Kabarettist Lüdecke begeistert im Malzhaus

Plauen - Leistungsgerechtigkeit, Wegzugsprämie für Brandenburger oder der SPD-Wahlkampf - das waren nur drei der Themen, die dieser Tage im Malzhaus eine Rolle spielten. Der Kabarettist Frank Lüdecke sinnierte dort nicht nur über diese Themen, sondern er hatte weitere Trümpfe in sein gut zweistündiges Programm gepackt.

Er war zum zweiten Mal nach 1998 im Malzhaus zu Gast. So suchte er diesmal vergebens den kleinen Teich mit dem Park in der Stadtmitte - da das Areal auf dem sich heute die Stadtgalerie befindet.

Was den Besuchern im fast ausverkauften Malzhaus geboten wurde, war Kabarett vom Feinsten. Immerhin ist Lüdecke seit 2006 Leiter der "Distel" und regelmäßig in der ARD-Sendung "Scheibenwischer" dabei. Große Worte über solch einen Mann zu verlieren, der auch Germanistik und Geschichte in seiner Heimatstadt Berlin studierte und dazu seine Magisterarbeit über Kurt Tucholski schrieb, ist eigentlich längst nicht mehr nötig.

Mehrmals im Laufe des kurzweiligen Abends griff der 48- jährige Berliner, der in Charlottenburg geboren wurde und heute mit seiner Familie in Kleinmachnow lebt, zur Gitarre und begleitete sich selbst beim Gesang. Eingebettet in das aktuelle Thema Wahlkampf zu Beginn und Ende der reichlich zwei Stunden wurden die Besucher im leichten "Galopp" durch die verschiedensten Themen mitgenommen.

Da spielte die Abwanderung aus dem Osten, die Wegzugsprämie für Brandenburger um blühende Landschaften zu erhalten, genauso eine Rolle, wie das ewig aktuelle Thema Löhne, die Finanzkrise oder der Kombilohn. Diesen bezeichnete Lüdecke treffens als Hartz IV mit Zuschlag aus der Schwarzarbeit. Der Vater von vier Kindern, Ehefrau Caroline managt das Familienleben als studierte Kulturfachfrau, trat auch schon sehr erfolgreich mit Didi Hallervorden auf, gehörte zum Team von "Verstehen Sie Spaß?" und heimste Mitte der 1990er Jahre, als er mit Achim Ballert als "Phrasenmäher" unterwegs war, jede Menge Preise, darunter den Deutschen Kabarettpreis ein.

120 Auftritte absolviert er pro Jahr, einen Tag vorher gastierte er in Zwickau. In Plauen nahm er aber nicht nur die Politik und deren Resultate aufs Korn, sondern er betrachtete auch andere Dinge. So den letzten European Song Contest - aus der Punktevergabe leitete er den Stand Deutschlands in der EU ab. Mit dem "DDR-Wirtschaftsminister" Karl Marx stieg Lüdecke nach der Pause wieder ins Programm ein. Er stellte fest, dass viele Menschen zu Höherem berufen seien, das derzeit Kunst und Kultur aufblühten und das Wissen Berliner Schüler auf dem Niveau amerikanischer Touristen angesiedelt sei.

Den Gästen gefiel es, sie spendeten reichlich Beifall. Auch bei Lüdeckes Feststellung, dass "Angst der Schlüssel zum Glück" sei, und sein pH-Wert um zwölf Prozent erhöht sei und er deshalb Kabarettist werden musste. Seine Analyse über die Vergabe der Olympiaaustragungsorte oder die Feststellung, dass Philosophen, die Hartz IV-Empfänger der Wissenschaft sind, vollendete einen gelungenen Abend in gemütlichem Ambiente. jst