Jugendring schockiert: Vogtlandkreis kürzt Mittel

"Es ist ein unmöglicher Zustand: Warum wird immer bei den sozial Schwächsten unserer Gesellschaft gespart? Warum bei Kindern und Jugendlichen? Sind sie nicht unsere Zukunft?" Fragen, die Birgit Tauscher, Koordinatorin und Geschäftsstellenleiterin des Kreisjugendrings (VKJR) stellt.

Kurz vor der am Mittwoch im Europäisches Kultur- und Jugendbildungszentrum ARCHA stattgefundenen Vollversammlung des VKJR im Schönecker Ortsteil Schilbach, bekam die Plauener Geschäftsstelle durch Zufall die Nachricht von einer Fördermittelkürzung in Höhe von 8000 Euro durch das Jugendamt des Vogtlandkreises. "Man hielt es bisher nicht für nötig, uns offiziell zu informieren", so Birgit Tauscher gegenüber unserer Zeitung.

"Der Zuschuss kam über viele Jahre Familien zugute, die zum Beispiel im Niedriglohnsegment beschäftigt sind und sich nicht vor Antragsformularen und Offenlegung ihrer Finanzen scheuten, um ihren Kindern eine Teilnahme an Ferienangeboten zu ermöglichen. Erst auf der gestrigen Versammlung wurde der Verband durch den Jugendamtsleiter des Landkreises, Dr. Berthold Geier informiert", sagt Tauscher.

"Bisher konnten Kinder die in der Regel maximal ein halbes Jahr bewilligten 10 Euro pro Monat aufsparen, die für die Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben der Kinder und Jugendlichen, also etwa für Vereinsmitgliedschaften angedacht waren und für den Teilnahmebeitrag einer Freizeitmaßnahme verwenden. 2011 wurden von 100 Anträgen durch das Jugendamt 81 Anträge für 113 Kinder positiv beschieden. Damit konnten diese Kinder erholsame Ferientage verleben, die ihnen ihre Eltern aus finanziellen Gründen selbst nicht hätten ermöglichen können", erklärt die Geschäftsstellenleiterin.

Amtsleiter Geier machte laut Frau Tauscher deutlich, dass eine Abwendung der Streichung nur dann erfolgen kann, wenn der Vogtlandkreisjugendring einen Teil seines Budgets für den Förderbereich Kinder- und Jugenderholung zur Verfügung stellt. Auf der Vollversammlung wurde daher ein Dringlichkeitsantrag zur Bereitstellung von 4000 Euro durch den Verband verabschiedet, obwohl noch unklar ist, ob die beim VKJR verbleibenden Fördergelder tatsächlich für die Förderung aller Maßnahmen ausreichen.

"Vorgeplante Freizeiten können eventuell nicht mehr stattfinden. Unter dem Leitziel: ,Familienfreundliches Vogtland 2020' sollte nicht den Familien der Boden unter den Füßen weggezogen werden, die sich für ihre Kinder stark machen und ihnen die Teilhabe an aktiver Freizeitgestaltung und Erholung mit andern Kindern ermöglichen. Mit dem Wegbrechen werden Tür und Tor für extremistische Gruppen geöffnet. Das Ziel der Jugendarbeit, Kinder und Jugendliche in ihrer Entwicklung zu eigenständigen und gemeinschaftsfähigen, selbstständig denkenden und handelnden Persönlichkeiten zu fördern, ist mehr als gefährdet. Wie es weiter geht, weiß keiner", so Birgit Tauscher.

Die Vorstandswahl geriet angesichts der Probleme fast zur Nebensache: Einstimmig wurde der bisherige Vorsitzende Michael Kreßler, Jugendpfarrer im Kirchenbezirk Plauen, bestätigt. Als Stellvertreter fungiert Frank Pauli und Stephan Weidlich ist alter neuer Schatzmeister.