Karotti hilft beim Kochen

14-jährige Heranwachsende für etwas zu begeistern, ist nicht immer einfach. Doch Eileen Schneider ist das gelungen - mit Unterstützung des Jobcenters und dessen Verbündeten. Doch wie passt das alles zusammen?

Von Torsten Piontkowski

Arbeitslosigkeit - vor allem über einen längeren Zeitraum - macht krank. Wer länger krank ist, bleibt in der Regel auch länger arbeitslos. An einem seit 2014 laufenden Modellprojekt an lediglich sechs Standorten bundesweit, nimmt auch das Jobcenter Plauen teil. Dabei geht es genau darum, diesen Kreislauf zu durchbrechen, gezielt die Gesundheitsförderung für Arbeitslose in den Mittelpunkt zu stellen.


Bislang 460 Männer und Frauen nahmen seither an diesen sogenannten Aktiva-Grundkursen teil, angeboten vom Jobcenter, koordiniert von der AOK und der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) in Plauen. Oberstes Prinzip sei die Freiwilligkeit, betont Teamleiterin Elisa Weiß-Rosenbaum. Niemandem entstehe ein Nachteil, wenn er an den - kostenlosen - Kursen nicht teilnehme. In deren Mittelpunkt stehen Angebote zur Ernährung, Bewegung, aber auch der Stressbewältigung. Dass Arbeitslose mit diesen Fragen anders umgehen als Erwerbstätige, war auch der Grund, derartige Angebote speziell an Erwerbslose zu richten, ergänzt Bereichsleiter Michael Neudel. Und ein Großteil reagierte erfreut, nicht nur als arbeitssuchend wahrgenommen zu werden.


Bereits seit 2016 werden Aktiva-Aufbaukurse angeboten. Mancher habe sich schon zu seinem eigenen Gesundheitsexperten entwickelt. Doch die Resonanz brachte die Initiatoren schon Ende 2018 auch auf neue Ideen. Weshalb in dieses Angebot nicht auch die Kinder einbeziehen? Erstmals im Vorjahr veranstaltete man im Sommer einen Ferienkurs, für den sich fünf Familien interessierten. Dann kam Corona und nach gelungenem Start schien ein jähes Ende programmiert. Doch macht Not bekanntermaßen erfinderisch - in diesem Jahr wurden neun Familien mit insgesamt 18 Kindern begleitet - telefonisch. Wie aber muss man sich das konkret vorstellen?


Eileen Schneider, Mutti von drei Kindern zwischen drei und 14 Jahren, ist des Lobes über die vergangenen Wochen voll. Jede Woche wurde der Familie ein Paket "geliefert", inklusive einer "Aufgabe". So konnte eine "Lieferung" Lebensmittel samt Rezepten beinhalten, eine andere einen Wander- oder Bastelvorschlag. Wann sie welche Aufgabe angingen, blieb den Familien selbst überlassen.


"Zuerst haben wir geschnippelt und gekocht", lacht Frau Schneider. "Die Menge war ausreichend, es hat lecker geschmeckt, wir werden das jetzt öfter machen." Jedes Paket sei ein kleines Erlebnis gewesen, "die Kinder waren mit Feuereifer dabei" fügt sie an. Und aus Erfahrung weiß sie: "14-Jährige sind nicht so oft zu begeistern. Aber wir haben gemeinsam Steine gesammelt und bemalt, das war der Renner. Und auch der Waldlernpfad sei bei ihren drei Kindern gut angekommen. Immer dabei, auch für die "Fotostrecke" das Kurs-Maskottchen "Karotti".


Marco Möbis, Papa von zwei Mädchen, hat fast nichts anzufügen. "Es war immer schön, immer überraschend, den Kindern hat es immer gefallen." Die Anregungen habe er auch als kleinen "Schubs" empfunden, lächelt er. Ob man sich durch die Organisatoren zuweilen bevormundet gefühlt hätte? Eine Frage, die nahezu auf Unverständnis stößt. "Mama, wir würden gern wieder mitmachen", fassten die Schneider-Zöglinge den Ferienkurs zusammen. Und eine Fortsetzung ist tatsächlich auch geplant. Man könne beispielsweise auch die teilnehmenden Familien, die sich coronabedingt ja nicht mal kennenlernten, zusammenführen, schwebt Frau Weiß-Rosenbaum vom Jobcenter vor.


Die "Bauchschmerzen" von Angela Müller ob des Erfolgs der Kurse waren jedenfalls unbegründet. "Wir hatten ein tolles Feedback", sagt die Vertreterin der FAW. Und Sabine Oberländer fügt noch eine "Vision" an. Noch zu oft fühlen sich von Kursen vor allem Frauen angesprochen. Man wolle nun auch verstärkt Männer aktivieren, und demnächst vielleicht auch eine "Boygroup" gründen.