Jung-Bauern treten aufs Gaspedal

Letzter Schultag bei den Landwirtschaftslehrlingen in Reichenbach: Die 28 jungen Leute aus dem Vogtland und dem Zwickauer Raum danken ihren Lehrern artig mit Blumen - und lassen die Motoren röhren.

Reichenbach -  Die Lehrlinge waren gestern mit zwölf Traktoren zum Berufsschulzentrum Reichenbach gekommen: Und dort startete der traditionelle Traktoren-Korso durch die Neuberinstadt - mit Hupen, brüllenden Motoren und angeführt von einem 500er Trabi, gesteuert von Schulleiter Tasso Börner.
Die 28 Lehrlinge kommen aus der Region und lernen in zwei Klassen, einer Vogtland-Klasse und einer Zwickauer Klasse; mit acht Mädchen ist das "schwache" Geschlecht in diesem Jahr stark vertreten. 
Am kommenden Mittwoch stehen die theoretischen Prüfungen an: 60 Minuten "Wiso - Wirtschaft und Soziales", 90 Minuten "Pflanze" und 90 Minuten "Tier". Dann folgt das praktische Examen in den Ausbildungsbetrieben. "Es müsste mit dem Teufel zugehen, wenn einer aus der ,Vogtland-Klasse‘ die Prüfung nicht schafft", sagt Berufsschullehrerin Uta Lenke, eine gelernte Agrotechnikern, die Agrarpädagogik studiert hat und Pflanzenproduktion an der Schule unterrichtet.
Für Frau Lenke beginnt das letzte Jahr am Reichenbacher BSZ: Im Sommer 2020 will sie nach eigenen Worten in den Ruhestand treten - und weiß schon, wer ihre Nachfolgerin wird: Maria Lenk wird ihr folgen - nach dem Babyjahr. Die 29-Jährige war Sächsische Milchkönigin und hat ihr Referendariat an der Schule absolviert; gerade kümmert sie sich um ihren vor drei Wochen alten Sohn Willy. "Ich hätte nichts dagegen, wenn er mal in die Landwirtschaft einsteigt", erklärt die junge Mutter. Gute Voraussetzungen hat Willy: Sein Großvater führe in Irfersgrün bei Lengenfeld einen Landwirtschaftsbetrieb und sein Onkel habe ebenfalls das BSZ in Reichenbach besucht, berichtet die Mutter, die gestern mit ihrem Sohn teilgenommen hat am Spektakel des letzten Schultages. 
Das hatte schon zeitig begonnen - für Lehrer Klaus Schaarschmidt. "Problem war, dass am gleichen Tag die Mechatroniker und Kältetechniker eine Probe-Prüfung geschrieben haben. Wegen des Lärms mussten die Traktoren der Landwirtschaftslehrlinge spätestens 7 Uhr auf dem Hof sein. Ich habe gesagt: Wer später kommt, den jage ich weg."
 Doch pünktlich standen die riesigen Traktoren an Ort und Stelle: Vom weißrussischen Belarus, der schon in der DDR Dienst getan hat, bis zu Hightech-Modellen von Fendt, New Holland und John Deere, die sechsstellige Summen kosten, hunderte PS haben und vollgestopft sind mit GPS-gesteuerter Computertechnik. Die weiteste Anreise hatte ein Traktor aus der Nähe von Rittersgrün im Erzgebirge.
Welche Pläne haben die angehenden Landwirte nach dem Berufsabschluss? Vanessa Wendler (19) vom Hofgut Eichigt will ihren Wirtschafter machen - an der Fachschule in Plauen. Dorthin zieht es auch die 24-jährige Tessa Kaden, die nach dem Abitur in der Agrargenossenschaft Bobenneukirchen beschäftig ist - und auch dort bleiben will, wie sie betont. "Mein Betrieb unterstützt mich. Nach dem Wirtschafter will ich noch den Meister anhängen."
Diese Absicht hat ebenfalls Barnabas Bräutigam von der Agrargenossenschaft Syrau. Melissa Rösch (AG Großzöbern) will dagegen in Freiberg die Ausbildung fortsetzen. "Techniker ist die Summe aus Wirtschafter und Meister. In Freiberg hat man Kontakt mit Leuten aus ganz Sachsen, das weitet den Horizont."
Dominik Öhlhorn gehört zu den Wenigen, die (vorerst) aus der Landwirtschaft ausscheiden: "Ich habe in der Agrargenossenschaft Theuma-Neuensalz gelernt und will jetzt zur Bundeswehr, zu den Pionieren bei Regensburg. Vorerst für zehn Monate, vielleicht verlängere ich und werde Unteroffizier für acht Jahre." Nach eigenen Angaben hat ihm die Landwirtschaftsausbildung Spaß gemacht, zumal er familiär vorbelastet ist: Vater hatte früher als Nebenerwerbslandwirt einen Stall in Theuma, in dem 15 Mutterkühe standen. ufa