Kantor, Retter und Naturfreund

"Schön, dass wir wieder einen Kantor haben", ist am Ende der Chorprobe in der Oelsnitzer Katharinenkirche zu hören. Seit Februar ist Matthias Sandner im Amt. Außer ihm wirken in der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Sankt Jakobus im Vogtland drei Kantorinnen in Teilzeit.

Von Renate Wöllner

Oelsnitz - Mit 30 Prozent seiner Dienstzeit ist der studierte Gemeindepädagoge Matthias Sandner im Kinder- und Jugendbereich des Kirchenbezirks eingesetzt. In seiner ersten Anstellung in Klingenthal hatte Sandner 30 Jahre lang gewirkt. "Ich bin mit zwei weinenden Augen weg. Ich hatte nicht vor, die Stelle zu wechseln, aber Anfragen kamen von verschiedenen Seiten", erzählt er. Mit 57 Jahren noch mal was Neues machen, eingefahrene Gleise verlassen, neue Herausforderungen annehmen? Er entschied: "Da guckste mal." Mit seiner Frau Dorothea, die ebenfalls Kantorin ist, zog er in das ehemalige Pfarrhaus in Taltitz. Vorübergehend wohne eine Tochter auch da. Die vier Kinder des Paars stehen auf eigenen Beinen - in Berufen der Krankenpflege und Sozialarbeit. Das Taltitzer Haus, in dem weiterhin Räume für die Gemeinde verbleiben, wird von der Familie erworben und ausgebaut.
"Ich fühle mich gut aufgenommen", sagt Sandner. Das Ankommen im neuen Wirkungskreis sei schneller gegangen als gedacht. Die Kirchenmusik lebt nach den Beschränkungen durch die Corona-Pandemie wieder auf. Im Gottesdienst darf wieder gesungen und geblasen werden. "Der Kirchenchor macht großen Spaß", erzählt der Kantor. Ein Dreivierteljahr Zwangspause war der Probenarbeit verordnet. Mehrere ältere Chormitglieder haben deshalb das Handtuch geworfen. Trotzdem habe man schnell beim erworbenen Können anknüpfen können. Die Frauenstimmen überwiegen im harmonisch klingenden Chor, Männerstimmen werden dringend gesucht. Nach den geistlichen Noten klingt die Chorprobe mit einem Volkslied aus. Heitere Stimmung herrscht beim Abschied. "Der Neue", so ist zu hören, "ist freundlich, hat aber auch eine zupackende Art".
In die Projektarbeit hatte Sandner in Klingenthal viel Energie gesteckt. Vorhaben wie das Einstudieren eines Musicals nimmt er sich auch für die neue Gemeinde vor - für die Zeit in zwei bis drei Jahren. "Projekte sind ideal für Leute, die nicht dauerhaft an der Arbeit in einer Gruppe teilnehmen können", sagt der Kantor. "Ich mache gern etwas mit Leuten", betont er, "ich sehe, was da ist, und versuche, was draus zu machen".
In den Stunden mit der Jungen Gemeinde erklingen am Anfang immer zwei bis drei Lieder, welche der Kantor auf der Gitarre begleitet. Angemeldet habe er sich in der Kita des Obervogtländischen Vereins für Innere Mission Marienstift zum Singen mit Nachwuchs und Eltern. Vielseitigkeit in der Arbeit mit Kindern schätzt Sandner als seine Stärke ein. Bis zum Ende seiner Dienstzeit will er etwas aufbauen, Kinder- und Jugendmusik vernetzen, Bindeglied zwischen Mitarbeitern sein, eine gemeinsame Tagung vorbereiten, voneinander lernen, Synergie-Effekte nutzen.
Als Kantor bringt er - was sonst - die Orgel im Gottesdienst zum Klingen. "Ich spiele aber keine Orgelkonzerte - das überlasse ich Herrn Gruschwitz (dem Kirchenmusikdirektor)", zieht er eine Grenze. Sein Musikgeschmack wechsle alle zehn Jahre. Nach Vorliebe für Jazz, in dem das Piano nicht fehlen darf, tendiere er jetzt mehr zur Musik des Barock, insbesondere zu Bach. Zukunftsmusik ist es, einmal das Weihnachtsoratorium des Großkomponisten aufzuführen.
Sandners Talent fiel zeitig auf fruchtbaren Boden. Als Kind in einem musikalischen Pfarrhaus brachte er sich selbst das Gitarrespiel bei und lernte Klavier an der Musikschule. Dem Weg zum Kirchenmusiker standen zunächst die politischen Verhältnisse in der DDR entgegen. "Ich hatte keine Jugendweihe und war nicht in der FDJ. Ich habe erst mal Elektriker gelernt", blickt er zurück. Dann aber folgte doch noch das Studium an der Kirchenmusikschule Dresden, der heutigen Hochschule für Kirchenmusik. "Die Elektrotechnik hat mir viel Spaß gemacht. Wenn es mit der Kirchenmusik nichts geworden wäre, hätte ich diesen Beruf weiter ausgeübt", erklärt Sandner. Seine Vielseitigkeit zeigt sich auch privat. "In Klingenthal war ich bei der Wasserwacht oft als Rettungsschwimmer im Einsatz" erzählt er. Mit dem E-Bike fahre er gern in die Natur. Sport, Campen und Zelten sind die Favoriten bei der Freizeit-Gestaltung. Für das Leben in der christlichen Gemeinde hat Sandner einen Wunsch: "Offener werden."