Kaufkraft-Schub fürs Vogtland durch Mindestlohn

Allein im Vogtlandkreis könnten Beschäftigte über 111,8 Millionen Euro mehr ausgeben, wenn 8,50 Euro Mindestlohn gezahlt werden - sagt eine Studie.

Plauen - Im Job alles geben - und trotzdem wenig dafür bekommen: Im Vogtlandkreis arbeiten rund 41 610 Menschen für einen Niedriglohn. Sie verdienen weniger als 8,50 Euro pro Stunde. Das ist das Ergebnis einer Studie vom Pestel-Institut in Hannover. Die Wissenschaftler haben darüber hinaus untersucht, welche positiven Effekte ein gesetzlicher Mindestlohn für die heimische Wirtschaft hätte: "Die Kaufkraft im Vogtlandkreis würde um 111,8 Millionen Euro pro Jahr steigen. Vorausgesetzt, jeder Beschäftigte verdient künftig mindestens 8,50 Euro pro Stunde", sagt Matthias Günther vom Pestel-Institut. Der Leiter der Mindestlohn-Studie erwartet, dass der Zuwachs an Kaufkraft nahezu eins zu eins in den Konsum gehen würde.

Für die Daten wertete das Institut Zahlen aus dem Mikrozensus 2011 und aus dem jährlich erstellten sozioökonomischen Panel aus. Für die Gewerkschafen Verdi und Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), die die Studie in Auftrag gegeben hatten, zeigt die Studie, dass ein gesetzlicher Mindestlohn von 8,50 Euro eingeführt werden sollte. "Wer den ganzen Tag arbeitet, muss mit dem, was er verdient, auch klarkommen können. Das klappt aber nicht, wenn Dumpinglöhne gezahlt werden. Und ein Dumpinglohn ist alles unter 8,50 Euro pro Stunde", sagt die Geschäftsführerin des Verdi-Bezirks Vogtland/Zwickau, Kerstin Eger. Niedriglöhner seien gezwungen, kürzer zu treten und Verzicht zu üben. "Sie können am Leben nicht richtig teilnehmen. Das fängt schon beim Bus- und Bahnticket an. Für Ausflüge und selbst für Verwandtenbesuche reicht das Geld oft nicht. Genauso wie fürs Kino oder Schwimmbad", sagt Kerstin Eger. Ein Niedriglohn bedeute automatisch "eine Lebensqualität dritter Klasse".

Verdi und NGG appellieren an alle Beschäftigten, die im Vogtlandkreis zu einem Niedriglohn arbeiten, diesen online beim Dumpinglohnmelder (www.dumpinglohnmelder.de) anzuzeigen. Die beiden Gewerkschaften wollen so vor der Bundestagswahl die "Deutschland-Billiglohn-Landkarte" vervollständigen. va