Es ist ruhiger geworden in dem unter damaligen Protest der Kauschwitzer eingemeindeten Ort. "Jede Zeit hat ihre schönen Seiten. Früher war jedoch unheimlich viel los", sagt Waltraud Klopfer. Allein vier Gaststätten im Ortskern zeugten davon. Heute hat Kauschwitz kein Wirtshaus mehr. Vor 15 Jahren bereits gingen die Türen in der letzten Gastwirtschaft "Zur Mühle" zu.