"Katzendreck"-Gestank im Vogtland bleibt

Übelriechende Luft aus Nordböhmen nervt die Bewohner im Vogtland und Erzgebirge seit Jahrzehnten immer wieder. Bisher wurde vergeblich nach der Ursache gesucht. Wissenschaftler machen wenig Hoffnung auf Besserung.

Leipzig/Klingenthal - Die Bewohner des Vogtlandes und Erzgebirges werden wohl weiter mit dem sporadisch auftretenden sogenannten Katzendreck-Gestank in ihrer Region leben müssen. "Kurzfristig gibt es dafür keine Lösung", sagte Meteorologe Michael Jähn vom Leipziger Leibniz-Institut für Troposphärenforschung.

Bei sogenannten Inversionswetterlagen und hohem Luftdruck könnten schwache Südostwinde auch künftig immer wieder Geruchswolken aus dem nordböhmischen Industriegebiet über den Erzgebirgskamm tragen. Nach der Analyse von Messergebnissen und Luftströmungen zweier Jahre habe nur zum Teil geklärt werden können, woher diese stammen. Die Wissenschaftler des Instituts wollten gestern den Bürgern in Olbernhau im Erzgebirge die Ergebnisse ihrer Forschung erläutern.

Jähn zufolge wurden 2010 an 26 Tagen 60 Beschwerden von Bewohnern der Region registriert, 2011 waren es sogar 360 Beschwerden an 87 Tagen. Die Wissenschaftler versuchten den Hinweisen nachzugehen und mit Hilfe meteorologischer Daten sowie Rechenmodellen am Computer herauszufinden, welchen Weg die Luft genommen hat. In vier Fällen habe es zuvor Havarien in tschechischen Chemiefabriken gegeben. Im November 2010 etwa war ein Zwischenfall in einem Druckgaswerk bei Karlovy Vary (Karlsbad) die Ursache, hieß es. Bei mehr als zwei Dritteln der Geruchsbelästigungen im Osterzgebirge kam die Luft aus dem Raum Litvinov, wo petrochemische Fabriken stehen.

In den meisten Fällen wissen die Wissenschaftler noch immer nicht, wie die Geruchswolken entstehen. Sie vermuten, dass dabei Schwefelverbindungen von Rohöldämpfen auf Rauchgase treffen. "Das sind alles sehr komplexe chemische Verbindungen und wenig erforschte", sagte Jähn. Diese Stoffe sammelten sich bei bestimmten Wetterlagen an der Südseite des Erzgebirges, vermischten sich und "schwappten" dann über das Gebirge, sagte Jähn. In der Regel wehe dabei nur ein ganz schwacher Wind.

Seit den 1990er Jahren mussten im nordböhmischen Industrierevier zwar viele alte Anlagen modernen weichen, wurden stillgelegt oder mit modernen Filteranlagen nachgerüstet, sagte Jähn. Die Schadstoffe in der Luft seien sei stark zurückgegangen, der "Katzendreck-Gestank" seltener geworden, der Wald auf dem Erzgebirgskamm habe sich wieder erholt. Die Grenzwerte für Luftschadstoffe würden nicht mehr überschritten. "Aber die Nase ist ein sehr empfindliches Organ." Vermutlich müsse die Abluft aus den Industrieanlagen noch weniger werden, damit es im Vogtland und Erzgebirge nicht mehr stinkt. va