Kaufrausch im Schloss

Pünktlich vor dem 1. Advent öffnete die neue Winterschau auf Schloss Voigtsberg mit Sammlerschätzen. Kaufmannsläden aus zwei Jahrhunderten sprechen Groß und Klein an: "Komm mal kaufen".

Von Renate Wöllner

Oelsnitz - Nun ist es wieder soweit. In den Familien werden die Puppenstuben vom Boden geholt, geputzt und eingeräumt. So manche Oma näht noch kurz vor Weihnachten kleine Puppenbetten, rollt winzige Rouladen und bäckt ebensolche Brote - für die Eröffnung des Kaufmannsladens an Heilig Abend.
Die Sammlerin Ulrike Knoll, zusammen mit ihrer Mutter Ursula wichtige Leihgeberín der Ausstellung, brachte die große Anziehungskraft zur Vernissage Freitagabend auf den Punkt.
Das interaktive Spiel, die Gestaltung von unterschiedlichen Rollen machen die Besonderheit der Kaufmannsläden aus, die wie ihr Pendant, die Puppenstuben, samt ergötzlichem Inventar liebevoll von Generation zu Generation weitergegeben werden. Wahre Raritäten zeigt die Ausstellung und lädt zum Spielen ein.
Auf ein spezielles Exponat wies Kulturchef Daniel Petri hin. Zum ersten Mal ausgestellt wird ein klassischer Kaufmannsladen, der real in der Oelsnitzer Schmidtstraße über 100 Jahre Kunden versorgte.
Das Interieur des Kolonialwarenladens von Kurt Englert ist original erhalten und fast fertig restauriert, sagte Petri. Den Museen von Schloss Voigtsberg übergeben wurde es vom Sohn und Mitglied des Schlossfördervereins, Ulrich Englert.
Das 1885 errichtete Wohn- und Geschäftshaus mitsamt dem bereits firmierenden Laden kaufte Großvater Bruno Englert im Jahre 1912, berichtete der Enkel unserer Zeitung. Über die damals angeschaffte Einrichtung, die bis zum Schluss ihrem Zweck diente, geben Inventarlisten Auskunft. Mitgearbeitet hatte Vater Kurt seit 1948 im Geschäft und es 1958 übernommen.
Noch eine Reihe von Oelsnitzern dürften sich an den Kaufmann in seiner Kittelschürze und stets ruhigen, zuvorkommenden Art erinnern, der bis kurz vor seinem Tod 2002 mit 89 Jahren hinterm Ladentisch stand.
Englert handelte auf eigenes Risiko, hatte aber als Kommissionshändler der HO Vorteile beim Einkauf, erzählte Sohn Ulrich. In der Schösserstube ist das reizvolle Interieur mit Lokalkolorit zu bewundern.
Die Sonderschau ist bis 23. Februar auf der Burganlage zu erleben. Die Kultur GmbH weist auf Begleitangebote für alle Altersgruppen und ergänzende Veranstaltungen hin. Kontakt: www.schlossvoigtsberg.de sowie unter der Rufnummer 037421-729 484.