"Karat? Kenn ich gar nicht"

Bei der jüngsten Schallplattenbörse am Wochenende in der Druckerei Ott standen den Freunden der Klänge auf Vinyl zahlreiche Kisten zum Stöbern zur Verfügung, was nicht ohne Fachsimpelei über gute alte Musikzeiten abging.

Von Frank Blenz

Plauen In einem Manufakturhaus im Hinterhof eines Gründerzeitkarrees befindet sich die Druckerei fast wie anno dazumal - es ist das Reich von Joachim Ott, der seine gute Stube von Zeit zu Zeit für den Plauener Schallplatten-Club öffnet. So auch am Wochenende, als es für Sammler, Anbieter und Neugierige hieß: hereinspaziert, gestöbert, getauscht, gekauft und diskutiert - alles rund um die schwarzen Scheiben, die gerade wieder eine Renaissance erfahren dank der Musikfans, die den besonderen "Sound" lieben.
"Das kratzt eben so ein bisschen, es klingt weicher als von CD", findet Experte Ott. Tatsächlich lief zur Börse des Öfteren wie zum Beweis eine der heißen Scheiben auf einem uralten Plattenspieler, während die Leute um die Kartons gingen und die Platten herauszogen, als hielten sie Schätze in Händen. Rockplatten, Jazz, Blues, Kinderlieder, Weihnachtliches. "Wir haben über 12.000 Exemplare hier", sagte Börsen-Mitinitiator und Musikexperte Heinz Tonndorf. Die boten ein halbes Dutzend Sammler bereit, einschließlich der beiden Veranstalter Ott und Tonndorf.
Dass die Börse ausgerechnet am 9. und 10 November stattfand, das war Absicht, so Ott. "Vor 30 Jahren fiel die Mauer, wäre das nicht geschehen, gäbe es jetzt nicht die wunderbare Partnerschaft zwischen uns vogtländischen und den fränkischen Musikfreunden. Das ist ein Grund zum Feiern", meinte Ott.
Tatsächlich wurde mit Sekt angestoßen, nicht wenige Sammler aus Hof und Umgebung schauten in Plauen vorbei - unter ihnen auch Ingrid und Claus. Nach einigem Hin und Her welche Platte schließlich mit nach Hause sollte, fiel die Wahl auf eine Weihnachtsscheibe aus der DDR und eine Platte mit Rockmusik aus jener Zeit. "Ist gutes Zeug drauf, hier: Karat", wies Gastgeber Joachim Ott Ingrid auf eine der Rockmusiklegenden der ehemaligen DDR hin. "Karat? Kenn ich noch gar nicht", gestand Ingrid aus Hof. Die Börse war also auch ein Ort für die eine oder andere kleine Nachhilfestunden in Sachen DDR-Rock. Außerdem wurde den Besuchern eine kleine Bild- und Textausstellung über Amateurtanzformationen aus Plauen und Umgebung präsentiert. "Diese haben wir schon mehrfach gezeigt", sagte Ott. Doch was für ein Schatz offenbarte sich da: Fotos von Bands wie Reflex, Universo, den Regenten oder Olympics - letztere Gruppe spielt heute wieder nach vielen Jahren und gilt als älteste Band der Region (das Durchschnittsalter der Mitglieder liegt weit über dem Renteneintrittsalter). Auch Fotos, die sehr atmosphärisch dichte, beeindruckende Zeitzeugnisse von Tanzabenden und Festen sind, waren zu sehen. Und so schauten und staunten auch die Franken nicht schlecht, wie damals im Vogtland aufgespielt und gefeiert wurde.