Kaufhaus in Plauen nur für Bedürftige

Ein bisschen erinnern die großen Räume an den Kostümfundus eines Theaters. Allerdings ist das Angebot der Plauener Möbel- und Textilbörse in der Weststraße für Bedürftige noch breiter gefächert.

Plauen - Die Meinung der Mitglieder des Sozialausschusses ist einhellig, als sie am Donnerstag die Möbel- und Textilbörse besichtigen. Die hier angebotenen Wohnzimmer-, Küchen- und Badmöbel entsprechen zwar nicht verwöhnten Ansprüchen, aber sie sind gut erhalten und erfüllen, wie man so schön sagt, ihren Zweck.

Wer finanziell nicht auf Rosen gebettet ist, kann hier, im Reich von Projektleiterin Petra Wunderlich und ihrem meist ehrenamtlich agierenden Team, durchaus fündig werden. "Wer mit einem dicken BMW auf der Suche nach Schnäppchen vorfährt, ist allerdings falsch", erläutert eingangs der Regionalleiter des Vereins "Projekt Zukunft", Matthias Wilhelm. Aus dem Angebot wählen und zu günstigen Preisen, die für den Verein gerade mal kostendeckend sind, auswählen, können Bedürftige nur mit einem so genannten Berechtigungsschein.

Vor allem Grünen-Stadträtin Gabi Weiß ist beim Rundgang des Lobes voll über die Zusammenarbeit mit der Börse. Von ihrer Arbeit im Asylbewerberheim weiß sie, dass viele der Bewohner auf das Angebot angewiesen und auch angehalten sind, sich hier zu "bedienen". "Ohne euch wären wir aufgeschmissen", so Weiß an ihre "Geschäfts"-Partnerin Petra Wunderlich.

Auf der Etage, in der sich einst der Speiseraum der Plauener Spitze befand und in dem seit Februar 2001 die Möbel- und Textilbörse ihr Domizil hat, sind die Angebote "thematisch" geordnet. Ein großer Raum, in dem sich - wiederum getrennt - Damen- und Herrenbekleidung befindet, dazu Haushaltswäsche wie Handtücher und Bettzeug.

Den größten Raum machen die Wohnzimmermöbel und Couchgarnituren aus. Möge deren Aussehen nicht jedermanns Geschmack sein - "aber besser, als gar nichts zu haben, sind sie allemal", wie CDU-Stadträtin Yvonne Gruber unter dem Nicken anderer feststellt. "Eiche rustikal ist tatsächlich weniger gefragt", lächelt die Projektleiterin, die aber auch weiß, dass Möbel aus DDR-Zeiten stabiler sind als die später gefertigten.

Weiter hinten befindet sich die "Abteilung" Schlafzimmermöbel, in einem extra Raum stehen Küchenzeilen. Die angebrachten Preise sind je nach Ausstattung und Erhaltungsgrad unterschiedlich, aber komplette Küchen samt Kühlschrank für rund 400 Euro sind keine Seltenheit. Bücher, Schallplatten, Geschirr und Gläser sind in der Regel mit 50 Cent das Stück ausgepreist, Services sind für sechs Euro oder wenig mehr zu haben. Derzeit läuft - wie in "richtigen" Geschäften eine Sonderaktion für TV-Geräte. Die gibts momentan zum halben Preis, bedeutet so um die 50 Euro. "Zeitweise werden wir regelrecht überrannt", sagt Frau Wunderlich, die von 300 bis 400 Kunden pro Monat spricht. Angebot und Nachfrage passen allerdings nicht immer zusammen, fügt sie an. Vor allem an Waschmaschinen, aber auch Kindergarderobe fehle es fast immer.

Eingangs hatte Regionalleiter Wilhelm das Prinzip der seit 2001 existierenden Möbel-und Textilbörse erklärt. Beim Angebot handelt es sich ausschließlich um von der Bevölkerung gespendete Dinge. Ein eigener Service holt die Spenden ab, danach folgen - wenn nötig - kleinere Reparaturen und Reinigungen. Haben sich Bedürftige für größere Gegenstände entschieden, werden die an den Adressaten ausgeliefert. Damit sich nicht besagte "BMW-Fahrer" unter die Interessenten mischen, wird der Personenkreis dokumentiert. In der Regel handele es sich, so Wilhelm, um Hartz IV-Bezieher, Rentner oder eben auch Asylbewerber.

Wilhelm informierte die Ausschussmitglieder zudem über die weiteren Tätigkeitsfelder des Projektes Zukunft, dem die Börse angegliedert ist. Die erste Regionalstelle des Projektes wurde bereits 1993 in Plauen eröffnet, beschäftigte zunächst ABM-Kräfte und Ein-Euro-Jobber. Derzeit arbeite man neben einer Reihe ehrenamtlicher Männer und Frauen vor allem mit Langzeitarbeitslosen, älteren Arbeitslosen und Jugendlichen ohne Berufsabschluss, aber auch mit Leuten zusammen, die vom Gericht Sozialstunden "aufgebrummt" bekamen. "Die Menschen haben hier eine sinnvolle Aufgabe und vor allem, sie werden nicht nur abgestellt", sagt Wilhelm. Und da das Spektrum derer, die sich in einer schwierigen sozialen oder auch psychischen Lage befinden, so groß sei, beschäftige der Verein auch eine hauptamtliche Sozialbetreuerin.

Außerdem kümmert sich das "Projekt Zukunft" um die Gestaltung und Pflege kommunaler Grünflächen und betreibt einen so genannten Kreativbereich mit Holz- und Textilwerkstatt. Auch Spielflächen im Außenbereich sind ein Thema - Matschstrecken und Bewegungsbaustellen zum Toben, nennt Wilhelm. Nicht zu vergessen die enge Zusammenarbeit mit Kindertanz- und Theatergruppen verschiedener Schulen, für die die Kostüme gefertigt werden. Ein ebenso erfreulicher wie zum Nachdenken anregender Termin der Sozialausschussmitglieder außerhalb der Rathausmauern.