Jugendherberge - ein echter Hingucker

Die Jugendherberge Schöneck erstrahlt in neuem Glanz. Kurz vor dem Jahreswechsel fand die Eröffnung statt.

Von Helmut Schlangstedt

Eine Jugendherberge hat Schöneck schon lange. Das bisherige Domizil mit seinen damals 60 Betten in zwölf Zimmern war ein ehemaliges Vereinsheim aus dem Jahr 1905, das jedoch die heutigen Anforderungen nicht mehr so recht erfüllen konnte. Der Standort allerdings war super und in der Kategorie A eingestuft, was zukunfts- und förderfähig bedeutet.
Ein Ersatzneubau musste her, der bereits Anfang 2009 in der Herberge diversen sächsischen CDU-Politikern, darunter dem damaligen CDU-Fraktionschef Steffen Flath, vom sächsischen Jugendherbergsverband vorgestellt wurde. Doch deutsche Politmühlen mahlen bekanntlich sehr langsam, weshalb noch einige Jahre ins Land gehen sollten, bis Herbergsvater Dieter Neumann Ende Juni 2015 endlich für die letzten Gäste das Licht ausknipsen konnte. Im November 2015 kam dann der Fördermittelbescheid über 70 Prozent der Baukosten, im Juni 2016 verschwand das alte Gebäude, einen Monat später war Baubeginn, die Grundsteinlegung erfolgte am 8. November und Richtfest war schließlich am 27. Oktober 2017.
Nach einer "Kunstpause" ging es dann auch mit dem Innenausbau weiter und jetzt, kurz vor Jahresende 2019, nämlich am 28. Dezember, erfolgte die Eröffnung der neuen Jugendherberge.
Wow - so geht es einem durch den Kopf, wenn man das dreiteilige Bauwerk mit seiner großen Glasfront Richtung Südwesten sowie Gesamtbaukosten in Höhe von 8,6 Millionen sieht. Und dieser Eindruck setzt sich fort, wenn man die "Herberge" betritt und sich in einer Rezeption wiederfindet, die der eines großen Hotels eigentlich in nichts nachsteht und mit ihren zahlreichen gepolsterten Sitzmöglichkeiten auch dem größten gleichzeitigen Gästeandrang widersteht. Was ebenfalls sofort ins Auge fällt, ist die Farbgebung des gesamten Hauses in anthrazit und gelb. Anthrazit als Symbol für Durchgangs- und gelb für Aufenthaltsbereiche, erklärt Paul Wehner, seit Jahresanfang der neue Herbergsleiter, nachdem Dieter Neumann seinen Ruhestand genießt aber selbstredend weiterhin ein bisschen mitmischt.
Neben der Rezeption befinden sich im Erdgeschoss ein Freizeitraum mit Tischtennis und Dart, ein Tagungsraum für bis zu 90 Personen, ein Seminarraum, der Speisesaal, die großzügige moderne Küche, Aufbewahrungsräume für Fahrräder und Skier sowie Technik- und Verwaltungsräume. Dazu gehört auch ein Raum mit Waschmaschinen zur Benutzung durch die Gäste, nicht unbedingt selbstverständlich. Interessant am Speisesaal: Die Wand zum angrenzenden Seminarraum kann zusammengeklappt werden, so dass bei Bedarf sämtliche Gäste gleichzeitig essen können und Platz finden.
Die 40 Zimmer mit insgesamt 136 Betten für die Besucher befinden sich in der zweiten und dritten Etage der drei dreigeschossigen Häuser, in denen sich in jeder Etage zusätzlich ein Gruppenraum mit großer Glasfront und Ausblick, insgesamt also sechs, befindet. Das gesamte Gebäude ist außerdem komplett barrierefrei, wozu auch drei Aufzüge und zwei rollstuhlgerechte Zimmer gehören. Die Zimmer mit zwei bis fünf Betten, etwa für Familien, sind kurz gesagt super - klein aber fein, wozu etwa Leselampen nebst Steckdose an jedem Bett und selbstredend Dusche und Toilette gehören. Und natürlich gibt's kostenloses WLAN. Viel nobler geht's im Hotel auch nicht zu…
Zwar ist die Jugendherberge eine preiswerte Alternative zum Hotel. So gibt es die Vollpension in Schöneck bereits ab 39,50 Euro. Allerdings ist eine Jugendherberge zuvörderst ein Vereinsheim nur für Mitglieder des Deutschen Jugendherbergswerks Mitglied kann dabei gewissermaßen jeder vom Säugling bis zum Urgroßvater werden, wobei der Jahresbeitrag je nach Alter zwischen 7 und 22,50 Euro beträgt. Die Mitgliedschaft gilt in allen Jugendherbergen, sogar im Ausland. Und so sieht Paul Wehner keine Einschränkungen bei den potentiellen Besuchern und nennt Schulklassen, Vereine aller Art, Kindergärten, Familien, Ferienlager, internationalen Austausch oder auch Firmen, etwa für Tagungen, als Beispiele
Langweilig wird es für die Gäste in Schöneck nicht, denn für Freizeitangebote arbeitet man auch mit ortsansässigen Partnern zusammen. Nur ein Beispiel sind die Organisation von Pauschalreisen für Gruppen, beispielsweise durch das Vogtland. Sowohl der alte als auch der neue Herbergsvater blicken dabei optimistisch auf das kommende Jahr. So ist etwa der Februar so gut wie ausgebucht und sogar für 2021 liegen schon Anfragen vor.
Die offizielle Eröffnung mit Feierstunde und Prominenz sowie einem Tag der offenen Tür findet am 29. Februar statt. Eine Gelegenheit zum Kennenlernen, die man sich nicht entgehen lassen sollte.