Junger Mann verliert Bruder und Freundin

Angehörige und Freunde trauern um die beiden Menschen, die am Montag in dem brennenden Haus in der Plauener Dürerstraße ums Leben kamen: Eine 21-jährige junge Frau und ihr 25-jähriger Mitbewohner. Die Frau hinterlässt ein kleines Kind, das zum Brandzeitpunkt sich nicht im Haus befand.

Plauen - "Wir ermitteln weiter in alle Richtungen", sagt Polizeisprecher Oliver Wurdak einen Tag nach dem schrecklichen Brand. Noch immer könne man der Öffentlichkeit nicht sagen, um wen es sich bei den Toten handelt und wie genau sie ums Leben kamen. Wurdak verweist auf die Ergebnisse der Obduktion.

Während sich die Behörden noch zurück halten, ist die traurige Nachricht im Angehörigen- und Freundeskreis schon rum. Getötet in Rauch und Feuer wurde die 21-jährige S. und deren 25-jähriger Schwager A - beides Deutsche. Der 23-jährige Mann, der in einer Leipziger Spezialklinik noch im Koma liegen soll, war der jüngere Bruder des getöteten A. und der Lebensgefährte der nun ebenfalls toten jungen Frau.

Eine Frau mittleren Alters steht weinend vor dem Absperrband, mit dem die Polizei am Dienstag den Zutritt in die Dürerstraße zu beiden Seiten verwehrt. Sie gehören wohl zum engeren Kreis der beiden Toten. Passanten und Fahrzeuge müssen draußen bleiben, damit die Brandursachenermittler in Ruhe ihrer Arbeit nachgehen können.

"In das Haus können Sie jetzt nicht hinein", gibt ein Polizist der weinenden Frau und den vier weiteren zu ihr gehörenden Leuten zu verstehen. Bedrückt schleicht die Gruppe, zu der auch ein großer Hund gehört, um den Block.

Nur Anwohner bekommen auf Vorlage ihres Personalausweises Zutritt in die Dürerstraße. Vor der Absperrung stellen sich immer wieder Passanten ein. Neugierig starren sie die Fassade der Dürerstraße 8 hoch und verharren an dem rußgeschwärzten Giebel im Dachgeschoss.

Dort hatte sich am Montagmorgen, kurz nach 9 Uhr, noch ein um Hilfe schreiender Mann am Fenster gezeigt. "Der Mann hat um Hilfe geschrien und gerufen, er kriege keine Luft mehr. Mir war so, als wenn ich am Anfang zwei schreiende Männerstimmen gehört habe. Nach einer Weile war dann Ruhe, habe ich nichts mehr gehört", erinnert sich Danny K. Der Anfang Dreißigjährige aus Auerbach war mit einer der ersten am Unglücksort - und erwies sich mit noch einem anderen Mann als Ersthelfer.

Er habe in Plauen einen Arzttermin gehabt und habe danach noch zum Mediamarkt gewollt. Da dieser noch nicht geöffnet hatte, habe er mit dem Auto den Heimweg antreten wollen. "An der Kreuzung konnte ich direkt in die Dürerstraße schauen und habe eine schwarze Rauchsäule aus einem Fenster des Hauses gesehen", erinnert sich Danny.

Kurzentschlossen fuhr er in die Dürerstraße rein, setzte den Warnblinker - und per Handy den Notruf ab. Danny K. rannte in das Haus, dessen Tür nur angelehnt war - bis hinauf ins Dachgeschoss. "Ich habe an alle Türen geklopft, um die Leute zu warnen." In den unteren Etagen seien ihm Angehörige der Roma-Familie begegnet, einen Stock drüber eine Familie mit drei, vier Kindern. In der dritten Etage eine junge barfüßige Frau, nur mit einer Decke bedeckt.

Ganz oben sei aus der linken Wohnung ein junger Kerl und eine Frau gekommen, die noch schnell eine ihrer Katzen retten wollte. "Die Frau hat eine ihrer Katzen in einen Eimer gepackt und ist dann die Treppe runter", glaubt sich der Helfer zu erinnern. Drei Mal sei er das Treppenhaus rauf und runter, um die Bewohner zu warnen und zu helfen.

Unterstützung bekam Danny K. später von einem anderen Mann. Bis in die obere rechte Wohnung, in der später die zwei Toten geborgen wurden, gelang es indes nicht, vorzudringen: "Wir kamen nur bis zur halben Treppe. Der Rauch war zu dicht." Danny K. fragt sich, weshalb die zwei Dachdecker, die wohl am eingerüsteten Nebenhaus zu tun hatten, nicht halfen.

"Die haben nur die Straßenseite gewechselt." Anwohner der Dürerstraße waren die drei jungen Leute aus der Dachwohnung bekannt. Oft sei es da laut zugegangen, Lärm und Musik drangen aus offenen Fenstern. Wenn der Krach einmal nicht von den Roma im Erdgeschoss ausgegangen sei, dann von den jungen Deutschen von oben.

Gesehen habe man das Trio auch öfter am Plauener Tunnel - bei den Leuten mit den Bierflaschen. "Jetzt geht es sicher bald leiser zu. Die Roma sind ja weg", sagt eine ältere Frau mit Hund.