Karol Danis - ein aufgehender Stern am Geigenhimmel

Er neige nicht zu Euphorie, aber das Publikum werde heute vielleicht einen kommenden Joseph Joachim erleben, versprach Dramaturg Dr. Horlbeck den Musikfreunden in der überaus gut besuchten Einführung zum 2. Sinfoniekonzert der Vogtland Philharmonie am Mittwoch.

 

Er hatte zuvor bereits die beiden Proben mit dem kaum 16-jährigen slowakischen Supertalent Karol Dani? erlebt und war, wie einhellig die ganze Philharmonie samt Chefdirigent Jiri Malát, bass erstaunt über die reife Leistung, mit der sich der Solist bei Mendelssohns berühmten Violinkonzert e-Moll op. 64 vorstellte. Es wurde überhaupt ein denkwürdiges Konzert, das das Publikum im ausverkauften Neuberinhaus erlebte.

Die Vogtland Philharmonie ehrte die beiden großen diesjährigen Jubilare der Musikwelt, Felix Mendelssohn Bartholdy zum 200. Geburtstag und Georg Friedrich Händel zum 250. Todestag, mit einem hochwertigen Programm: Es erklangen Händels "Alexanderfest"-Concerto HWV 318 und neben dem Violinkonzert noch Mendelssohns "Schottische" op. 56 im sinfonischen Teil.

Das von Georg Friedrich Händel als Zwischenmusik für die Premiere des Oratoriums "Alexander"s Feast or The Power of Musick" in London geschriebene Concerto grosso Nr. 7 C-Dur leitete den Konzertabend ein. Als Akteure der Soloparts im Concertino agierten die beiden "hauseigenen" Konzertmeister Stefan Freund und Sergei Synelnikov, dazu Peter Manz am Violoncello mit überzeugender, im Zusammenspiel stimmiger musikantischer Manier; zu dem trat ein von flotten Tempi bestimmter frischer Gesamteindruck des prägnant musizierenden Ensembles - eine sehr ansprechende, stilgerechte Interpretation, die sogleich viel Beifall fand.

Gespannt sah das Publikum nun dem Auftritt des mit viel Vorschuss angekündigten Nachwuchssterns Karol Dani? entgegen. Mit elf Jahren habe er das Mendelssohn?sche Violinkonzert das erste Mal gehört und beschlossen, diesen Solopart zu erlernen. Es war nicht braves artistisches Können, das oftmals schnell Staunen macht, sondern das von Beginn an auf intensivsten Ausdruck ausgerichtete Spiel, was sofort gefangen nahm. Dabei waren dem außergewöhnlichen Jungvirtuosen die hohen spieltechnischen Herausforderungen dieses Werkes scheinbar nebensächlich, denn Intonation, Bogenführung, Tongebung selbst im höchsten Flageolett waren vom Feinsten, eines gestandenen Violinvirtuosen würdig. Konzentriert arbeitete er mit dem sehr aufmerksam reagierenden Ensemble, das er schon in den Proben sehr gelobt hatte, am homogenen Ausdruck, bot darin selbst nahezu jedes Moment auskostende Subtilität, ließ sich selbst vom Pech eines geplatzten Bogens in der Kadenz des Kopfsatzes nicht aus der Fassung bringen.

Nach der Pause erklang die Mendelssohn?sche 3. Sinfonie a-Moll op. 56, die "Schottische", ob ihrer herben Schönheit von vielen Konzertbesuchern geliebt und voller Freude erwartet. Das Orchester bot unter seinem souverän führenden Dirigenten eine stimmige Gesamtinterpretation. veho