Kabarettist Gerd Dudenhöffer begeistert in Bad Elster

Bad Elster - In seiner Rolle als Heinz Becker ist der Kabarettist Gerd Dudenhöffer absoluter Publikumsliebling. Das war im ausverkauften König Albert Theater in Bad Elster nicht anders.

 

Mit "Batschkapp" und großkariertem Hemd gelang es ihm erneut - wie bereits bei seinem ersten Auftritt in Bad Elster vor drei Jahren - auch in seinem neuesten Programm "Kosmopilot" mit witzigen Stammtischgeplauder im saarländischen Dialekt die kleinen und großen Themen die die Welt bewegen, Schlag auf Schlag auf unnachahmliche Weise zu interpretieren.

Quer durch den heimischen Gemüsegarten erklärt Dudenhöffer im Gartenstuhl sitzend mit wortreicher Polemik und deftigen Pointen, mit viel trockenem und schwarzem Humor gewürzt "wie das da alles so zusammenhängt". So zum Beispiel, wie eine kaputte Gummidichtung im Wäschetrockner unvermeidlich zur Wirtschaftskrise führt, weil der Monteur ohnehin erst viel zu spät das Ersatzteil bestellt, um dann bei der Reparatur des Gerätes festzustellen: "Ach, das ist ja noch das alte Modell". Logisch, so weiß der Kosmopolit, dass so etwas zur Pleite führt.

Und wie das dann mit der Wirtschaftskrise funktioniert, hat er auch schon am Stammtisch im "Eckstübche" genau erkannt. "Zu der ist es nur gekommen, weil die Bank Ihnen Geld geliehe hat, das sie nicht hatte und das sie sich von einer anderen Bank geliehe hat, die das Geld auch nicht hatte. So einfach ist das", weiß er. "Die Zeche zahle natürlich, wie immer, de kleine Mann und de kleine Frau - also "De Leit" zahlen?s."

Daher käme auch die Bezeichnung "Leitzins" erklärt er und beklagt dann außerdem die von den Politikern sinnlos geschnürten Milliarden-Hilfspakete: "Wenn jemand aus dem Flugzeug fällt, nutzt es auch nix, wenn man ihm einen Fallschirm hinterher wirft. Hinterher kann man ihn höchstens noch damit zudecken."

Und nicht nur in seinem häuslichen Garten kennt er sich wie kein anderer aus, auch mit der Inflation: Wenn ein Bier heute zwei Euro kostet, wären das früher vier Mark gewesen. "Nur da war noch ein Schnitzel dabei." Überhaupt sei es ja auch unnütz, wenn die Politiker die Arbeitslosen "beseitige, äh abschaffe wolle", denn "da könne de Getränkemärkte und Vidoetheke gar nix mehr verdiene".

Dann überlegt der Laubenphilosoph kurz, wie er denn aufs Thema Krise gekommen sei? Natürlich, weil er ein Verlängerungskabel braucht, um seinen Mirabellenbaum zu beschneiden. Der Schwiegervater von seiner Hilde hätte damals eins in der Garage gehabt, erinnert er sich. "Aber schon der hat gsagt, man müsse Geliehenes zurückgebe, wenn man es nicht mehr brauche. "Nur bei de Hilde hät das ebe nicht funktioniert."

Der notorische Besserwisser hat auch nie verstanden, warum man die Mauer an der innerdeutschen Grenze abgerissen hat. "Die war doch noch gut! Und nu müsse wir dene alles renoviere. Und wenn?s wieder picobello ist, baue die die Mauer wieder auf. Und dann seie mir im Westen dann der Ostblock und bekäme die alten Schuh wieder, die wir dene vor 30 Jahre geschickt hätte", befürchtet der passionierte Kleingärtner, überlegt und meint: "Wir bräuchte mal wieder einen, der richtig für Ordnung sorgt, nicht wie Führer, äh, früher. Man müsst halt das Beste von damals nehme."

Eben ohne so eine Verkleidung und dann auch mit Menschenrechten. So wie der Papst das jetzt macht, indem auch die Priester verhüten dürfen, meint Dudenhöffer, um sich sogleich auch noch den Themen künstliche Befruchtung und Stammzellenforschung zu widmen. "Künstliche Befruchtung heiße ja nicht, dass der Mann da eine Prothese hätte, sondern vielmehr fehlt da in der ganzen Reihe ein Glied. Anders gesagt ist das quasi keine Erzeugerabfüllung", lautete seine explizierte Begriffsbildung. "Und da hat doch auch so ein britischer Wisseschaftler Stammzelle von de Mensche mit denen einer Kuh gekreuzt. Was soll da denn rauskomme, was es nicht schon gibt?", ergänzt er kopfschüttelnd. Nach rund zwei Stunden scharfzüngigem Humor und bissiger Persiflage erntete er abschließend einen riesigen Applaus aus den Reihen der Zuschauer - der Becker Heinz, alias Dudenhöffer Gerd.

 

Von Steffen Adler