Kandidaten auf den Zahn gefühlt

Kontroverses und Gemeinsames: Gesprächsstoff gab es am Mittwochabend reichlich beim Wahlforum im Forum K. Die sechs Plauener Spitzenkandidaten zur Landtagswahl stellten sich ihren potenziellen Wählern. Zeit war allerdings nur für zwei Themen. Diese hatten die Zuhörer vor Beginn mehrheitlich bestimmt.

Von Mario Wild

Plauen - Bildung und Wirtschaft - darüber diskutierten die sechs Plauener Spitzenkandidaten der "großen" Parteien für die Landtagswahl am 1. September. Festgelegt hatten diese Themen die Gäste, die vor der Veranstaltung per Sticker darüber abstimmten, worüber gesprochen werden sollte. Auf der Strecke blieb dabei als "Dritter" der Komplex "Innere Sicherheit ", was vermutlich den einen oder anderen gewundert haben dürfte. 
Rund zwei Stunden Zeit bekamen Frank Heidan (CDU), Juliane Pfeil-Zabel (SPD), Maik Schwarz (Linke) Gerhard Liebscher (Grüne), Frank Schaufel (AfD) und Sven Gerbeth (FDP), um Argumente auszutauschen - und um Fragen aus dem Publikum zu beantworten. So sahen es die "Spielregeln" vor, die der Veranstalter - die Landeszentrale für politische Bildung in Zusammenarbeit mit der "Freien Presse" festgelegt hatten. 

Bildung
"Aufhänger" war dabei die Debatte um das wahrscheinliche Aus der Dittes-Oberschule, die erneut keine zwei fünften Klassen bilden wird. Eine solche Zweizügigkeit ist aber Pflicht im Freistaat Sachsen. Ausnahmen gibt es nur für Schulen im ländlichen Raum. Dieser Schutzstatus habe seine Berechtigung und sollte auch auf dörfliche Einrichtungen - Stichwort "kurze Wege für kurze Beine" - beschränkt bleiben, so Frank Heidan und Juliane Pfeil-Zabel. Kritik an dieser Regelung gab es unter anderem von Frank Schaufel ("nicht nachvollziehbar") und Gerhard Liebscher ("Regeln hat das Land festgelegt, da muss was geändert werden"). FDP-Kandidat Gerbeth monierte, dass zu viel übereinander, statt miteinander gesprochen werde. Die meisten der Diskutanten übten scharfe Kritik an der Schulnetzplanung der Stadt. Tenor: Es sei lange abzusehen gewesen, dass es nicht genug Kinder für die sieben Oberschulen der Stadt geben würde. Hoffnung auf ein "Wunder" konnte daher keiner machen - mittlerweile hätten die Eltern "quasi mit den Füßen abgestimmt" (Heidan) - davon profitieren unter anderem Schulen in Weischlitz oder Oelsnitz
In der Folge entspann sich eine Debatte um die Gemeinschaftsschule. Zu den größten Befürwortern zählte Linken-Kandidat Schwarz genauso wie Pfeil-Zabel. Auch die AfD spreche sich für längeres gemeinsames Lernen aus, betonte Schaufel. Zudem müsse alles getan werden, um mehr Lehrer auszubilden. Wie das geschehen soll, blieb offen. 
Wenig verwunderlich: Einig war sich das Sextett in der Frage, ob die Berufsakademie Plauen zu einer dualen Hochschule aufgewertet werden sollte - sechsmal "ja". 

Wirtschaft und Arbeit
Gleiches Prozedere wie im ersten Teil: Hier sollte die umstrittene Ausweisung von Gewerbeflächen in Oberlosa die "Ouvertüre" sein. Die Diskussion erinnerte aber phasenweise an eine Wiederholung der Stadtratsdebatte - da war das Wahlforum eigentlich der falsche Ort. Interessanter die Frage: Was braucht Plauen eigentlich? Für den Grünen Liebscher ist klar: "Wir wollen nicht mehr Flächenversiegelung. Brachen in der Innenstadt müssten wirtschaftlich belebt werden. HighTech, innovative Unternehmen und überregionale Institute müssten Priorität haben und nicht das Logistikzentrum auf der Wiese. Er prophezeite, dass in Oberlosa gar nichts passieren werde wenn die Gerichte entscheiden. Das kann bekanntlich dauern.
 Gerbeth hielt dagegen, dass man Firmen auch Gewebeflächen anbieten müsse. Die Stadt hatte keine zur Verfügung. "Man kann es nicht jedem Recht machen", so der FDP-Kandidat. Heftige Kritik an der städtischen Wirtschaftsförderung gab es von Heidan. "Diese ist praktisch nicht existent". Das habe nicht nur der "Fall Allgeier" bewiesen. Die Firma hat sich in Oelsnitz angesiedelt. 
Ungeschoren kam jedoch auch Heidan nicht davon: "Die Leuchtturm-Politik der Landesregierung ist ein Irrweg. Das Vogtland werde abgehängt", so Linken-Bewerber Schwarz. "Es ist genug Geld da - 200 Millionen Euro an frei verfügbaren Mitteln für jeden sächsischen Landkreis. Da könne man etwas anfangen", fügte er hinzu. Welchen Sinn mache es, über mit Millionen Euro geförderte Neuansiedlungen nachzudenken, wenn man weiß, dass bei bestehenden Unternehmen in den nächsten zehn Jahren mehr als ein Drittel der Beschäftigten in den Ruhestand geht? Das wollte Zuhörer (und künftiger AfD-Stadtrat) Mirko Rust wissen. Eine zufrieden stellende Antwort war nicht zu hören. "Gute Löhne in der Fläche", forderte SPD-Frau Pfeil-Zabel. Diese dürften nötig sein, um das Vogtland konkurrenzfähig zu halten. Denn: "Es gibt einen Kampf der Regionen um hochqualifizierte Arbeitskräfte", so Liebscher. Vielleicht der Satz des Abends.