Kabel mutwillig am Horten-Bau durchtrennt

Die Negativ-Schlagzeilen um die Baustelle des Landratsamtes nehmen kein Ende: Nun soll jemand mutwillig ein Glasfaserkabel durchschnitten haben. Und: Zoll-Beamte haben dort sieben Fälle von Schwarzarbeit aufgedeckt.

Plauen - "Wer das Kabel durchgeschnitten hat, wusste genau, was er macht und welchen Schaden er anrichtet", sagt Kreisbaumeister Henry Seifert. Er geht davon aus, dass es sich bei dem Täter um einen Insider, womöglich um einen der rund 60, bei verschiedenen Bau-Firmen tätigen, Beschäftigten handeln könnte.

"Ob derjenige Streit mit seinem Chef oder anderweitigen Frust hatte, der mit dem Bau des Landratsamtes zu tun hat - Gründe kann es viele geben", so Seifert. Entdeckt wurde das im Horten-Altbau durchtrennte Kabel durch Zufall von Handwerkern bei Vermessungsarbeiten. Zusammen mit einem Bündel anderer Kabel, die der EDV-Datenübertragung dienen sollen, wurde es aufgefunden. Entstanden ist bis jetzt ein Schaden von 2.000 Euro.

In den nächsten Bauberatungen soll geklärt werden, ob die Kabelstelle gemufft und somit leicht repariert werden kann - oder ob das gesamte Kabel neu verlegt und der Fußboden geöffnet werden muss. Bereits im Frühjahr wurden Stecker an Datenkabeln von Unbekannten abgeschnitten. Unklar ist, ob es sich dort ebenfalls um Sabotage oder um Materialbeschaffung handelt.

Im Falle des durchschnittenen Kabels wurde Anzeige erstattet. Seifert vermutet, dass der Sabotage-Akt während der Arbeitszeit geschah. Ein Eindringen des nachts nach Dienstschluss in die Gebäude würde hingegen das "Geschick" geübter Einbrecher erfordern. Wegen dieser und anderen "Pannen" wird laut Seifert der Fertigstellungstermin am 19. Oktober nicht zu halten sein.

Unschön auch der Fakt, dass das für das Vogtland zuständige Erfurter Zoll-Amt im Frühjahr auf der Horten- Baustelle mindestens sieben Fälle von Schwarzarbeit aufdeckten: Innerhalb einer bundesweiten Kontrolle. Zu der Zeit seien 49 Mitarbeiter von 22 Baufirmen auf der Horten- Baustelle gewesen, so Zoll-Sprecher Holger Giersberg.

Dabei stand ein Angestellter einer Estrich-Firma in dem Verdacht, unter Mindestlohn gearbeitet zu haben; drei tschechische Trockenbauer machten sich der Scheinselbstständigkeit verdächtig; für drei Mitarbeiter einer Firma soll der Chef zu wenig Sozialversicherungsbeiträge abgeführt haben - diese Straftat nennt sich "Beitragsvorenthaltung". Das, was man am Horten aufdeckte, sei in Deutschland kein Einzelfall und nicht Verschulden des Bauherren - in diesem Fall des Landratsamtes mit seiner Bauleitung, Oberbauleiter Harald Schneider und Kreisbauamtsleiter Henry Seifert, so Giersberg.

Nach Prüfung, ob wirklich Schwarzarbeit vorliegt, müssen die betroffenen Firmen mit Bußgeldern rechnen - bis dahin besteht kein Arbeitsverbot auf der Baustelle. "Vor Schwarzarbeit kann man sich im Vorfeld nicht schützen. Wir können höchstens die Zusammenarbeit mit solchen Firmen künftig meiden", so Henry Seifert. Cornelia Henze