Kahlschlag - Alte Kastanie weg: Weberhaus-Hexen in Plauen resignieren

Weberhaus-Chefin Kerstin Rüffer neigt allmählich zur Resignation. Derzeit werden neben dem Areal der Weberhäuser massiv Bäume und Sträucher beseitigt, um Platz für die Umsetzung der Pläne für einen neuen Kindergarten zu schaffen. Dies geschieht, obwohl laut Rüffer anderes zugesagt worden sei.

Plauen - "Hier werden eine ganze Reihe Bäume gefällt, Sträucher kommen weg, gerade das kleine Wäldchen am künftigen Handwerkerhof. Nicht nur das: Auch die Kastanie kommt dran, obwohl wir von den Weberhäusern sie in den vergangenen zwei Jahren gerettet haben, alles wird dann rechtwinklig und ordentlich neu gemacht", sagt Kerstin Rüffer, Chefin des Unikat-Vereins, den "Hexen" der Weberhäuser, mit einem Anflug von Sarkasmus.

Tatsächlich hat allein Margitta Schier, Urgestein der Weberhäuser und bekannt als wichtigste "Hexe" der kleinen Häuser in der Elsteraue, einige hundert Euro aus der eigenen Tasche investiert, um die alte Kastanie zu erhalten.

"Die war von einem Schädling befallen, da haben wir schützende Maßnahmen ergriffen", so Rüffer und Schier. Dieser Einsatz war mit der Bauleitung und der Stadtverwaltung abgestimmt, so Rüffer. "Wir haben noch im vergangenen Jahr eine lange, ausgiebige Ortsbegehung mit den Verantwortlichen machen dürfen.

Man hörte uns zu, wir dachten, unsere Vorschläge werden ernst genommen", berichtet Kerstin Rüffer. "Das Gegenteil ist der Fall. Wir kommen uns übergangen und missachtet vor. Diese ganze Show mit Bürgerbesprechung und Rundgang - das hätten wir uns sparen können", so Rüffer.

Für die brachiale Maßnahme neben dem aktuellen Weberhausgarten, gibt es eine Erklärung der Bauleitung. "Die meint, dass man bei Grabungen Schadstoffe im Boden fand. Hier soll ein Kindergarten her, also müssen die Stoffe weg. So wird der Boden um die Ruine einen Meter tief abgetragen und mit neuem Boden ersetzt. Da bleiben eben auch kein Baum und kein Strauch stehen.

Aber das hätte man im Fall des kleinen Wäldchens gar nicht machen müssen", weiß Rüffer. Und so schaut der Passant wie die Leute der Weberhäuser auf einen weiteren Elsterauenabschnitt der sich enorm wandeln wird, ohne alte Bestandteile einzubeziehen. Die Weberhäuser mit ihren Gärten in der Elsteraue gelten bis heute zwar noch als Idyll und beliebte Ausflugsadresse der Plauener.

Die Bürger sehen indes auch, dass sich das Gelände verändert, mittels der Modernisierung beschriebenen Baumaßnahmen, Gebäudeabrisse und Rodungen inklusive. Die Elsteraue als Gesamtkunstwerk, architektonisch, lebensnah, charmant - das scheint in den Augen von Kerstin Rüffer so nicht möglich: "Da wird viel Zeug gebaut, was einfach keinen Stil hat."

Großes hat die Stadt Plauen ja vor mit der Elsteraue in ihrer Gesamtheit als attraktives Quartier. Was in der Veränderung schon länger unter die Räder kommt ist: der Charme einer romantischen Gegend, die vom Plauener und seinen Gästen geliebt wird. Bäume verschwinden, Wiesen, Gärten, alte Häuser, Menschen, die dort arbeiten und leben. Zeit, all dies in künftige Überlegungen einzubeziehen und zu retten, bliebe noch. Auch wenn die davonzulaufen scheint.