Jüdische Gemeinde ehrt Adorfer Maler Scheuch

Die Jüdische Gemeinde zu Dresden ehrt den Adorfer Maler Otto Scheuch (1916 bis 1997) mit der Ausstellung "Appassionata". Im großen Gemeindesaal im Komplex der neuen Synagoge werden rund 60 Arbeiten des Vogtländers gezeigt.

 

Maßgeblich beteiligt sind Sohn und Tochter des Künstlers, Professor Klaus Scheuch und Ulla Lenk, sowie ihre Familien. Zur Vernissage herrschte überwältigender Andrang. Mitglieder der Jüdischen Gemeinde und Kunstfreunde aus ganz Deutschland erlebten eine erste Begegnung oder ein beglückendes Wiedersehen mit den Werken von Otto Scheuch, die von zahlreichen Leihgebern und aus Familienbesitz stammen. Seit sieben Jahren pflegt die Jüdische Gemeinde zu Dresden die Tradition, jährlich etwa fünf Ausstellungen mit unterschiedlichen Themen und Akteuren zu gestalten, erklärte Vorsitzende Nora Goldenbogen.

 

Über seinen Vater als Maler zu sprechen, sei nicht leicht, meinte Klaus Scheuch, der als Arbeitsmediziner an der TH Dresden lehrt. Aus einer Fülle von Zitaten konnte er schöpfen, welche der Vater in ausführlichen Briefen an ihn hinterlassen hat. In seiner klugen und einfühlsamen Laudatio schilderte der Sohn die Persönlichkeit und Schaffensmethode von Otto Scheuch. "Wandlungen und Sprünge" hatte der Künstler in seinem Leben erfahren, "seine Entwicklung war erheblich vom Krieg beeinflusst". In der Suche nach Sinn und Optimismus sah der Maler sein großes Anliegen, die "Brücke zwischen Kunst und Volk" zu schlagen.

Mitte der 1960er Jahre findet er in einer schweren Lebenskrise Hilfe in Heiligendamm in der "Komplextherapie", die von Dr. Hansjörg Scherer erstmals in der DDR angewandt wurde. Durch den freundschaftlichen Kontakt mit dem Arzt lösen sich seelische Spannungen. "Gemeinsam schufen sie den neuen Maler Otto Scheuch", erklärte der Laudator. Scheuch begann nach Musik, ohne fertiges Konzept zu malen. Nach erfolgreichen "Comeback-Ausstellungen" in Oelsnitz und Bad Brambach folgte 1983 die Ausstellung im Leibniz-Club in Leipzig mit der Galeristin Hannelore Röhl. Der Schriftsteller Werner Heiduczek und Karl Ottomar Treibmann, der aus dem vogtländischen Raun stammende Komponist und Musikprofessor, sorgen für die Brücke zwischen den Künsten. 1996 schließlich kommt es auf Schloss Voigtsberg in Oelsnitz zur umfassenden Retrospektive anlässlich des 80. Geburtstages von Otto Scheuch, "einem Höhepunkt in seinem Leben".

 

Seine enge Beziehung zur Musik und insbesondere zu Beethoven widerspiegelt das titelgebende Gemälde "Appassionata" - Leidenschaft (Öl auf Papier). "Man muss ein Suchender sein und bleiben", erinnerte die Adorfer Bürgermeisterin Mariechen Bang an einen Gedanken des Malers. In "berührenden Gesprächen" habe sie erfahren, dass sein Wirken als Pädagoge in der Heimatstadt nicht vergessen ist und seine Bilder in den Familien bewahrt werden.  R. Wöllner