Kanten und Kreise unterm Hut

"So schön", war der Satz, der am Sonntagabend unzählige Male über den Platz klang. "Zwei Wörter, zwei Takte. Ich hatte Angst, wenn ich sowas schreibe, dass genau das dann passiert", lachte Johannes Oerding, während das Publikum immer und immer wieder diese Zeile anstimmte.

Von Stephanie Rössel

Chemnitz Gerade sind Filmnächte auf dem Chemnitzer Theaterplatz und an den Wochenenden Konzerte. Johannes Oerding spielte ein Lagerfeuer-Acoustic-Konzert. Wer dachte, dass es eine ruhige Version wird, der wurde schnell eines Besseren belehrt. Bereits nach den ersten Takten auf der Bühne sprangen alle von ihren Stühlen auf, auf denen sie auch im Laufe des Abends nicht mehr Platz nahmen.
In einer riesigen Feuerschale vor der Bühne loderte das Feuer, doch die eigentlichen Funken sprangen von dem Musiker selbst auf die Menschen über. "Es ist wieder ok, wieder ok, schon wieder ok", sang er, bevor er sich in Richtung Publikum bewegte. Eine Maske setzte er dabei nur für die Berichterstattung der Presse auf, wie er kundtat. Er schlenderte durch die Reihen, sagte hier und da "Hallo", bestellte sich einen Cuba Libre an der Bar und war zum Small Talk aufgelegt.
Zurück auf der Bühne spielte er viele bekannte Titel, aber auch einige, die er im vergangenen Jahr aus seinem Hut gezaubert hat. Zu vielen Songs gibt es längere Geschichten, manche schreibt er auch einfach in ein paar Minuten. "Wenn du gehst", ein Wunsch aus dem Publikum zum Beispiel, sei in elf Minuten entstanden.
Den ganzen Abend lange wurde getanzt und gesprungen und laut mitgesungen. Immer wieder öffneten sich Fenster der umliegenden Häuser und des angrenzenden Hotels. Wer dort lauschte, wurde persönlich begrüßt. Seine Band im Übrigen, ein Trupp aus jungen, guten Musikern, wirkte, als verbringe er einen Abend mit seinen Kumpels auf der Bühne. Flexibel, eingespielt und immer wieder zu einem Späßchen aufgelegt, verging die Zeit wie im Flug. Es schien, als wolle Oerding gar nicht mehr aufhören zu spielen und auch das Publikum konnte nicht genug bekommen. Seine Acoustic-Tour war innerhalb kurzer Zeit fast restlos ausverkauft. Die Bedingungen in den Städten sind sehr unterschiedlich. Chemnitz setzte auf die drei G-Regelung. Das hieß, lange und zum Teil mehrfach am Einlass anstehen, auf dem Gelände jedoch ging es eher locker zu. "Mega" war fast durchweg zu hören. Johannes Oerding macht nach wie vor mit seinen Liedern alles richtig und trifft mit seinen Texten den Nerv der Zeit.