Joopi Heesters kommt nach Bad Elster

Bad Elster - Was haben Joopi Heesters, Holger Biege, Helen Schneider und beispielsweise Max Raabe gemeinsam? Ein Blick in den Veranstaltungsplan der Chursächsischen Veranstaltungs GmbH für das kommende Jahr gibt Aufschluss.

 

Sie alle werden in der Bäderstadt gastieren, entweder im König Albert Theater oder unter freiem Himmel auf der Naturbühne. Stefan Seitz ist zwar als Mann für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit schon eine Weile im Geschäft, trotzdem hat er es nicht verlernt, sich über die "großen Namen" die hier "andocken" zu freuen oder tut gar so, als müsse man nur mit dem Finger schnippen und dem Scheck winken, damit sich der Kulturadel im beschaulichen Bad Elster die Klinke in die Hand gibt. Er weiß ganz genau und oft genug aus eigener Erfahrung, welche Geduld und Überzeugungskunst, verbunden mit dem Quäntchen Glück dazu gehören, um dem Publikum immer wieder kulturelle Leckerbissen der verschiedensten Genres anzubieten.

Anekdote zu jedem Künstler Und zu fast jedem Künstler hat er mittlerweile eine Anekdote parat. Kann sich erinnern, weshalb sie schließlich doch kommen oder weiß, weshalb sie für die örtlichen Spielstätten eine Nummer zu groß sind. Grund zur Freude hat er bereits am ersten Tag des neuen Jahres. Da nämlich präsentiert das Chursächsische Salonorchester gemeinsam mit dem Entertainer Marcus M. Doering Welterfolge der Filmmusik. Doering ist ein gefragter Mann und tourt von Leipzig aus um die Welt. Wie also bekommt man den beispielsweise ins König Albert Theater? Er ist gebürtiger Klingenthaler. Noch Fragen?

Am Valentinstag steht ein Mann auf der Bühne, besser gesagt eine Legende, der länger als kein anderer ins "Maxime" geht und bis heute darüber singt. Der weltweit älteste noch aktive Künstler. Johannes Heesters. Bisschen schräg angeguckt worden ist es wahrscheinlich, das Veranstaltungsteam der Chursächsischen, als es darüber sinnierte, den großen alten Mann der Operette nach Bad Elster einzuladen. Doch nun wird er da sein am 14. Februar, da ist sich Seitz sicher, "denn Heesters hat bisher alle Termine wahrgenommen, wenn er gesundheitlich konnte." Und einen Gag hat man sich gleich dazu gebastelt: Alle Besucher über 90 Jahre bekommen ein kostenloses Ticket.

Die Kabarett-Szene hat sowieso längst ihr Herz für Bad Elster entdeckt. Sündikat aus Berlin, die Dresdner Herkuleskeule, der Oberfranke Richard Rogler, Gunter Böhnke, Stumphi - allesamt Wiederholungstäter. Im nächsten Jahr wird Bernd Stelter zu Pfingsten erwartet, der Bär von einem Mann, weil er ein Haar auf der Brust hat und inzwischen 30 Kilo weniger auf den Rippen. Schade drum.

Das "Geheimnis" hat Seitz inzwischen ausgemacht. "Die reden miteinander und über die Auftrittsbedingungen wahrscheinlich nur Gutes." Hinzu kommt, dass die Künstler hier nicht "verheizt" werden. Besetzt einer künstlerisch eher eine Nische, gastiert er in dafür passenden Räumlichkeiten. "Wenn ich weiß, dass beispielsweise die Thalheim ein seit Jahrzehnten treues, aber vergleichsweise intimes Publikum hat, stelle ich sie nicht auf die Naturbühne", erklärt Seitz ein weiteres "Geheimnis".

Werbung zur besten Sendezeit Der Weltstar Helen Schneider hat zugesagt, ein verfrühtes Weihnachtsgeschenk für Seitz. Holger Biege und Gisela Steineckert. Max Raabe mit seinem Salonorchester. Der unverwechselbare Künstler bekommt jährlich 500 Anfragen, 150 nimmt er wahr, über die er selbst entscheidet. Bad Elster bekam einen Zuschlag.

Auf Götz Alsmann musste man lange warten, dann half der Zufall. Der Mann mit der Tolle gastierte des öfteren in Leipzig, irgendetwas muss ihn mal vergrämt haben, woraufhin er kurzerhand nach Bad Elster wechselte. Seine Reaktion nach dem Abend: "Hier bekommt man ja regelrecht Zucker in den Hintern geblasen." Der Dank ließ nicht lange warten. In seiner nächsten Sendung "Zimmer frei" machte Alsmann ordentlich Werbung für die ideale Spielstätte Albert Theater. Einem Haus, das zwar über keine Theaterkantine verfüge, stattdessen über ein vorzügliches Restaurant.

Seitz erzählt es mit hörbarem Genuss. Ulla Meinecke auf der Naturbühne. Dafür ließ man sogar den lieben Gott mitspielen. "An dem Abend herrschte ein unbeschreiblicher Sonnenuntergang und dann diese Künstlerin in dieser Kulisse." "Angst" vor großen Namen hat man in Bad Elster keine, wie auch das Publikum keine Berührungsängste zum vermeintlich überaus vornehmen Königlichen Theater haben sollte. "Wir spielen augenzwinkernd mit dem Begriff, aber der eigentliche König ist das Volk, das Publikum", macht Seitz deutlich.

Auf einige Künstler wird er dennoch warten müssen. "Die macht 2000", sagt Seitz über die von ihm als Gast begehrte Ina Müller. Will heißen, die füllt Säle dieser Kapazität. Also vorerst nicht in die Kurstadt zu "locken". Andere Künstler spielen in der 300 bis 500-Liga, wieder andere in der 1000er. Aber so viel Leute mit beispielsweise Rock und Pop in die "Provinz" zu holen, sei schwierig. Denn die "Konkurrenz" ist nah - Plauen, Hof, Zwickau.

Das Publikum verjüngen

Ein Howi Carpendale begibt sich auf wiederholter Abschiedstournee eben nach Zwickau, inklusive entsprechender Ticketpreise nah an der 100-Euro-Grenze. Wichtig ist Seitz denn auch neben großen Namen die Verjüngung des Publikums. Dass diese Klientel inzwischen zu Otto-Reutter-Abenden kommt, ist fast schon normal. Aber ein langer Weg bis dahin. Am zweiten Tag des neuen Jahres darf übrigens schon herzhaft gelacht werden. Denn dann präsentiert Gunter Böhnke "Das Schweigen der Männer". Man(n) gönnt sich ja sonst nichts.